Syriens Opposition streitet über die politische Zukunft

1. August 2012, 18:03

Verschiedene Gruppen der Opposition versuchen sich für die Zeit nach Assad in Stellung zu bringen

Die Ankündigung einer Exilregierung von Haytham al-Maleh tat der Syrische Nationalrat als übereilt ab.

 

"Dem hat noch vor kurzem der syrische Geheimdienst den Koffer getragen", meinte kürzlich in Kairo ein prominenter syrischer Oppositioneller über einen seiner Gegenspieler. Syriens Opposition ist zersplittert und tief zerstritten. Mehrere Einigungsversuche sind in den vergangenen 16 Monaten gescheitert. Misstrauen, Missgunst und persönliche Fehden - über Jahrzehnte von Vater und Sohn Assad geschürt - vergiften das Klima. Je näher der Fall des Regimes von Bashar al-Assad rückt, desto unüberbrückbarer werden die Gräben. Vor allem die Kluft zwischen Exil-Opposition und den neuen lokalen Revolutionskomitees im Land wird größer, denn alle beginnen jetzt, Pläne für die Nach-Assad-Zeit zu schmieden.

Vorgeprescht ist nun Haytham al-Maleh, der 82-jährige Doyen der syrischen Menschenrechtsaktivisten. Am Dienstag hat er in Kairo die Bildung einer Exilregierung im Namen einer Koalition von etwa 45 syrischen Unabhängigen ohne politische Bindung angekündigt. Er sei beauftragt worden, eine Übergangsregierung zu leiten und Konsultationen im In- und im Ausland zu führen, erklärte er vor Journalisten.

Nach seinen Vorstellungen sollen diesem Kabinett viele Revolutionsaktivisten angehören. Es solle das exekutive Organ vor Ort sein, während der Syrische Nationalrat (SNC) als eine Art Parlament fungieren würde, präzisierte Maleh seine Vorstellungen.

Jahre im Gefängnis

Maleh war seit den 1960er-Jahren als Menschenrechtsanwalt tätig und ist dafür mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet worden. Er wurde mehrmals verhaftet und verbrachte einige Jahre im Gefängnis. Am 8. März 2011, nur Tage vor dem Ausbruch der ersten Demonstrationen, wurde er im Rahmen einer Amnestie freigelassen. Die ersten Monate des Aufstands erlebte er im Land, dann verließ er Syrien, schloss sich dem SNC an und ging nach einiger Zeit seinen eigenen Weg. Dem SNC warf er Ineffizienz vor, er tue wenig Konkretes für die Menschen im Land.

Auch seine neueste Initiative war nicht mit dem SNC, der am breitesten gefächerten Gruppierung der Opposition, abgesprochen. Abdel Bassel Sayda, der neue Vorsitzende des SNC, kritisierte dann auch die Bildung einer Exilregierung als einen verfrühten Schritt, der die Opposition schwäche. Sayda seinerseits hatte vor wenigen Tagen angekündigt, dass er mit lokalen Rebellengruppen über die Bildung einer Übergangsregierung diskutieren wolle, die von einer Persönlichkeit geführt würde, die sich seit Beginn des Aufstandes engagiert habe.

In Syrien entwickelt sich das Vereinigte Kommando der Freien Syrischen Armee (FSA) in Homs unter Kassem Saadeddine zum zentralen Koordinationsorgan der FSA. Dieses hat einen eigenen Vorschlag zur "Nationalen Rettung" veröffentlicht, der für die Übergangszeit die Bildung eines "Präsidialrates" aus sechs Militärs und Politikern vorschlägt, der den politischen Transformationsprozess steuern soll.

Und noch eine Gruppe versucht sich für die Nach-Assad-Zeit in Stellung zu bringen: die politischen und militärischen Deserteure, allen voran Ex-Generalbrigadier Manaf Tlass. Der wird seit Tagen in den Hauptstädten der Region hofiert, was bei der Opposition den Verdacht geschürt hat, Länder wie die Türkei oder Syrien könnten mit Tlass, einem Jugendfreund der Assad-Brüder, Zukunftspläne schmieden. Aber auch über ihn sind die Meinungen in der Opposition gespalten.

Machthaber Assad erklärte den Kampf gegen die Rebellen zur Schicksalsfrage. "Das Schicksal unseres Volkes und unserer Nation - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - hängt von dieser Schlacht ab", erklärte er anlässlich des 67. Jahrestags der Armeegründung am Mittwoch. (Astrid Frefel aus Kairo /DER STANDARD, 2.8.2012)

Share if you care
15 Postings
wie absurd ist die berichterstattung eigentlich schon geworden?

wo kommt die offizielle stelle syriens zur stimme?
wo wird deren version abgedruckt?

das ganze ist nur noch peinlich.

Die Syriens Opposition

Ist nicht besser als die Söldner, solchen Menschen kann man kein Land anvertrauen. Sie wurden von Amerika Bezahlt. Wo sind hier die Menschenrechte - Die Opposition gleicht Hitler - sie sind 1000 Mal schlimmer als der Präsident Al Assad. Wie kann man solchen Menschen Vertrauen

Wie in Libyen: nach dem Fall der Regierung wird alles schlechter

Mit ein wenig Glueck bekriegen sich die freien Krieger des freien Willens bevor Assad faellt - und nicht danach. Die Syrier haben diese brutal-Terroristen nicht verdient.

"... nach dem Fall der Regierung..."

Sprache ist sehr variabel, ich würde z.B. sagen: "nach dem Sturz des Diktators".

Klar,

du bezeichnest ja auch Terroristen als unbewaffnete Demonstranten.

die schwierigkeiten sind enorm

auch im kurdischen geprägten norden syriens; die von assad tolerierte und teilweise auch geförderte pyd (sehr nahe zur pkk) und ein bündnis gemäßigter parteien (knc) haben in erbil durch vermittlung von barzani ein abkommen geschlossen; aber offensichtlich hält sich die pyd in der realität nicht an das abkommen; da die pyd etliche tausend bewaffnete kommandiert und straff organisiert ist, haben sie nun de facto das sagen; die kurdische bevölkerung wird aber immer unzufriedener mit der pyd; zudem war die pyd offensichtlich an den morden an einigen gemäßigten kurdischen politikern beteiligt (eventuell in zusammenarbeit mit dem syrischen geheimdienst); wenn die pyd sich nicht mäßigt, könnte es bald zu einem innerkurdischen aufstand kommen!

Ist ja ganz gut aufbereitet ihr posting. Nur ging es halt in dem Standard Artikel um die Grabenkämpfe innerhalb der verschiedenen Oppositionsgruppierungen und wurde mit keinem Wort die Kurdenproblematik angeschnitten. Lieben Gruß

Der derzeitige SNC-Vorsitzende ist übrigens auch ein Kurde!

na und? barack obama ist schwarz... gehts den afroamerikanern mit seiner wahl besser? oder profitiert das system von ihm?

barack obama ist schwarz...

Stimmt nicht.

eben deswegen muss dies auch gesagt werden, oder gehört der kurdisch dominierte norden nicht zu syrien?

und gehört der türkisch regierte Teil im Norden Kurdistans nicht zu Kurdistan?

Interactive: Tracking Syria's defections

http://www.aljazeera.com/indepth/i... terAccount

"The brigades across Syria are the same people who went out demonstrating peacefully at the start of the revolution, have been shot at and were forced to switch from carrying banners to carrying weapons," said Ahmad Zeidan, a opposition activist working on streamlining the anti-Assad insurgency.

They also watched resentfully as privileged Alawites and Sunni merchant families co-opted during five decades of repressive Baathist rule grew rich..

http://www.huffingtonpost.com/2012/08/0... 27583.html

das hat überhaupt nichts zu tun mit dem standard-artikel...echt trollig...

was hat das mit dem artikel zu tun? rein gar nichts!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.