Insolvent und stolz darauf

  • Ein Screenshot der Werbung.
    foto: neckermann.de

    Ein Screenshot der Werbung.

Das Versandhaus Neckermann.de ist pleite, aber es ist ihm herzlich egal. Ein ungewöhnliches Werbesujet soll Aufmerksamkeit bringen

Stellen Sie sich vor, Sie haben kein Geld und es ist Ihnen egal. Sie machen einfach weiter wie bisher. So ähnlich verhält es sich beim deutschen Versandhändler Neckermann.de: Wie im Juli bekannt wurde, rutschte das Unternehmen in die Insolvenz. Aber das aktuelle Werbesujet im Onlineshop zeigt einen sehr lässigen Umgang mit diesem Problem.

"Sie haben momentan wenig Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt", wird dort weiß auf schwarz verkündet. Daneben ein Angebot für eine Waschmaschine. Oder: "Insolvent. Na und? Sie wollen schließlich kein Geld bei uns bestellen, sondern Ware." Daneben steht ein Angebot für einen Fernseher um 500 Euro. Durch die Maßnahme sollen vor allem Stammkunden angesprochen werden.

Mutig aber bedenklich

Die Pleite betrifft in erster Linie Deutschland, genauer gesagt Neckermann.de und die Neckermann Logistik GmbH. Insgesamt werden dort etwa 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Aber auch die Neckermann Versand Österreich AG hat ein Sanierungsverfahren beantragt. In Graz wurden 300 Neckermann-Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet, laut Wirtschaftsblatt stehen die Chancen, dass sich ein Investor findet bei 0,1 Prozent. Auf der österreichischen Version des Onlineshops ist die Werbung allerdings nicht zu finden.

Im Grunde ist der Zugang sehr mutig. Dass diese Werbeeinschaltung Aufmerksamkeit bringen soll, steht außer Frage. Aber ob die Mitarbeiter, die von der Insolvenz betroffen sind, das so lässig hinnehmen, darf bezweifelt werden. (ctrl, 1.8.2012)

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5 Postings
Der Slogan ist gut

Man sollte sich nicht über Insolvenzen Sorgen machen. Wirtschaft ist Krieg. Im Krieg gibts Tote. Wenn man ein vernünftiges Wirtschaftssystem hat, wird Wirtschaft für alle verträglich und existenzbejahend sein. Bis dahin sollte man den eigenen, wirtschafltichen Untergang als Norm betrachten und auch so damit umgehen.

echt, voll lustig

darf dann der kunde bei der lustigen partie auch mitschmähen? so in etwa: etwas bestellen, nicht zahlen, bei der ersten mahnung zurückschreiben:"eine mahnung? na und? sie sind schliesslich insolvent, da ist meine rechnung eh schon wurscht...-"

Immer schön per Nachnahme bestellen...

das ist mal eine gute Kampagne!

meiner Ansicht nach wirkt das äusserst vertrauenswürdig. Das die Insolvenz ein Thema ist, wissen die meisten. Jedoch wird das Thema bei den meisten unter den Teppich gekehrt, hier geht man offen auf das Thema ein.

Mutig ist das falsche Wort, bescheuert trifft es wohl eher.

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