Sportpolitik: Wo Rogan ist, ist Reaktion

Kommentar | Fritz Neumann, 31. Juli 2012, 18:51

Die Aufregung ist gewollt, und ÖOC-Präsident Stoss leistet ihr noch Vorschub

Jung und intelligent und schön war Markus Rogan, als er aufgetaucht ist im österreichischen Sport, und bald war er auch reich, zumindest an Erfolgen. Gewiss hat er Briefe erhalten, vor allem aber zwei olympische Silbermedaillen in Athen 2004. Damals wurde er gar für sein Fairplay ausgezeichnet, weil er auf einen Protest verzichtete, obwohl seinem Bezwinger Aaron Peirsol in einem der beiden Finalläufe ein Wendefehler unterlaufen war. Rogan studierte in Stanford, konnte sich ausdrücken, blickte über den Becken- und den Tellerrand hinaus. Ein Glücksfall für den österreichischen Sport.

Der Schwimmer hat jahrelang in unzählige Mikrofone gesprochen und in unzählige Kameras gelächelt. Das kann einen jungen Mann schon aus der Bahn werfen. Rogan war am Ende immerhin so vif und reflektiert, das zu überreißen und eine Kehrtwendung zu vollziehen. Er ging nach Kalifornien zurück, wo er die Basis zu seinen Erfolgen gelegt hatte. Und dass er heute in London, acht Jahre nach Athen, wieder ums Finale und morgen vielleicht um eine Medaille schwimmt, ist schon bemerkenswert.

Aber die Eitelkeit ist ein Hund, Mikrofone und Kameras haben ihren Reiz. Immer wieder glaubt Rogan, seine Intelligenz beweisen zu müssen, immer wieder rutscht ihm etwas heraus. Als er in der Ö3-Frühstückssendung bei Claudia Stöckl schwadronierte, Intelligenz sei im Sport eher hinderlich, und die These mit Hermann Maiers Erfolgen untermauerte, hätte die nächste Frage unbedingt lauten müssen: "Herr Rogan, Sie sind seit vielen Jahren der erfolgreichste Sommersportler im Land, wie dumm sind Sie eigentlich?" Sie blieb leider aus.

Bei der Eröffnung trug Rogan, weil so erfolgreich, Österreichs Fahne. Er war froh, sich diese Ehre "nicht verhaut zu haben damit, was ich über all die Jahre gesagt und gemacht habe". Jetzt hat er wieder etwas gesagt. Die Aufregung sollte, selbst wenn sie da und dort medial noch so gewollt ist, eine enden wollende sein. Doch so, wie viele Reaktionen ausfielen, könnte man meinen, Rogan hätte an einem Denkmal gekratzt und gleichzeitig am Selbstverständnis der (Ski-)Nation. Besonders bemerkenswert war die Stellungnahme von ÖOC-Präsident Karl Stoss. Seine Aufgabe wäre es gewesen, sich als Teamchef, wenn man so will, vor die Mannschaft, also vor Rogan zu stellen, zu kalmieren. Doch Stoss goss Öl ins Feuer, nannte Rogans Aussage "nötig wie einen Kropf" und wunderte sich, "was da im Kopf vorgeht".

Im Oktober werden es drei Jahre sein, dass Stoss, der Leo Wallner zuvor schon als Casinos-Generaldirektor abgelöst hatte, auch als ÖOC-Präsident antrat. In dieser Zeit hat er sich kaum zur heimischen Sportpolitik geäußert. Dabei gäbe es viel zu sagen, etwa zur Sportinfrastruktur. Nur ein Beispiel: Die zwei herausragenden Schwimmer sehen sich gezwungen, oft bis permanent im Ausland zu trainieren, weil sie in Wien keine adäquaten Möglichkeiten vorfinden. Doch da mischt sich Stoss nicht ein.

Dinko Jukic, der zweite herausragende Schwimmer und wahrlich kein Freund des ersten, hat übrigens Verständnis für Rogan geäußert und diesen interpretiert. "So wie Markus es gemeint hat, hat er recht. Je mehr du das Hirn ausschaltest und je weniger du über Gegner und Rennen nachdenkst, umso bessere Chancen hast du." Natürlich hat Jukic im Umgang mit Rogan besonders viel Routine. Doch seine Gelassenheit wäre auch anderen gut zu Gesicht gestanden. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 1.8.2012)

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Der Hinweis auf Hermann Maier war natürlich stillos

Inhaltlich hat er recht, nur patschert formuliert. Tormann wie Elfmeterschütze dürfen z.B. auch nicht zu sehr das Hirn einschalten sondern mehr auf Intuition setzen. Das war wahrscheinlich gemeint.

Er hat einfach ein Talent...

...sich so richtig reinzureiten. Er ist ein guter Schwimmer, das sollte man nicht vergessen, ob man ihn mag oder nicht.
PR-mäßig ist das alles für ihn natürlich eine totale Katastrophe. Wie man zum Beispiel auch hier gut erkennen kann: http://weblog.datenwerk.at/2012/08/0... ndalriese/ Also Rogans Manager möchte ich jetzt echt nicht sein. Aber auch darüber wird Gras wachsen.

Wo ist die Leistung?

möchte man reflexhaft Herrn Stoss fragen. Ich weiß, das mag vielleicht ungerecht sein, weil so mancher im Hintergrund fleißig arbeitet ohne sich eitel im Licht der Öffentlichkeit zu rekeln. Der Zustand des österreichischen Sommersports, und der ist bei globaler Betrachtung viel bedeutsamer als die winterlichen Randsportarten, weißt auf eine hohe Summe von Versäumnissen und Untätigkeiten hin, die mich nur hoffen lassen, dass Stoss & Consorten ihre Funktionen unentgeltlich ausüben. Spesenersätze?

Warum eigentlich wird die hohe Sportfunktion immer mit dem Casinos-Generaldirektor besetzt?

"Seine Aufgabe wäre es gewesen, sich als Teamchef, wenn man so will, vor die Mannschaft, also vor Rogan zu stellen, zu kalmieren"

sg. herr neumann,
nun, auch die "denkunfähigen", die leistung bringen, sind teil des teams, vor das sich der herr präsident zu stellen hat.

noch dazu bekleidete "brain" rogan eine offizielle funktion des ÖOC, nämlich die des fahnenträgers, da gibts dann kein kalmieren mehr, da gibts nur mehr zurückpfeifen

Mein Gott Rogan!

Da war´s Maul wieder größer als das Hirn...
..ganz toll, Medienpräsenz als Intelligenzbeweis.

und für die Medien auch, Hauptsache jeder Pfurz dokumentiert...

stoss sollte lieber mal etwas zur leistung seines sohnes sagen! sebastian stoss war einer der langsamsten aller schwimmer im vorlauf und meinte im interview, seine teilnahme kam zu überraschend um darauf vorbereitet zu sein!!!!!!
über rogan lästern aber seinen eigenen sohn als olympia-touristen auf stattskosten mitnehmen!

hahahahaha
"Herr Rogan, Sie sind seit vielen Jahren der erfolgreichste Sommersportler im Land, wie dumm sind Sie eigentlich?"

Das wäre die Frage des Jahres gewesen!
unendlich dumm is er!

Ich frag mich, was da im Kopf vorgeht

In dem vom Stoss...

es ist halt sommerloch.

Ich bin so blöd

und ich verstehe nicht, warum ich nicht schon längst Weltmeister oder Olympiasieger bin.
Aber wahrscheinlich muss mich mein Papa erst nach Stanford schicken, damit ich wirklich teppert werde. Maurer möchte ich aber nicht werden. Da muss man viel zu viel denken. Da hab ich dann bei den Schönheitsköniginnen keine Chance. Bei denen muss man eher einen schönen Body haben wie die Schwimmer.

Auf einer Beliebtheitsskala von 1 - 10 (1 super, 10 unbeliebt) kriegt der Rogan von mir eine 26.

Viele Zufälle - In Ergänzung zu einem guten Kommentar

Was mir bei Herrn Stoss auffällt ist der Zufall, dass er in allen Funktionen Leo Wallner folgt.

Im Kommentar wurde angesprochen, wie er sich um die Trainingsbedingungen von Sportlern kümmert. Im Ö1 Abendjournal ledert Herr Stoss gegen Herrn Jungwirth. Mag alles richtig sein.

Ich habe von Herrn Stoss aber noch nichts zu der Verantwortung gehört, die Herr Leo Wallner NICHT wahrgenommen, bzw. bewußt (?) nicht wahrgenommen hat; in der Führung des ÖOC, in der Rechnungslegung des ÖOC und seiner Mitverantwortung im Skandal um Herrn Jungwirth.

Hier setzt es Erinnerungslücken bei Herrn Wallner.
Bei Herrn Stoss ist es Schweigen im Walde. Ganz toll!

PS: liebe Grüße an die Staatsanwaltschaft!

Meine

Meinung stimmt mit dem geschriebenen überein.

Viel Geschrei und künstliche Aufregung - wieder mal - um nix. Um gar nix.

Ich wünsche den beiden Schwimmern auch weiterhin viel Erfolg - wie auch immer sie trainieren, denn bei uns in Österreich haben Schwimmer ein wirklich schwieriges Trainingsumfeld.

Wozu sind die Funktionäre nochmal da? Hmm? Ahja, um eine Funktion auszufüllen und zu erfüllen. Genau. Bei uns in Österreich füllen die Funktionäre hauptsächlich die Sessel an ihren Schreibtischen mit ihrer Körpermasse aus. Das wars aber auch schon wieder.

Hauts das Pack ausse! Wenn gewonnen wird, wird immer auf die gute Arbeit der Funktionäre hingewiesen. Wenns nicht funktioniert, sind alle anderen schuld.

hauts in jukic und in rogan ausse, die sind überflüssig wie ein kropf!!! bessere trainingsbedingungen fordern, und das in österreich, das ist wohl der witz schlechthin. bei uns kriegen die athleten alles, wenn sie etwas erfolg haben!

...hätte die nächste Frage unbedingt lauten müssen:

Es gibt Tausende Situationen in denen, z.b. bei Befragungen von Politikern, die nächste Frage die eigentlich unbedingt hätte gestellt werden müssen, nicht gestellt wird oder wurde.

Also soll sich einmal Jeder Reporter mal selbst bei der Nase nehmen!

Was kümmert es die Eiche ...

... wenn die Sau sich an ihr reibt ? Oder : Was kümmert es das Denkmal wenn die Taube auf es sch... ?

Der halblustige und ach - so - intelligente Schwimmschlumpf wird in Vergessenheit geraten ganz im Gegenteil zu dem Herren den er stümperhaft anzupatzen versucht.

Hier schreiben viele, dass sportlicher Erfolg mit Kopf ausschalten zu tun hat und verwechseln das mit Dummheit (oder geringerer Denkfähigkeit, wie es Rogan ausgedrückt hat). Nichts könnte aber falscher sein. Sich unvorbereitet ohne Hirn irgendwo hinein werfen führt nie zum Erfolg. Man muss akribisch arbeiten, alles bedenken, alle Eventualitäten in Betracht ziehen und die Abläufe automatisieren, um den Kopf abschalten zu können und sich nur noch auf das Tun an sich zu konzentrieren. Auch der von vielen hier als minder denkfähig bezeichnete Maier war immer ein besonders ausführlicher Besichtiger der Strecke, weshalb er ja auch manchmal bestraft wurde und er hat immer am Material, Trainingsmethoden und Umfeld getüftelt.

Wer hat das verzapft? Der PR-Berater vom Markus?

Rogan war doch schon 2005 ominpräsent und nicht mehr auszuhalten, der selbernannte Experte für eh alles. Und es ist sicher nicht der Erfolg der Rogan so werden liess, der war schon vorher so, nur hat er mit seinem Erfolg auch eine Bühne für sein manisches Bedürfnis nach Aufmerksamkeit bekommen.

Im Vergleich zu Rogan ist Lugner noch ein netter alter Herr....

Unvergesslich wie er beim Opernball seiner damaligen Freundin Christine Railer ins Wort fällt nur weil da plötzlich wer da mehr Aufmerksamkeit bekommt als er. Vielleicht hätt er doch ein wenig von der Champagnerkohle in eine Therapie stecken sollen.

Warum ist mir der so unsympatisch,

dieser Rogan??

weil er der dümmste aller zeiten ist!

Geh bitte!

Was soll das bitte? Gibts nichts anderes über das man berichten könnte? Rogan hat also einen mehrdeutigen Spruch abgelassen - so what?
Jeder Furz wird heutzutage in den Medien zu einem Orkan aufgeblasen, als ob das irgendeine Relevanz hätte!
Unsere Gesellschaft krankt doch an ganz anderen Dingen! Wir ersticken im Verkehr, es gibt ganze Müll-Ozeane, unsere Kinder erben eine Welt mit sterbender Biosphäre. Berichtenswert?
Nein - egal! Unsere Medien drehen lieber jedes Wort eines Sportlers um, um daraus ein Mini-Skandälchen zu basteln - werdet erwachsen!

Stanford und gesagt oder gemeint

Stanford ist gut, aber [alleine] nicht genug.
Beim "griffig" Formulieren geht mitunter die Botschaft verloren. Was Rogan gemeint hat, trifft durchaus zu.
Grob simplifiziert handeln Menschen über den Bauch, das Herz und den Kopf oder instinktiv, emotional und rational.
Wenn ich oben an der Mausefalle stehe und "rational" an die Situation herangehe (im Augenblick des "oben stehens"), dann kann ich nicht gewinnen. In genau diesem Augenblick - der für den Sieg absolut unumgänglich ist - muss es der Instinkt sein (der ist schneller). Sicher, Reflexe und instinktives Handeln lassen sich [auch] trainieren. Dieses Training erfolgt aus rationalen Überlegungen. Aber Maier zum Siegertypen machte sein Instinkt.
Und genau das (!!) hat Rogan gemeint.

Hast du das Gespräch gehört? Das war schon eindeutig, er hat ja explizit gesagt, "nicht, dass man weniger denkt, sondern dass man weniger denkfähig ist". Einfach mal reinhören, da gab es eigentlich nix misszuverstehen.

Paul Watzlawick

Paul Watzlawick hatte mal gemeint, dass sich "die Botschaft der jeweilige Empfänger selber mache".

In dieser Hinsicht ist Ihre Interpretation selbstredend eine andere als meine, weil wir ansonsten ident sein müssten. Einfach mal [Watzlawick] nachlesen, da gibts eigentlich nix misszuverstehen.

Den Watzlawick als Freibrief dafür zu nehmen, nie falsch liegen zu können oder immer nur das zu hören was man will, ist schon eine sehr wilde Interpretation.
Rogan hat ausdrücklich "weniger denkfähig" gesagt und nichts anderes.

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