"Neiwohln"

1. August 2012, 17:03
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Über der Kärntner Politik liegt die Unschuldsvermutung wie Verwesungsgestank

Über der Kärntner Politik liegt die Unschuldsvermutung wie Verwesungsgestank. Geruchsunempfindliche Mitarbeiter des ORF-Magazins "Report" reisten dennoch an und präsentierten am Dienstag eine Bestandsaufnahme diverser Geruchsherde in jenem Land, wo man Urlaub bei Freunderln und deren Wirtschaft macht.

Vier Beiträge beleuchteten das System Kärnten, das von Korruption geprägt zu sein scheint und das Jörg "Er hat euch nicht belogen" Haider aufgezogen hat. Report zeigte, wie dessen politische Erben, die freiwilligen wie die unfreiwilligen, damit umgehen.

Da gab es etwa das Gottvertrauen des neuen Kärntner ÖVP-Obmanns Gabriel Obernosterer, der in der Kirche ein Kerzerl anzündete und sein Kreuz schlug: "Zum Beichten ist genug, wir brauchen den Segen von oben." Gottes Segen zählt vorm Strafgericht zwar nicht, aber bitte.

Landeshauptmann Dörfler ließ mit einer interessanten Interpretation des Begriffs Moral aufhorchen: "Moral heißt, dass der Rechtsstaat für alle gilt", sagte er - nicht ohne schon die Frage nach der Moral als ungeheuerlich zu empfinden. Schließlich seien die Kärntner ein anständiges Völkchen, das gerne lache und sich nicht beschimpfen ließe.

Dass die Kärntner aufgrund der exzentrischen Deutung von Politik seit Jörg Haiders Wirken im Lande nicht nur gerne lachen, sondern auch die höchsten Pro-Kopf-Schulden herumschleppen, muss ihm in der Erregung entfallen sein.

Und das Lachen scheint den Kärntnerinnen und Kärntnern angesichts der Skandale zusehends zu vergehen. Selbst deklarierte Haider-Wähler meinten, dass es Zeit für eines sei: "Neiwohln." (Karl Fluch, DER STANDARD, 2.8.2012)

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