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Auch in dunklen Kanälen ist es in London kaum möglich, noch an Olympiatickets zu gelangen.

Autsch!

Keine Chance auch vor der Volleyballhalle am Earl's Court.

Selbst den Olympiapark sieht man ohne Ticket nur aus der Ferne. Am besten vielleicht aus der neuen Seilbahn zwischen der Arena in North Greenwich (Turnen) und der Excel-Arena (Kampfsport, Gewichtheben) über die Themse.

"Stolz" verkünden die Veranstalter, dass sie die Kreditkarten der meisten Besucher schlicht nicht akzeptieren.

Für das Public Viewing im Hyde Park braucht man keine Tickets, sollte aber Sitzdecke, Sonnencreme und Regenschutz nicht vergessen.

Flughafenartige Sicherheitschecks gibt es sowohl beim Public Viewing als auch vor jeder Sport-Location.

Vor allem gefährliche Sandwiches müssen vor dem Eintritt vernichtet werden. Sie könnten für die frechen Preise für Fast Food in den "sicheren" Zonen tödlich sein.

Auch in London eine der komfortabelsten Wege, Olympische Spiele zu verfolgen: Der derStandard.at-Ticker.
London - Zehntausende Menschen strömen in dieser Stunde unter der Brücke unweit von Londons Wembley-Stadion durch. Aus den an den Wänden installierten Boxen dringen alle paar Sekunden Soundbites von früheren Olympischen Spielen. Unter einer der Boxen stehe ich. Neben mir steht verlegen ein Pappschild, das ein früherer Besucher hier liegen gelassen hat. "Tickets wanted", steht darauf.
Ob mein Vorgänger erfolgreich bei seiner Suche war oder nicht, bleibt ein Mysterium. Mir gelingt es nicht, das olympische Fußballturnier aus nächster Nähe zu sehen. Viele Leute lächeln mitleidig in meine Richtung. Das einzige Angebot gibt ein älterer Herr mit italienischem Akzent ab, als sich die erste Halbzeit bereits dem Ende nähert: Sein Bekannter hat ihn versetzt. 100 Pfund, rund 130 Euro will er für den regulär 60 Pfund kostenden Passierschein ins olympische Paradies. Es ist kein großer Zuschlag - anderswo wird von fast verhundertfachten Preisen berichtet -, liegt aber weit über dem naiven Budget, das ich mir gesetzt hatte.
Ob beim Fußball im entlegenen Wembley, beim Volleyball am zentralen Earl's Court, am Fuße der Downing Street beim Beachvolleyball oder rund um den nagelneuen Olympiapark im Stadtentwicklungsgebiet Stratford (in den man ohne eine gültige Karte für ein Ereignis überhaupt nicht hineinkommt): Auch wenn man guten Gewinn machen könnte, will in London fast niemand seine Tickets loswerden. Das Olympiafieber muss ausgelebt werden.
Obwohl die Zeitungen am Eröffnungstag noch von freien Plätzen bei der Zeremonie und über leere Plätze bei kleineren Events und so manchen Vorrundenspielen berichten. Und auch wenn die Veranstalter die nicht überall, aber doch wahrnehmbar existierenden leeren Ränge nun mit Militärpersonal, Lehrern oder Schülern auffüllen wollen: Spontanes Olympia-Hopping ist in London ein nahezu zweckloses Unterfangen.
Die leeren Plätze sind keine Erscheinung von Publikums-Desinteresse. Dass die Tickets auch regulär verkaufbar wären, scheint die Veranstalter schlicht zu überfordern. An den Sportstätten gibt es keine offizielle Rückgabestelle und gute alte britische Warteschlangen. Wer an Tickets kommen will, muss sie vorher online kaufen. Ein Geschäft in der Nähe des Olympiaparks ist deshalb ein beliebter Sammelpunkt für Hoffnungsfrohe. Das Unternehmen ist kein Sponsor der Spiele, deshalb sorgt es für rechtliche Debatten, dass es an das Event angelehnte Anstecknadeln verteilt.
Den Besuchern ist das egal, denn hinter dem Eingang unter überdimensionierten angebissenen Äpfeln lauern Computer und Tablets mit einem Gratis-Internetanschluss. Im Sekundentakt laden vermeintliche Kunden damit die Liste mit "verfügbaren" Tickets neu. Wenn eines auftaucht - meist sind es Tickets für Frauenfußballspiele in Cardiff -, huscht kurz der Glaube auf ihre Gesichter. Kurz darauf boxt ihn immer die verlässliche Enttäuschung aus der Mimik und regiert die zumindest temporäre Gottlosigkeit. Die offiziellen Olympia-Webseiten funktionieren nach nicht nachvollziehbaren Kriterien und sind nur etwas für frustresistente Sportfans.
Ein Student aus Oxford versichert mir, dass er bereits seit drei Wochen erfolglos die Ticketliste aktualisiert und durchklickt. Während er spricht, sieht er im Livestream ein Damen-Basketballspiel mit sichtbar leeren Flecken auf den Rängen. Diese Erzählung genügt: Nach einer Stunde im Selbstversuch gebe ich auf. Der Student mit der unbändigen Hoffnung tauscht unterdessen mit anderen Verzweifelten Telefonnummern aus: Falls jemand doch noch an Tickets kommt, solle er die anderen informieren. Viele sind bereit, fast jeden Preis zu zahlen. Für zukünftige Spiele will das IOC das Ticketsystem überdenken. Gratuliere!
Selbst wenn man es jemals schaffen sollte, die Karten in den Einkaufskorb zu legen, muss man gut vorbereitet sein. Die Sponsoren sind nämlich eine weitere Hürde am Weg zum Eintritt. Einerseits dürfen sie selbst nicht ganz ein Zehntel aller Tickets an ihre Kunden verteilen, andererseits bereitet ihre Präsenz auch allen anderen Besuchern Unannehmlichkeiten. Nur der Kreditkartenhersteller, der die Spiele unterstützt, wird beim Kauf von Karten akzeptiert. Barzahler und Kunden anderer Unternehmen werden ignoriert.
Für Glücklose bleibt immerhin das Olympiaschauen im Hyde Park. Hier muss man genauso wie bei jeder Veranstaltung durch eine Flughafen-ähnliche Sicherheitskontrolle. Viele Tausend Menschen - aber doch deutlich weniger, als möglich wären - verfolgen auf fünf Leinwänden das Geschehen. Sie sitzen unweit der traditionellen Reden der Durchschnittsirren am Speakers' Corner auf großzügig verteilten Holzschnipseln, Sitzdecken muss man selbst mitbringen.
Das Wetter ist an den ersten Olympiatagen recht britisch. Vielleicht ist es trotzdem besser als erwartet. Gegen drohende Sonnenbrände gibt es beim Public Viewing nämlich keine Maßnahmen. Wenn die Hitze einmal anhält, verstecken sich die Leute unter ihren Jacken oder unter Zeitungen. Eine davon ist übrigens Sponsor des Events und schickt alle paar Stunden ein paar Cheerleaderinnen für zwei Tänze auf die Hauptbühnen, weshalb man dort vom olympischen Programm ein paar Minuten lang nichts mitbekommt.
Die Programmführung auf den Bildschirmen im Hyde Park ist manchmal zweifelhaft. Nachdem man eineinhalb Stunden lang das Judoturnier verfolgt hat, wird unmittelbar am Finalbeginn plötzlich zu einem amerikanischen Tennisspieler umgeschaltet, der im entscheidenden zweiten Satz bereits 4:0 führt. Natürlich ist der Fokus ansonsten auch hier stark auf Großbritanniens SportlerInnen gerichtet. Unerwartet große Mengen drängelten und freuten sich beim Teamturnen der Herren über die noch unerwartetere Bronzemedaille des Heimteams, das in der Endphase sogar auf zwei Bildschirmen gezeigt wurde.
Die Stadt hat den Verkehr besser im Griff als befürchtet. Offensichtlich haben Olympia-desinteressierte Urlauber ihr Kommen auf später verschoben. Die sonst gängigen Touristenattraktionen der Weltstadt sind deshalb auffallend bequem zu besuchen - die "Nolympics" sind natürlich eine sehenswerte Entschädigung für ticketlose Besucher. An allen Knotenpunkten stehen freiwillige Helfer oder städtische Ordner und geben die immer gleichen Anweisungen, um geduldig, nett, aber bestimmt den Menschenstrom in Gang zu halten.
Auch der Sportschau-Wechsel in die zahlreichen Pubs in der Stadt, die oft extra Fernsehgeräte für Olympia aufgestellt haben, ist deshalb kein Problem. In den Lokalen entzieht sich niemand dem Bann der Spiele. Viele Besucher beachten das Ereignis aber eher nebenbei. Das Bier und die Snacks sind immerhin billiger als beim Public Viewing - was im teuren London ja durchaus eine Attraktion für sich ist.
Eine gängige Irritation für Besucher aus Österreich und anderen nachtverliebten Ländern in London besteht freilich auch in diesen Tagen: Die meisten Lokale rufen schon deutlich vor dem offiziellen Programmende der Spiele die letzte Runde aus. Als die Schwaiger-Schwestern im Beachvolleyball den zweiten Satz ihres zweiten Spiels doch noch für sich entscheiden und einen der wenigen österreichischen Höhepunkte bisher zustande bringen, lassen die Kellner aber mit sich handeln. Die Tradition der englischen Freund- und Höflichkeit überlebt auch die Olympia-Strapazen unbeschadet. (Tom Schaffer, derStandard.at, 2.8.2012)
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Abgesehen davon, passiert sowas, wenn man rund 50% der Tickets herschenkt, bzw verkauft und die Leute dann bei 100tausenden Gewinnspielen mitspielen sollen um noch Tickets zu gewinnen.
Jetzt werden ja schon Soldaten und Schulkinder hingeschickt, damit manche Veranstalgung nicht so leer aussehen.
Abgesehen wunderts mich bei den Preisen nicht mehr. Viele Leute haben immer weniger Geld und einfache Tickets kosten gute 30-50 Euro.
Die leeren Sitze sind nmE ein Resultat der Ueberwachung der "Olympischen Familie". Diese Familie (Olympische Komittees etc) bekommt jedesmal (hundert?)tausende von Tickets, die sie dann verkaufen um fuer die lokalen Finanzen (oder die eigene Tasche) einen Vorteil zu haben.
Diese olymp Familie traut sich nicht mehr, nachdem einige beim "illegalen" Schwarzmarkt-Verkauf erwischt worden sind.
Also bleiben die Sitze leer. Sie haben Angst die Tickets zu verkaufen und die Angehoerigen und Freunde brauchen nicht mehr.
Lt. Democracy Now gibt's die leeren Plätze, weil die Karten als Sponsoren-Kontingente zurückgehalten wurden und von denen dann doch nicht gebraucht und nicht rechtzeitig für den freien Verkauf frei gegeben wurden. Traurig! Jetzt setzen sie Soldaten rein, damit's nicht ganz so leer und trostlos im Fernsehen rüberkommt...
Hinterm Spielplatz haben die Russen ihre Zeltstadt aufgebaut, beim Albert Memorial gibt's auf der einen Seite die ebenfalls russische Sotschi-Werbezone (mit Eislaufplatz...) und auf der anderen Seite haben sich die Afrikaner breit gemacht.
Wenn man dann noch das Narnia-Zelt und den zugesch**** Ententeich abzieht, bleibt momentan nicht mehr viel frei Parkfläche über :-)
auch für unpackbar, aber trotzdem ist es nicht illegal
sie haben als verkäufer immer das recht mit wem sie wollen geschäfte zumachen (ausg. sie diskriminieren keine minderheiten) und wie sie wollen (solange es legal und nicht sittenwidrig ist)
also ein unternehmen kann es sich aussuchen ob es nur barzahlung akzeptiert, nur muschel oder eben nur die kreditkarte eines anbieters
es dürfte aber nicht sagen: ok, frauen müssen mit kreditkarten bezahlen
oder männer dürfen nur bar zahlen o.ä.
Demokratisch gewählten Regierungen wird mit dieser Begründung etwa verboten, heimischen Unternehmen Beihilfen zu gewähren. Wenn ein demokratisch nicht legitimierter Konzern an einen demokratisch ebenfalls nicht legitimierten Sportverband ausreichend Schmiergeld (genannt: Sponsoring) zahlt, kann er den Wettbewerb außer Kraft setzen, und das bei Sportstätten, die durch die Allgemeinheit finanziert werden.
Kann man Plutokratie noch deutlicher illustrieren?
kann ich nur vollends zustimmen
allerdings gibt es eben einen unterschied zwischen regierungen und unternehmen
und auf der anderen seite (auch selbst als unternehmer) bin ich froh, dass ich in der art und weise, wie ich geschäfte mache, nicht all zu sehr eingeschränkt bin
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