Die Lausbuberl-Partie

Kommentar | Conrad Seidl
1. August 2012, 18:25

In Kärnten soll alles beim Alten bleiben - was einer Drohung gleichkommt

Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat es auf den Punkt gebracht: Mit der Rochade innerhalb der mächtigen Familie Scheuch wurde "die Kontinuität gewahrt" - statt Uwe wird eben künftig Kurt Scheuch sagen, wie es in der Landespolitik weitergehen soll. Und es wird so weitergehen wie bisher - also mit jener Mischung aus Arroganz und Wehleidigkeit, mit der die Freiheitlichen signalisieren, dass sie alles anders machen und ihnen die anderen Parteien, die anderen Bundesländer, ja selbst die Justiz eigentlich nur den verdienten Erfolg neiden.

Es ist diese Dreistigkeit, die es lustig und erfrischend anders erscheinen lässt, wenn man Ortstafeln versetzt. Es ist diese Bauernschläue, mit der man Parteiwerbung und Landeswerbung gleichschaltet. Es ist diese Indolenz, mit der man versucht das eigene Fehlverhalten als Umsetzung einer höheren Gerechtigkeit zu interpretieren - und zwar umso trotziger, je klarer die Justiz aufzeigt, dass das Fehlverhalten kriminell ist.

Es ist diese Frechheit, mit der man Stimmen fangen kann, besonders in Kärnten: Das hat ja schon Jörg Haider bewiesen, der die Doppelrolle des zu Unrecht von den Mächtigen der Republik Verfolgten und die des Rächers der Entrechteten perfekt beherrscht hat.

Natürlich hat jeder Beschuldigte das Recht auf die Unschuldsvermutung, natürlich hält Uwe Scheuch, der nun gleich in mehreren Strafsachen von der Justiz belangt wird, diese für sich persönlich aufrecht.

Und mit ihm alle seine Weggefährten: Der Abgang des Beschuldigten sei kein Schuldeingeständnis, hieß es am Mittwoch, die Freiheitlichen träumen sogar von einem Comeback.

Nur in Wien ist es den Blauen nicht mehr ganz geheuer, was in Kärnten passiert: Parteichef Heinz-Christian Strache sprach distanziert und distanzierend von einem "achtbaren Schritt", den Uwe Scheuch gesetzt habe. Man kennt die Um fragen, in denen die FPÖ ihr Saubermann-Image verliert - der Zuwachs, den die "Freiheitliche Familie" mit der Rückkehr des Kärntner BZÖ unter die blaue Dachmarke der Freiheitlichen erfahren hat, könnte zur Belastung für die Bundespartei werden.

Die Idee der Kärntner Gesinnungsfreunde, die Kärnten-Wahl mit der Nationalratswahl zusammenzulegen, muss die Parteistrategen gehörig erschreckt haben. Die Kärntner Skandale sollen nur ja nicht von Straches Kampf um die Macht ablenken. Die Erwartungen der FPÖ sind hochgeschraubt, man weiß in Wien gut, dass man die Kärntner Stimmen bei der Nationalratswahl brauchen wird.

Aber da sollte in Kärnten schon alles aufgeräumt sein. Wobei die Struktur der Freiheitlichen dazu zwingt, der Kärntner Gruppe freie Hand zu lassen. Ob die Kärntner nun den in reifen Demokratien üblichen Weg zu Wahlen freigeben oder ob sie unreife Lausbubentricks anwenden und mit vernehmbarem "Ätsch!" den Neuwahlbeschluss bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben trachten - das entscheiden die Kärntner Blauen für sich allein. Für Strache ist nur wichtig, dass die Wahlen in Kärnten nicht mit seinem Wahlkampf zusammenfallen.

Für eine Bundeswahl käme das Lausbübische, das die Klientel der Kärntner Freiheitlichen so gerne hat, nicht gelegen. Den Kärntnern bleibt die Lausbuberlpartie allerdings erhalten. Das hat der Landeshauptmann versprochen. Für die Mehrheit klingt das wie eine Drohung. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 2.8.2012)

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die kärntner sollen bekommen, was sie wählen, aber

der rest österreichs darf davon nicht betroffen sein.
wenn in einem bundesland mit den gesetzen federball gespielt wird und eine ganze mannschaft vom staatsanwalt belangt wird, dann ist es genau das, was die wähler längst hätten sehen müssen. wenn sie das weiter wolle, ist das eben demokratie. aber sie sollen auch selbst die zeche zaheln, etwa die haftung für die hypo etc.

Diese Kontinuität kann sich Hr. Dörfler an den Hut stecken.

Weg mit diesen Pülchern, die nicht wissen, wann es genug ist.

Neuwahlen, aber flott!

Wehe!

Also wenn die Partie von den Wählern wieder
ins Haus geholt wird, dann kannst Kärnten mit gutem Gewissen aufgeben.

Ich weiß ja nicht, ob Sie, Herr Seidl, FPK Wähler persönlich kennen

Ich als (zum Glück!-)-ehemalige Kärntnerin kenne einige und ich kenne auch ziemlich viele Strache-SympatisantInnen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die ihre Gesinnung nun von heute auf morgen ändern werden. Die sind nämlich sowas von geeicht - man glaubt es kaum!

Messerscharf erkannt.

dem ist nur beizupflichten
der fisch stinkt in den eingeweiden zuerst

den teufel mit dem belzebub austreiben oder : die pest durch die cholera ersetzen

uwe versucht scheinbar medial aus der schusslinie zu flüchten, um seine chancen auf eine nichterhöhung des zweitinstanzlichen part of the game urteils, gegen das die staatsanwaltschaft berief, zu verbessern...

mittlerweile werden ihm zusätzlich nicht nur autoschieberei und versicherungsbetrug sondern auch noch untreue und versuchte geldwäsche nachgesagt...

die, ganz in der freiheitlichen nepotismus tradition stehende hofübergabe an den unbeherrschten kurt wird sich nicht nur wegen dem krötensager schon sehr bald als boomerang erweisen...

die ideologen des mölltaler verbrechersyndikats haben ihre letzte chance zur politischen korrektur vertan und den point of no return am weg in die politische bedeutungslosigkeit überschritten...

"Strache taucht weg." Wer glaubt denn sowas?

Der eine Klotz an seinem Bein (Uwe) ist weg. Der zweite Klotz (späte Wahlen), wie es scheint, auch. Hätte der Kurt da nicht dem HC gehorcht, hätte es sich wohl ausgescheucht.

Was ist los ?

Hr. Seidl jetzt auf RAU-Linie ?. Oder irre ich gewaltig ?.

Ich kann mich noch an die Zeit erinnern...

...als Herr Seidl ganz begeistert vom Jörg und seiner Entourage war, freue mich aber über seinen offenbaren Gesinnungswandel.

Wenn es endlich gegen PFK geht, finde ich das

höchst willkommen.

Sie können nicht so einfach als "LinksLinke Lichterl" abgestempelt werden?

"Linke Lichterlhoida" hat der Scheuch K die DemonstrantInnen geheißen (oder wars "Kerzalhoida"?)

Nicht vergessen - das wichtigste Wort war "MOB" ..

...taucht leider immer weniger auf.

Ich bin da optimistisch.

Wer von Allmachtsfantasien überzogen, aber intellektuell nicht in der Lage ist, Situationen richtig einzuschätzen, landet letztlich unsanft in der eigenen Grube.

Nein, die Kärntner/innen sind nicht blöd. Sie haben sich von Gaunern verführen lassen - und merken jetzt, dass sie die Nettozahler sind.

Ihre Reputation und ihre finanziellen Grundlagen befinden sich im drastischen Abschwung.

Viele vormals FPK und ÖVP Wähler werden nicht wählen gehen. SPÖ?
Die wirklichen Gewinner könnten Grüne und Neue (Piraten?) werden.

Piraten allein wegen ihrer gegen-das-Esrablishment Haltung.

Und das könnte ein politischer Disaster werden für die Altbubengauner und die mit plündernde ÖVP.

Ich sehe die Lage leider nicht so rosig wie sie.
Ich kenne ein paar der klassischen FPK Wähler, für die ist nur interessant dass der Politiker ein Trachtenjackerl trägt, auf die Slowenen, Italiener, Wiener und ein wenig auf die anderen Bundesländer schimpft. Und sagt die Kärtner sind die besten auf der Welt. Die Korruption ist egal, weil anderen sind 1000mal korrupter. Diese Wähler werden sie nie verlieren, außer sie machen einen farbigen zum Parteiobmann.

Auch gibt es keine Konkurrenz. ÖVP - korrupt, Spö hat eine korrupte Vergangenheit, das bleibt Ihnen. Und die grünen haben keinen großen Stand in Kärnten. Vor dem Dilemma stehen die Kärntner, wen soll man wählen? Vielleicht doch das bekannte übel?

Wäre der Petzner farbig genug?

Die von Dörfler versprochene Kontinuität ist keine Drohung, sondern ausgeklügelte Wahlstrategie. "Never change a winning team", bestenfalls halt den Vornamen. Oder gibt es Hinweise, dass die Kärntner wirklich was anderes wollen als die FPK-Truppe???

Richten müssen es die, die es angerichtet haben, nämlich die Wähler.

wieviele Verlängerungswochen hat der Strache eigentlich bei seinem Urlaub noch dazugebucht

nicht dass er mir abgeht, aber wie der sich da wegduckt ist schon beachtlich - sonst kriegt er ja auch wegen jeder Kleinigkeit einen Schreianfall

ich hoffe mal so um die 417 ;)

Lausbuben

Die "Lausbuben" sind zum Teil Kriminelle.

Wenn aber heute früh Kurt Scheuch im OE 1 Interview auf den zeitlichen Zusammenhang seiner Ernennung zum neuen Parteichef und der Erhebung einer Anklage der Staatsanwaltschaft hinweist, dann nehme ich ihm das ab.

Und genau darin liegt ein weiteres Problem, nämlich die Nähe der österr. Justiz zur Politik. Der "Part-of-the-Game"-Deal war illegal, aber wenn die Burgstaller in Salzburg soetwas macht ist es legal. Und das ist nicht gut.

Die Justiz in Österreich ist schwach und einseitig. Darunter leiden wir alle.

die Burgstaller

nimmt geld für die verleihung von staatsbürgerschaften?

dann zeige sie an, vergiss die beweise aber nicht

ja genau, wir haben eine justiz, die seit jahr und tag der spö hörig ist. wtf?
mit ausnahme von maria berger 2007-08 war kein einziger justizminister seit 1983 rot!!!
ist hier sehr schön zu sehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Just... 6sterreich
aber es läuft schon wieder das alte spiel: statt mit einem minimalen rest von ehre und anstand einzugestehen, dass man sich daneben benommen hat, wird reflexartig sofort damit begonnen, "die roten" anzuschütten, wird schon was hängenbleiben. auch dieses vorgehen kennen wir zur genüge und es wurde ja bekannterweise unter schwarz-blau zur perfektion entwickelt.
widerwärtig...

Tja - die Ratten werden wohl immer wieder aufs neue gefangen...

http://derstandard.at/134374366... iderlegbar

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