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Sechs Prozent aller Menschen leiden unter einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Bei der Hälfte der Betroffenen manifestiert sich die Koronare Herzerkrankung (KHK) als Herzinfarkt, bei zehn Prozent führt sie zum plötzlichen Herztod. Insgesamt sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu denen die KHK zählt, die häufigste Todesursache in Industrienationen - Tendenz weiter steigend.
Gefordert ist die Präventivmedizin, denn die KHK verursacht - einmal abgesehen von persönlichem Leid - auch volkswirtschaftliche Schäden: Zehn Prozent der Gesamtausgaben für die Gesundheitsfürsorge entfallen in der EU auf die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die indirekten Kosten für den teilweisen oder totalen Verlust der Arbeitsfähigkeit sind gerade bei diesen Erkrankungen besonders hoch.
Um die Leistungsfähigkeit des Herzens abschätzen zu können, wird bei Vorsorgeuntersuchungen oft die Fahrradergometrie eingesetzt. Allerdings ist diese Methode ungenau und ihre Befunde müssen erst recht in weiteren Folgeuntersuchungen hinterfragt werden. Als Alternative kommt heute vor allem die Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz, bei der die Beschaffenheit des Herzmuskels selbst abgeklärt werden kann. Noch präzisere Ergebnisse liefert die Untersuchung mit einem Herzkatheter. Dabei kann festgestellt werden, wo genau die Engstellen an den Herzkranzgefäßen liegen, die eine Unterversorgung des Herzmuskels mit Blut verursachen.
"Die Katheter-Untersuchung ist aber im Durchschnitt dreimal teurer als eine MRT", erklärt Michael Schocke von der Universitätsklinik für Radiologie in Innsbruck. Der Nachteil einer MRT liegt nun darin, dass diese mit einem Ergometer kombiniert werden müsste, um gute Diagnose-Ergebnisse zu ermöglichen. So lassen sich etwa Durchblutungsstörungen des Herzmuskels nur unter Belastung nachweisen. Da zwischen dem Magnetfeld eines Tomografen und einem Ergometer allerdings Störungen auftreten, wird diese Belastung häufig mit Stress erzeugenden Substanzen simuliert. "Gerade bei Patienten mit Herzinfarktrisiko sind diese Substanzen aber bedenklich, weil sie den Blutdruck steigern", sagt Schocke.
In die enge Röhre eines Tomografen einen Ergometer zu integrieren, der Magnetfeldstärken bis zu drei Tesla standhält, hat sich das Forschungsprojekt "Cardiospect" zum Ziel gesetzt. Dabei kooperieren die Innsbrucker Universitätskliniken für Radiologie und Kardiologie mit den Medizintechnikern von Ergospect und dem Softwareunternehmen Infpro. Gefördert wird die Entwicklung vom Land Tirol im Programm "K-Regio" der Standortagentur Tirol.
Vor kurzem hat das Team nun den ersten Prototyp eines Belastungsgeräts präsentiert, das während der MRT bedient werden kann. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um einen Stepper, der den Kreislauf eben dann anregen soll, wenn der Patient in der Röhre liegt. "Alle bisherigen Geräte mussten außerhalb des Tomografen verwendet werden, und dadurch gingen wertvolle Minuten verloren, in denen sich der Kreislauf wieder normalisiert hatte", präzisiert Schocke. "Zudem hält der Stepper auch der Magnetfeldstärke in neueren Tomografen stand. Das ist relevant, weil eine Verdopplung der Magnetfeldstärke eine Vervierfachung der Auflösung bedingt. Es kann also viel genauer untersucht werden."
Möglich wurde diese Entwicklung nicht zuletzt durch die Verwendung von Komponenten aus ganz anderen Bereichen der Forschung: Die besonders leichten Teile des Steppers stammen aus dem Flugzeugbau, und eine vergleichbar robuste Elektronik kam bisher nur in den Satelliten der Esa zum Einsatz. (saum, DER STANDARD, 1.8.2012)
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