BEGAS-Prüfer sprechen von Untreue mit System

1. August 2012, 11:48
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Am Donnerstag debattiert der Aufsichtsrat die Weitergabe des Berichts an die Staatsanwaltschaft

Eisenstadt - Seit Mitte April beschäftigen sich Medien, Politiker, Wirtschaftsprüfer und auch die Staatsanwaltschaft mit der BEGAS-Affäre. Nachdem innerhalb der vergangenen Wochen nach und nach Details aus einem Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfer ans mediale Tageslicht gerückt sind, ist dieser nun fertig und beim Energieversorger eingelangt. Nachdem am Dienstag das Präsidium tagte, wird sich am Donnerstag nun der gesamte Aufsichtsrat (offiziell noch jener der BEWAG, ab 1. Oktober dann jener der neu fusionierten Energie Burgenland AG, Anm.) zu einer Sitzung treffen. Dort soll die weitere Vorgangsweise, etwa die zur Verfügungsstellung des Berichts der StA, besprochen werden.

Unternehmenskaiser

Mehrere hundert Seiten soll der fertige Prüfbericht laut "Kurier" umfassen. Aus diesem Kilo schweren Werk zitierten am Mittwoch einige Medien. Die Wochenzeitung "BVZ" berichtet vom "System Simandl" (Ex-Vorstand Rudolf Simandl, Anm.). Ein Auszug aus dem Zwischenbericht: "Auch wenn die Beispiele für Beauftragungen mit unschöner Optik nicht Riesenbeträge betreffen (zum Beispiel auch diverse Elektrogeräte im Wert von 3.000 Euro), stellt sich angesichts der Vielzahl von Fällen schon die Systemfrage".

Weiters soll es darin heißen: "Darüber hinaus waren wir mit Geschäftsfällen/Verträgen der BEGAS konfrontiert, bei denen Simandl in den Befragungen uns mitgeteilt hat, dass die Verträge nur bei ihm privat vorhanden sind. Weiter haben wir von ihm teilweise Unterlagen erhalten, die uns in der Gesellschaft nicht ausgehändigt werden konnten."

Das würde die Einschätzung von Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) bestätigen, der am vergangenen Freitag meinte, dass die "Sauereien neben den Verträgen" passiert seien. Etwa die Reduzierung der Arbeitsstunden, die horrenden Gagen, die verrechneten Überstunden, die dadurch angehäuft wurden, überhöhte Boni-Zahlungen und Urlaubsabfertigung.

Diese Urlaubsabfindung soll laut "Kronen Zeitung" im Jahr 2011 120.000 Euro betragen haben, "News" berichtete hingegen von einer Abfindung des Urlaubs "in großem Umfang". Simandl habe im Geschäftsjahr 2010/11 einen Bonus von 120.000 Euro bekommen - was auch den derart hohen Jahresbruttobezug für den selben Zeitraum in der Höhe von 482.823,85 Euro erkläre.

Keine Urlaubsaufzeichnungen

Aufzeichnungen darüber, wie oft Simandl tatsächlich Urlaub hatte, gebe es nicht, zitiert die Tageszeitung ebenfalls aus dem Bericht. Brisantes Detail am Rande: Laut "Krone" sollen die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Mezgolits und Günther Toth diese Regelung unterzeichnet haben. Mezgolits hingegen gab bereits an, dass man von den Vorständen, Simandl und Reinhard Schweifer, getäuscht worden sei. Kontakt habe es mit Simandl "nur im Beisein von Anwälten" gegeben, mit Schweifer gar keinen, so Mezgolits zum "Kurier".

Ins Rollen gekommen war die Affäre laut "ORF Burgenland" im Übrigen wegen einer Rechnung für Gartengestaltung in der Höhe von 5.711 Euro. Die BEGAS hat allerdings keinen Garten. Die Arbeiten seien folglich für Simandl durchgeführt worden. Nach (internen) Bekanntwerden wurde der Ex-Vorstand beurlaubt, wenig später fristlos entlassen. Währenddessen wurde die Sonderprüfung veranlasst.

Donnerstagnachmittag findet nun die Aufsichtsratssitzung statt. Interviewmöglichkeiten werde es keine geben, winkte man am Mittwoch bereits ab. Man werde allerdings im Anschluss die Presse mittels Aussendung informieren, teilte eine Unternehmens-Sprecherin auf Anfrage mit. (APA, 1.8.2012)

  • Rudolf Simandl
    foto: begas

    Rudolf Simandl

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