Acht Badminton-Spielerinnen disqualifiziert

2. August 2012, 15:53
  • Keiner will gewinnen.
    foto: reuters/muhammad

    Keiner will gewinnen.

Vier asiatische Teams wollten Gegnerinnen aus dem Weg gehen - Südkorea und Indonesien protestieren

London - Mit einer schnellen Reaktion hat der Badminton-Weltverband auf den bisher größten Skandal der Olympischen Sommerspiele in London reagiert. Gleich acht Spielerinnen wurden aus dem Turnier ausgeschlossen, da sie sich offenkundig bei ihren Damen-Doppel-Matches um Niederlagen bemüht hatten, um im weiteren Turnier-Verlauf stärkeren Gegnerinnen aus dem Weg zu gehen.

Schon vor der Entscheidung hatten der Organisationschef der Spiele Sebastian Coe und IOC-Sprecher Mark Adams das Verhalten der Spielerinnen aus China, Südkorea und Indonesien als inakzeptabel gegeißelt. Folgerichtig wurde die Entscheidung des Badminton-Verbands auch begrüßt. Die Spiele verlassen müssen die Spielerinnen allerdings nicht.

Topgesetzte Paarung ausgepfiffen, Yang tritt ab

Dem Publikum hatten sich bei den beiden Spielen am Dienstagabend skurrile Szenen geboten. Vor allem das topgesetzte chinesische Doppel Wang Xiaoli und Yu Yang trieb es auf den Gipfel, als sich das Duo nicht einmal bemühte, den Ball beim Aufschlag über das Netz zu schupfen. Die BBC-Reporterin Gail Emms, selbst Badminton-Medaillengewinnerin in Athen, ätzte: "Sie haben so gespielt, dass sogar mein Baby die Partie wohl hätte gewinnen können." Die Zuschauer pfiffen und riefen Betrug.

Yang gab einen Tag nach der Blamage das Ende ihre Sportkarriere bekannt. "Das ist mein letzter Wettbewerb. Auf Wiedersehen Internationaler Badmintonverband, auf Wiedersehen mein geliebtes Badminton", ließ die Chinesin über den chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo ausrichten. Zuvor hatten die chinesischen Spielerinnen sich damit verteidigt, dass sie eben schon vor der Partie weiter gewesen seien. Sie hätten keine Energie mehr verschwenden wollen, so Yang.

Südkoreas Cheftrainer Sung Han-Kook räumte ein, dass auch seine zwei Doppel versucht hätten, ihre Spiele gegen Teams aus China bzw. Indonesien zu verlieren, begonnen hätten aber die anderen. Allzu talentiert im Verlieren waren die Koreanerinnen ohnehin nicht. Beide gewannen letztlich unfreiwillig. Dennoch müssen sich Jung Kyung-eun/Kim Ha-na und Ha Jung-eun/Kim Min-jung ebenso wie die indonesischen Spielerinnen Greysia Polii und Meiliana Jauhari von den Olympischen Badmintonbewerben verabschieden.

Olympischer Geist?

Kritik kam aber selbst aus dem chinesischen Team und zwar vom in seiner Heimat als Superstar gefeierten Weltranglisten-Ersten Lin Dan. Der Olympiasieger von 2008 meinte, taktische Niederlagen, um bestimmten Gegnern auszuweichen, widersprächen dem Olympischen Geist. Gleichzeitig kritisierte er den Weltverband, da er mit dem Modus von Vorrunden-Gruppen den Raum für Manipulationen schaffe.

Auch der Chef der stärksten europäischen Equipe, jener der Dänen, sprach sich für Direktausscheidungen aus. "Wir wissen, dass die Chinesen alles tun, um das bestmögliche Resultat für ihr Land zu ermöglichen. Sie denken nicht als individuelle Spieler. So ist das Geschehene keine Überraschung."

Proteste zurückgewiesen

Kurz nach der Bekanntgabe der Entscheidungen legten die Südkoreanerinnen Protest ein. Auch die Spielerinnen aus Indonesien gaben bekannt, dass sie das Urteil anfechten wollen, den Einspruch zogen sie aber kurze Zeit später wieder zurück. Die Chinesinnen hatten das Urteil ohne Protest akzeptiert. Der Einspruch der Südkoreanerinnen wurde vom Weltverband abgewiesen

Das Badminton-Turnier sollte am späten Mittwochnachmittag mit dem Viertelfinale im Damen-Doppel fortgesetzt werden. Durch den Ausschluss der vier Paare rückten Doppel aus Russland, Südafrika, Kanada und Australien nach, die sonst die Heimreise hätten antreten müssen.

Am Vormittag hatte Indien einen weiteren Protest gegen das japanische Doppel wegen vermeintlich absichtlich schlechter Leistungen eingereicht. Nach der Ablehnung des Einspruchs durch den Weltverband protestierten die Inder erneut. Hier stand eine Entscheidung noch aus. (APA/Reuters/red, 1.8.2012)

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Und China hat trotzdem oder gerade deswegen wieder einen Sieg mehr

Das 2. chinesische Damendoppel gewinnt natürlich den Damendoppelbewerb.
Warum haben wohl die Chinesen nicht gegen die Disqulifikation protestiert?
Das 1er Doppel war das aus dem Schach bekannte Bauernopfer. Wichtig war ihnen, dass Südkore und Indonesien nicht mehr mitspielen konnte.

Somit wurde die von der BWF (von China verursachten) getätigten Disqualifikationen zum Vorteil von China.

chapeau!

richtige entscheidung!!!!

Bitter ...

da haben die Chinesinnen einen Ast beim Service und dann werden sie auch noch disqualifiziert.

http://www.youtube.com/watch?v=2Gm80vDa1C4

was ist denn das für ein idiotischer modus

der niederlagen mit schwächeren gegner belohnt?

da gehört angesetzt! dont hate the player, hate the game...

The player - sie haben sich dafür hergegeben.

Wer sich so dumm dabei anstellt, gehört bestraft. Es ist ja nicht einmal versucht worden das ganze zu kaschieren ;)

Fast alle Disziplinen

Unverständlich, so was gibt es in nahezu allen Disziplinen, z.B. Fussball, Schwimmen usw. In Quali schwimmt man eben nicht so schnell. Es genügt so viel zu geben, dass man in die nächste Runde kommt.

Es gibt Grenzen des Erträglichen. Diese wurden von den Chinesen bereits in der Olympiaquali bei weitem überschritten.
Da gab es eine Unzahl von w.o. Zugunsten von Mannschaftskollegen. Da wurde der Badmintonsport komplett desavouiert.
Das Verrückte ist, dass die disqualifizierten Xiaoli/Yang niemanden zu fürchten haben, der Teamchef aber Gold Und Silber wollte. Machen die Zweier Chinesinnen in der Vorrunde überraschend ein Spiel verloren, "mussten" Xiaoli/Yang verlieren.
Warum sich die Koreanerinnen und Indonesierinnen sich auf diese Spielchen einließen ist nur im Kontext mit des fortgesetzten Unsportlichkeiten der Chinesen zu verstehen.

Da war eine Bestrafung schon lange überfällig

sicher fragwürdig

aber ob taktisches verhalten unsportlich ist, sollte schon hinterfragt werden. die art hier war aber eine provokation für das zahlende publikum. aber ich kann mich an ein Fußballspiel auf europäischer Ebenen (Liga weiß ich nicht mehr) wo in Deutschland eine heimische und spanische Mannschaft die letzten 10! Minuten den Ball nur mehr hin und her gespielt haben, weil das Ergebnis für beide den Aufstieg bedeutete. Die Zuschauer müssten in so einem Fall eigentlich ihr Geld zurückbekommen. Und ich denke, dass es genug andere Beispiele gibt, wo ähnlich gehandelt wurde.

Hier war nur sehr klar zu sehen,

was sonst eher im Verborgenen bleibt. Der kometenhafte Aufstieg der Asiaten im Medaillenranking hat sehr viel mit Manipulation zu tun - Kampfrichter-Schiebung, Jury-Absprachen und dazu medizinische Manipulationen aller Art.

Ich habe mir auf eurosport mal einige entscheidungen im Gewichtheben angesehen.

Gerade bei den Frauen ein oft überaus trauriger Anblick.

Und nirgendwo ist die Dominanz der Athleten aus China, Thailand usw. so groß wie da.

Trainingskontrollen? Fehlanzeige

Ausschluss auch von 5000 Meter Läufern, die aus taktischen Gründen nicht von Anfang an die Führung übernehmen, von Hochspringern, die aus taktischen Gründen eine Höhe auslassen, von Fußballern, die ins Out schießen, .....!
Taktik gehörn nunmal zum Sport. Wer nicht denkt bei der Arbeit, verliert meistens.
Wenn nun taktisches Denken verboten ist, hat Rogan recht: die Dümmsten gewinnen - und die Allerdümmsten werden Funktionäre.

stimmt nicht ganz

wenn jemand kräftesparend aufsteigen möcht, lässt nicht absichtlich jemand anderen gewinnen und riskiert zusätzlich, dass er/sie sich verspekuliert. man muss also sehr gut trainiert sein und seine Leistung gut abschätzen können.

in diesem Fall..

erinnert das etwas an das ominöse Spiel zwischen Österreich und Deutschland 1982. Oder noch schlimmer, das war wie wenn ein Fussballer den Ball absichtlich ins eigene Tor schießt. Betrug am Publikum, das teuer für den Eintritt bezahlt hat.

erinnerung

so wie einst Steiner das absichtliche Eigentor von Sturm Graz beim Hallenturnier in Liebenau geschossen hat.

Taktik => Der 5000 m Läufer verzögert sein Tempo um diesen Lauf zu gewinnen, nicht um im nächsten Lauf einem stärkeren Gegner auszuweichen.

Unsportlichkeit => Fussballer, die erkennbar das Spiel verzögern, bekommen 'ne Karte.

Wer nicht denkt ...

wenn der modus solche taktischen züge zulässt, muss man es auch ausnutzen. diese bestrafung soll nur die unfähigkeit der funktionäre und organisatoren kaschieren.

Habe gestern hierzu einige Fernsehbilder gesehen. Wäre die Disqualifikation nicht aus Unsportlichkeit geschehen, hätte sie wegen Dämlichkeit und schlechter Schauspielerei der Akteure passieren müssen.
Selten war der Versuch eine Partie absichtlich zu verlieren so offensichtlich.

Gibt es irgendwo ein Video dazu?

Geht aus rechtlichen Gründen nicht mehr in Österreich

Find ich toll

wer kennt denn heute noch den trifter sepp :-)) bist schon älteres Semester, oder

Danke

... kaum zu glauben.

Modus

Einfacher Modus:
Nur mehr K.O System mit Hoffnungsrunde für die Verlierer.

Modus Hoofnungsrunde:
Hoffnungsrunden Teilnehmer dürfen nur mehr die Chance auf den 3.Platz haben.

Wird in einigen Sportarten schon praktiziert

dann sollte man vielleicht den Turniermodus überdenken, ...

... daß derartige Taktiken nicht mehr greifen. Eine taktische Niederlage kann man niemandem vorwerfen.

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