C64 feiert 30. Geburtstag

1. August 2012, 13:41
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Aktive Community hält den Urvater des Homecomputings auch heute noch am Leben

Ein Megahertz CPU-Takt, 64 Kilobyte RAM, 16 Farben und dreistimmiger Synthesizer-Sound: Was aus heutiger Sicht kaum unspektakulärer sein könnte, waren in den 1980er Jahren die Zutaten, die in Wohnzimmern weltweit die Herzen höher schlagen ließen. Auf maximal 320 x 200 Pixel erstrahlte am Commodore 64 von der Datasette die junge Welt der Heimcomputer.

Brotkasten wird Kassenschlager

1982 wurde der Rechner vom gleichnamigen Unternehmen Commodore auf der Consumer Entertainment Show in Las Vegas präsentiert und im gleichen Jahr veröffentlicht. Produziert werden sollte er bis 1992. In den Jahren nach dem Marktstart mauserte sich der mit rund 7.000 Schilling vergleichsweise leistbare C64 zum Kassenschlager und erhielt von seinen Fans aufgrund seines klobigen Äußeren den liebevollen Spitznamen "Brotkasten". In einem frühen Werbespot ritt Commodore eine Spitze gegen den wesentlich teureren Apple II.


Das ultimative Spielzeug

Jan Janssen, C64-Sammler und Betreiber des in Aufbau befindlichen Online-Museums C-64.org, schildert im Gespräch mit dem WebStandard seine Erfahrungen. "Auch wenn damals nicht jeder einen hatte, war es das ultimative Spielzeug über viele Jahre hinweg. Er war zur richtigen Zeit mit der richtigen Konfiguration da." Wenngleich der Experte vermutet, dass ohne C64 wohl ein anderer Rechner die Haushalte erobert hätte, sieht er das Gerät als wichtigen Meilenstein für die Ära des Homecomputings.

Den Reiz machte aber nicht nur das stetig wachsende Spieleangebot aus. Mit dabei war ein BASIC-Interpreter. Er lieferte die Grundlage für eigene Experimente und war für viele der Einstieg ins Programmieren. Unterstützt wurde der Trend von Technikmagazinen, die ihre Kunden mit Tutorials und Code-Beispielen versorgten.

Enthusiasten lassen C64 weiterleben

Auch drei Jahrzehnte später gibt es eine kleine, lebendige und weltweit verbreitete Community. Nach wie vor wird Software für den C64 geschrieben und auf dem Original oder in Emulatoren gespielt. Findige Tüftler haben auch neue Hardware für den Oldtimer entwickelt und ihn vor einigen Jahren sogar internetfähig gemacht und einen Twitter-Client mit dem Titel "Breadbox 64" veröffentlicht.

Geräte wie die 1541 Ultimate-Platine helfen bei der Bewahrung des "Erbes", erzählt Janssen. Sie emuliert das Diskettenlaufwerk und kann Programme von SD-Karten, USB-Sticks und sogar herkömmlichen Festplatten ausführen. Der Archivierung damaliger Softwareperlen auf neue Medien steht damit nichts mehr im Wege. 

Auch Treffen der Gemeinde finden noch regelmäßig statt. Eines der bekannteren in Europa ist die alle zwei Monate stattfindende Versammlung der "Commodore Gebruikersgroep" (CGG) in Holland, die auch von Enthusiasten aus anderen Ländern besucht wird.

Commodore verschlief Entwicklung

Der Rest ist Geschichte. Dem direkten Nachfolger, dem Commodore 128, blieb jener Erfolg verwehrt, den schließlich der Amiga aus gleichem Hause einheimste. Commodore begann, sich auf seinem hohen Marktanteil auszuruhen. Statt in die Entwicklung einer neuen Computergeneration zu investieren, versuchte man den Amiga so lange wie möglich zu melken, so Janssen. Er prangert die Verfehlungen und Unkenntnis des damaligen Managements an.

1994 war das Unternehmen bankrott und wurde aufgekauft. Die Marke gibt es freilich heute noch, unter der Flagge von Commodore USA werden nun konfigurierbare Kompakt-PCs verkauft, die optisch teilweise an die Zeit des Brotkastens erinnern. (gpi, derStandard.at, 1.8.2012)

  • C64: In den 1980ern beherrschte der "Brotkasten" zahlreiche Wohnzimmer.
    foto: markus sulzbacher

    C64: In den 1980ern beherrschte der "Brotkasten" zahlreiche Wohnzimmer.

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