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Was für ein Jahr für Wiggins: Tour-Sieg und Gold im Zeitfahren.
vergrößern 1500x1047Wiggins rast zu Gold.
London - Royaler kann es nicht gehen. Für den neuen Radsport-König stand sogar ein Thron bereit. Auf der Türschwelle des Prunkpalastes von Englands früherem Herrscher Heinrich VIII. hat sich Bradley Wiggins am Mittwoch endgültig zum größten britischen Sportler der Gegenwart aufgeschwungen. Zehn Tage nach seinem Sieg bei der Tour de France holte der 32-Jährige in der Heimat souverän Olympia-Gold im Einzelzeitfahren - zur Freude von Hunderttausenden Fans rund um den Hampton Court Palace.
Wiggins war nach Siegen in den beiden langen Tour-Zeitfahren als großer Goldfavorit nach London gekommen. Der dreifache Bahn-Olympiasieger hielt dem Druck stand. Wiggins triumphierte vor der eindrucksvollen Kulisse des Königspalastes an der Themse 42 Sekunden vor dem deutschen Weltmeister Tony Martin sowie 1:08 Minuten vor seinem Landsmann und Sky-Teamkollegen Christopher Froome. Für die 44 km im Südwesten der Metropole benötigte der Tour-Sieger 50:39,54 Minuten - ein Schnitt von 52,1 km/h.
"Es musste Gold sein"
Die Triumphfahrt durch den Spalier der Massen zum Schloss, das sich der streitbare Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert angeeignet hatte, genoss Wiggins sichtlich. "Es kann nicht mehr besser werden. So etwas werde ich nie wieder erleben", erklärte der Nationalheld. Schon als Wiggins als vorletzter Fahrer vor Peking-Olympiasieger Fabian Cancellara die Startrampe verlassen hatte, glich die Stimmung jener in einem Fußball-Stadion.
"Es war so unglaublich laut", sagte der Tour-Sieger. "Man ist in seiner eigenen Welt, aber das entgeht einem nicht." Jeder einzelne Kilometer des Rundkurses war mit Menschen gesäumt. Groß waren sie, die Hoffnungen der Briten nach der Enttäuschung im Straßenrennen am Samstag, in dem Weltmeister Mark Cavendish nicht in die Entscheidung eingreifen konnte. "Heute musste es Gold sein", gestand Wiggins." Das war die einzige Farbe, die gezählt hat."
Martin lag bei der ersten Zwischenzeit sogar fünf Sekunden vor Wiggins. Der 27-jährige Deutsche zeigte sich von einem bei der Tour de France erlittenen Kahnbeinbruch unbeeindruckt, holte mit einer starken Leistung seine erste Olympia-Medaille. Cancellara dagegen musste einem Sturz im Straßenrennen Tribut zollen. Der Schweizer Mitfavorit kam nicht über Rang sieben hinaus, verlor 2:14 Minuten auf den Sieger.#
Dauerstress
Mit seiner siebenten Olympia-Medaille - alle davor hatte er auf der Bahn geholt - avancierte Wiggins zum erfolgreichsten britischen Medaillensammler der Geschichte. Mit viermal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze übertraf der Radstar mit den markanten Koteletten die Ruder-Legende Steve Redgrave, die insgesamt sechs Medaillen geholt hatte, davon allerdings fünf in Gold. "Es ist schon eine Ehre, mit diesen Leuten überhaupt in einem Atemzug genannt zu werden", gab sich Wiggins bescheiden.
Entscheidend sei ohnehin die Gold-Wertung. "Da muss ich wohl 2016 in Rio einen weiteren Anlauf unternehmen", sagte Wiggins. Stolz mache ihn vor allem die Vielseitigkeit. Olympiasiege auf der Bahn und auf der Straße, dazu ein Sieg bei einer großen Landesrundfahrt - das ist zuvor noch keinem Radsportler gelungen. "Es ist schön, überall so gut zu sein", versicherte Wiggins. "Heute Abend werde ich ein bisschen betrunken sein. Ich denke, das habe ich mir verdient." Seit mehr als einem Monat stand er unter Dauerstress.
Glückselig traten auch die Hunderttausenden Fans - genaue Angaben vermochte die Polizei keine zu machen - ihre Heimreise an. Alle waren sie gekommen, um ihrem neuen König zuzujubeln. Noch Stunden nach dem Zieleinlauf wurde der Triumphator belagert. Ein Ritterschlag durch die Queen dürfte nach den gezeigten Ausnahmeleistungen nur Formsache sein. Wie sich "Sir Wiggo" anhöre? "Das ist mir nicht wichtig, ich werde immer einfach nur Brad sein." (APA; 1.8.2012)
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