Nationalpark-Ranger und Seilbahnbetreiber machen gemeinsame Sache

  • Von der Plattform in der umgebauten Gipfelstation der Gletscherbahnen Kaprun, die den Namen "Gipfelwelt 3000" trägt, bietet sich Besuchern ein Blick über ein Meer von Dreitausendern. Die Plattform liegt hart an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern.
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    Von der Plattform in der umgebauten Gipfelstation der Gletscherbahnen Kaprun, die den Namen "Gipfelwelt 3000" trägt, bietet sich Besuchern ein Blick über ein Meer von Dreitausendern. Die Plattform liegt hart an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern.

Kommen sich Nationalpark-Ranger und Betreiber von Seilbahnen zu nah, ist Funkenflug häufig programmiert. Am Kitzsteinhorn in den Hohen Tauern wird gezeigt, dass es auch anders geht. Ähnliches wird demnächst auch am Resterkogel in den Kitzbüheler Alpen geprobt

Wien - Das Schuhwerk der Besucher ist uneinheitlich, das restliche Outfit auch; die Reaktion der Leute beim Anblick der Dreitausender fällt aber meist ziemlich einhellig aus: "Wow".

Die im Vorjahr eröffnete "Gipfelwelt 3000" am Kitzsteinhorn ist der höchste Punkt im Salzburger Land. Eine Gondel bringt selbst Besucher auf 3029 Meter, die über null Alpinerfahrung verfügen. Von dort sind es dann nur mehr 360 Meter durch einen Stollen - und das Staunen kann beginnen.

Großglockner (3798 m), Großvenediger (3662), Hocheiser (3206) und viele andere 3000er scheinen von der weit auskragenden Aussichtsplattform aus zum Greifen nah. Die Besucher stehen hart an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern. Ebenso nahe an Österreichs größtem Nationalpark ist das Gletscherskigebiet hoch über Zell am See-Kaprun. Während andernorts häufig die Funken fliegen, wenn sich Nationalpark-Verantwortliche und Seilbahner zu nahe kommen, ist es hier anders.

Respekt und Vertrauen

"Das funktioniert nur, wenn man sich gegenseitig respektiert", sagte der Direktor des Nationalparks Hohe Tauern, Wolfgang Urban, dem Standard. "Wir respektieren, dass sich die Seilbahnen weiterentwickeln, und sagen nicht bei jedem Projekt außerhalb des Nationalparks: ,Das geht nicht, das ist zu nah dran.‘ Umgekehrt respektiert die Seilbahnwirtschaft auch uns, die wir dieses große, schöne Gebiet zum Schutz und zur Erhaltung für künftige Generationen übertragen bekommen haben. Auch von ihrer Seite hat es nie den Versuch gegeben, die Nationalparkidee zu durchkreuzen."

Der Kitt zwischen den an und für sich konträren Welten im Salzburger Land wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten angerührt. Die Gletscherbahnen Ka prun sind viel älter als der Nationalpark. Sie wurden 1963 durch die damalige Tauernkraftwerke AG, die Gemeinde Kaprun und das Land Salzburg gegründet mit dem Ziel, den Gletscher zu einem ganzjährigen Skigebiet auszubauen.

Keine skitechnische Erschließung

Anfang der 1980er-Jahre wurde das Grundgerüst für den Nationalpark Hohe Tauern gelegt. Dieser erstreckt sich inzwischen über 100 km von Ost nach West sowie über 40 km von Nord nach Süd und umfasst Teile Tirols, Kärntens und Salzburgs. Anders als etwa im Tatra-Nationalpark in der Slowakei, wo Skigebiete inkludiert sind, wurden beim Nationalpark Hohe Tauern Seilbahnen und Liftanlagen, die damals schon existiert haben, ausgeklammert.

"Es ist ein Glück, dass man das so gemacht hat", sagte Urban. "Damit ist der Nationalpark zwar etwas fragmentiert; andererseits ist dadurch auch klargestellt, dass eine skitechnische Erschließung im Nationalpark nie und nimmer infrage kommt."

Win-win-Situation

Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der Seilbahnen Österreichs, spricht von einem gut funktionierenden Miteinander von Natur und Tourismus, einer klassischen Win-win-Situation. Das sieht Nationalparkdirektor Urban genauso: "Die Seilbahnen haben im Sommer eine zusätzliche Attraktion, wir den Riesenvorteil, nicht nur die von Vornherein interessierten Besucher zu erreichen, sondern auch Menschen, die a priori nichts vom Nationalpark wissen." Zigtausende könnten so zusätzlich für die Nationalparkidee sensibilisiert werden.

Dort, wo die Kitzbühler Alpen in den Nationalpark Hohe Tauern hineinwachsen, soll nun ein ähnlich fruchtbares Miteinander gelingen. Auf dem knapp 2000 Meter hohen Resterkogel wird übernächstes Wochenende ein halbkreisförmiger Zubau zur Bergstation eröffnet, mit Panoramablick, Erklärung der Gipfel - wahlweise auch elektronisch unterstützt.

Dieses Kooperationsprojekt mit den lokalen Bergbahnen ist laut Urban selbsterklärend. "Aber wer weiß, vielleicht werden wir dort irgendwann auch eigene Nationalpark-Ranger abkommandieren wie am Kitzsteinhorn", sagte der Nationalparkdirektor. (Günther Strobl, DER STANDARD, 2.8.2012)

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Der Ranger fährt den Rover

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