Die Stadt, der Sommer und die Radler

Kolumne | Hans Rauscher, 31. Juli 2012, 19:11

Der Ausbau von Radwegen und ein überlegter Umgang mit waghalsigen Kamikaze-Piloten würden die Bedingungen für Radfahrer verbessern

Das "Einserkastl" vom 31. Juli ("Rad-Lösung") hat viele und heftige Reaktionen hervorgerufen, deshalb wird hier die Debatte erweitert und fortgeführt. Zunächst lasset uns einig sein: Aggressive Autofahrer sind gefährlicher und wahrscheinlich um einiges zahlreicher als aggressive Radfahrer. Aber das wissma eh. Selbstverständliches muss man nicht dauernd wiederholen. Und was Gastautor Thomas Klausner am selben Tag argumentiert - nach den verfügbaren Statistiken sind schwere Unfälle, in die Radler und Fußgänger verwickelt sind, viel seltener als von Autos ausgelöste Unfälle - stimmt zwar, ist aber nicht sehr relevant: Die meisten Fahrradunfälle werden nicht gemeldet, weil zu leicht, aber sie stellen trotzdem ein Problem des zivilisierten Zusammenlebens in der Stadt dar.

Damit sind wir beim Punkt: Es geht um die Sicherung eines zivilisierten Zusammenlebens angesichts neuer Lebens- umstände. Die Zahl der Radfahrer in der Stadt hat stark zugenommen. Es ist sozial erwünscht, dass sie weiter zunimmt. Denn Radfahrer sind umweltverträglicher, Städte mit vielen Radfahrern sind einfach angenehmer als solche mit vielen Autos.

Aber warum sollen wir uns dann denselben Stress antun wie mit den Autofahrern und nichts tun gegen die nicht so seltenen rücksichtslosen, risikosüchtigen Radfahrer?

Der Trugschluss war, dass Radfahrer irgendwie problemfreier, charakterlich "besser" wären. Sind viele nicht, wie sich jeder täglich überzeugen kann. Ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung ist immer irgendwie verhaltensoriginell bis -gestört. Warum soll das bei Radfahrern aber anders sein? Das haben viele aber offenbar angenommen und reagieren nun empört, wenn man es wagt, auf die Realität hinzuweisen: Es gibt eine nennenswerte Anzahl gefährlich undisziplinierter Radfahrer, und weil die Grundgesamtheit größer wird, haben sie einen merkbaren Belästigungs- und Gefährdungsfaktor erreicht.

Jeder kann diese Realität nachvollziehen: von den hunderten Radfahrern, die jede Nacht ohne Licht unterwegs sind, bis zu den Kamikaze-Piloten, die sich und andere gefährdend herum zischen. Wer - wie der Autor dieser Zeilen - seit Jahrzehnten in der Stadt (auch) mit dem Rad unterwegs ist, musste einfach bemerken, dass die Zwischenfälle dank der erfreulichen Zunahme der Radfahrerzahl häufiger geworden sind.

Das ist übrigens der Konnex zu den Hunden und ihrer Problematik in der Stadt: Die Zahl der Tiere hat explosionsartig zugenommen, die Belästigung und Gefährdung vor allem von Kindern nahm entsprechend zu. Hier hat die Stadt etwas unternommen, nachdem eine Bürgerinitiative (mit Hilfe des STANDARD und des "Einserkastls") den Bürgermeister mit 170.000 Internet-Unterschriften beeindruckte.

Die Stadt muss auch etwas unternehmen, um a) die Bedingungen für die Radfahrer zu verbessern (die Radwege sind teils ein Witz, bzw. eine Gefährdung) und b) die "rogue radler" einzubremsen. Das gebietet die Vernunft. Intelligente Vorschläge an diese Kolumne sind erbeten. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 1.8.2012)

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Intelligente Vorschläge an diese Kolumne sind erbeten

Hier ist er (wurde bisher noch nicht "angedacht")...
Absolute Trennung der Verkehrsarten:
Also, am Montag die Straßenbahn,
am Dienstag die Pkws,
am Mittwoch die Radfahrer,
am Donnerstsag die Lkws,
am Freitag die Taxis,
am Samstag die Segwayfahrer, Rollschuhläufer,
am Sonntag Fußgänger, mit und ohne Hund...
Man könnte das natürlich auch wochenweise für eine Verkehrsart, später vielleicht sogar monatsweise einführen!?
Schon Karl Valentin machte in den 20er Jahren ähnliche Vorschläge, um das Müncher Verkehrs-Wirr - Warr zu entflechten...

Ich vermute ja, dass beim Radler-Bashing eine Portion Neid von Seiten der Autofahrer eine Rolle spielt.
Während die Autos im Stau stehen, fließt der Radverkehr meist weiter.

das muss ziemlich weh tun wenn man mit seinem statussymbol auto auf position 20 bei der roten ampel steht und so ein habenichts mit seinem radl der sich wahrscheinlich kein leisten kann schlängelt sich einfach in die polepositon

und falls er rechtsabbieger ist und sich nix scheixxt....

Komme soeben aus Amsterdam

zurück ... ein wahres Radfahrer.innen-Paradies:

Viele tausende Radler.innen ... stresslos, harmonisch, helmlos, schnell, aufrecht, ...

Herr RAU, setzen Sie sich in den Zug und sehen Sie sich das Amsterdamer Stadtleben an.

Helmtragen...

Fast scheint das Helmtragen beim Radfahren ein Anzeiger eines schlechten Verkehrsklimas zu sein...
dort wo ein hoher Radverkehrsanteil, gibt es fast keine Helmträger (Amsterdam, Kopenhagen), wo ein mickriger Radverkehrsnateil, wie etwa in Wien setzt fast die Hälfte der Radlerinnen und Radler rinrn Helm auf!
Diese "Selbstpanzerung" löst aber in keiner Weise das Problem der gefühlten Gefährdung durch den Autoverkehr: "Tschuldigens" liebe Grün-Politik, aber eine laue "Miteinander"-Kampagne bringt da wenig!
Im so hochgelobten Kopenhagen gibt es etliche Hauptstraßen mit Tempo 40, obwohl rechts und links 2,50 m breite Radwege angelegt sind!
Also, liebe Grün-Politik: Wo bleibt der Mut zur Umsetzung?

Bei den politischen Kräfteverhältnissen in Wien

... haben die Grünen nicht wirklich was zu sagen.

Ich warte die Taferl-Frage gar nicht mehr ab

Die Situation für Radfahrer in Wien ist so bescheiden, dass ich wieder auf Öfffis + das Auto umsteige.
Das Radl in die Ferienwohnung; dort nutze ich es immer, aber meine Todessehnsucht ist für Radeln in Wien (noch) nicht groß genug.

Es gibt nur eine Lösung

Aus purer Angst den Autofahrer_innen einen Millimeter Platz wegnehmen zu müssen hat die Stadt Wien immer schon Fußgänger_innen und Radfahrende auf engstem Raum aufeinander gehetzt (z.B. Gehsteigradwege). Diese Saat des Magistrats geht nun langsam auf.

Wenn bei steigender Zahl der Radfahrenden die Konflikte zunehmen, braucht sich daher niemand wundern, und da tragen Taferln und sonstige Law&Order-Hetzereien genau gar nichts zur Lösung bei.

Sondern: Endlich ausreichend und geschützen Platz für den Radverkehr auf der Fahrbahn schaffen! Das geht nur -sorry- indem dieser Platz von den Kfz weggenommen wird: Parkplätze und Fahrspuren in Radwege umwandeln + Ampelschaltungen für Rad- und Fußverkehr optimieren.

Autofahrer_innen, Fußgänger_innen und Radfahrende:
die Saat des Neusprech geht auch langsam auf

Erster Schritt dazu:

Ringradwege auflassen (lassts die Fußgeher_innen endlich in Ruhe mit diesen unsäglichen Radwegen am Gehsteig!) und mindestens eine abgetrennte Fahrspur am Ring für den Radverkehr.

Auch hier das gleiche Lied...

In 3., Landstraßer Hauptstraße sollen die bestehenden "Mehrzwangstreifen", gefährlich schmal, zu nahe an den geparkten Autos, verlängert werden...
Und man hat nichts gelernt aus den Erfahrungen der Vergangenheit: Es soll angeblich wieder so schmal markiert werden, wie üblich! Dass diese 1,50m Radstreifen KEINEN Sicherheitsabstand zu unvermittelt aufgehenden Autotüren bieten, ist der hohen Politik, den Beamten und Planern anscheinend "wurscht"!
Warum lehnen eigentlich die vielen selbsternannten "Verkehrs-Fuzzies" so einen Unfug nicht ab?
Stecken die mit den "Umsetzern" unter einer Decke?

Wieder nur Gehsteig-Radlerei...

Aktuell: Zwischen Babenbergerstraße und Bellariastraße wird - trotz zahlreicher Proteste - wieder ein Radweg auf einer Fußgängerfläche (Geh-Allee) gebaut, groteskerweise unter dem Verlust von drei Bäumen! Wo bleibt der Einspruch der Verkehrsstadträtin... oder wird nur das gemacht, was der Bürgermeister erlaubt?

ORF-Umfrage

http://wien.orf.at/news/stor... s/2542552/
Kennzeichen für Radfahrer: Was halten Sie davon?

>> Super Idee, das würde für mehr Disziplin sorgen
Dafür: 35.05%

>> Gar nichts, ich lehne zusätzliche Bürokratie ab
Dagegen 64.95%

Dieses Voting wurde beendet. Angezeigt wird das Endergebnis vom 01.08.2012 um 18:29 Uhr

"Die Zahl der Radfahrer in der Stadt hat stark zugenommen"... sollte eigentlich besser heißen "die Zahl jener, die das Fahrrad in der Stadt (als Kurzstreckenverkehrsmittel) hat stark zu genommen"... und damit kommt man weg von der fatalen Typisierung!
"Nur-Radfahrer" gibt es genausowenig wie "Nur-Autofahrer" - Menschen, die ein Auto benützen wollen, müssen dorthin, wo es abgestellt, ist zu Fuss gehen!
in dem Eingrenzen auf ein Verkehrsmittel liegt ja schon eine gewisse Problematik, die Konflikte schürt...
Dazu passt ein Spruch aus den 30er Jahren: "An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld!"

nur dass es nicht "radfahrer", sondern "zahnaerzte" waren...

E-Biker mit 40 km/h

Seit sich die ungedrosselten E-Biker über die Stadt ausbreiten stellen sich eigentlich immer öfters folgende Fragen:
Warum müssen die nicht auf der Straße fahren?
Warum wird nicht kontrolliert, ob ein E-Bike gedrosselt ist?
Warum soll ein Fahrzeug, das genau so schnell wie ein Moped ist kein Kennzeichen haben?

Um 40 km/h zu fahren, braucht man kein E-Bike, mit einem Rennrad schafft man das auch.
Leistungssportler schaffen sogar im Schnitt über 40 km/h.

Weil ein Fahrrad, auch in E-Bike-Ausführung, immer noch kein Selbstfahrer ist.

Wenns um die Geschwindigkeit ginge bräuchten Räder seit jeher ein "großes" Taferl, weil man mit ihnen normalerweise schneller unterwegs ist als mit einem ebenso taferlpflichtigen Traktor.

25.000 Fahrräder werden in Österreich pro Jahr gestohlen.

Man darf davon ausgehen, daß die Dunkelziffer wesentlich höher ist, da der Diebstahl unversicherter Fahrräder zumeist gar nicht erst gemeldet wird, weil man von den Beamten ohnehin höchstens ein mitleidiges "Des kennen's abschreiben!" zu hören bekommt.

Bei Einführung von Nummerntafeln werden dann plötzlich alle Diebstähle angezeigt werden müssen, ebeso wie Sachbeschädigungen, wenn dabei das Taferl zuschaden kommt.

Auch wenn die Exekutive lieber Tierschützer observiert, als gestohlenen Rädern nachzuspüren, Gestohlene amtliche Kennzeichen wird sie nicht so einfach ignorieren können.

Dies dürfte auch der Grund sein, warum die Polizei schon eindeutig gegen Radkennzeichen Stellung bezogen hat.

Natürlich halte ich Nummerntafeln umweltpolitisch für eine Katastrophe.

Nicht weil ich mich vor Verfolgung fürchtete sondern weil es eine bürokratische Barriere gegen Leute ist die vielleicht radfahren würden und wahrscheinlich eh ein Radl im Keller oder im Wochenendhaus stehen haben.

Andererseits ist die Forderung angesichts der geradezu demonstrativen Missachtung der Vorschriften durch RadfahrerInnen auch verständlich. Es dreht sich NICHT um die tatsächliche Gefährdung sondern um die GEFÜHLTE Bedrohung.

Es dreht sich um das was wahrgenommen wird. Es dreht sich vor allem um leicht vermeidbare Gesetzesübertretungen. Radeln auf Gehsteigen, in Fußgängerzonen, in Parks, etc. auch (oder vielleicht sogar gerade dann) wenn in unmittelbarer Nähe ein Radweg oder eine Straße mit geringem Verkehrsaufkommen ist.

warum Gehsteigradeln hausgemacht ist, und wie mans ändern kann, hab ich schon erklärt,
Hier teil eins: http://derstandard.at/plink/134... id27257287

der Rest folgt.

Die Hysterie, die gefühlte Gefahr, die Angst, wird vor allen von den Medien geschürt. Man sollte die Radfahrer nicht für dumme Sensationsjournalisten bestrafen.

ja es wäre tatsächlich eine katastrophe,

und zwar nicht nur umweltpolitisch sondern auch demokratiepolitisch, wenn die zweit-umweltfreundlichste fortbewegungsart in der stadt bürokratisch eingeschränkt und vermiest würde nur weil eine allen fakten widersprechende GEFÜHLTE hysterie durch wertlose schmierblätter und gelangweilte konservative kolumnisten hochgekocht wird.

... Tatsache ist ...

... dass die Verkehrsflächen knapp werden - für Radfahrer - Fußgänger - Segway?! (eine wahre Freude, wenn man in eine Segway bewaffnete Touristenherde gerät). Mein Vorschlag! Wirklich gute Fahrradwege auf den großen Strassen wie Gürtel - Ring - "Zweier-Linie" - Wienzeile etc.. Eine Regelung für den 1sten Bezirk bzgl "fahren gegen die Einbahn". Und aus! Denn Fahrräder gehören auf die Fahrbahn und unterliegen dort ebenso der StVO. Jetzt haben wir einen extremen Wildwuchs und jeder macht was er will. Und ich wohne in 1010 Wien - dort fahren auch schon die Vespas gegen die Einbahn (echt toll, denn man schaut bei einer Einbahn nicht nach links und rechts wenn man diese quert. Und Autos überholen den Fiaker auf dem Gehsteig (Plankengasse)

Guter Vorschlag

... doch leider ist das in Wien zumindest im 20. Bezirk nicht durchsetzbar. Beispiel gefällig? In der Wasnergasse müssen sich Fußgänger und Radfahrer einen Streifen teilen, was gerade bei den lEingängen zum Augarten immer wieder für heikle Situationen führt. Vorschläge von Verkehrsexperten, die Radfahrer in einen Extra-Streifen auf die Fahrbahn zu verlegen, wurden vom Bezirksvorsteher abgelehnt, da dies Parkplätze kosten würde... Wie es bei etwas Gestaltungswillen besser gehen könnte, zeigt der 2. Bezirk: Dort wurde der untere Bereich der Castellezgasse in eine Einbahn verwandelt und weist nun 2 getrennte Fahrradstreifen auf.

Beobachtung

In Städten, wo wirklich viel Radverkehr ist, z. B in Kopenhagen, Amsterdam oder München: Dort gibt es diese kleinkarierte Diskussion um eventuelle "Kennzeichen für Fahrräder" nicht...
Dort gibt es auch keine "gepanzerten" RadlerInnen mit Helm, auch keine High-Tech-Kampf-Radler auf Rennmaschinen!
Die Helmtragequote in A-dam beträgt geschätze 1%!
In Kopenhagen gab es bis vor kurzem KEINE Beleuchtungspflicht für Fahrräder, die Diskussion ums verordnete Helmtragen wird dort als Anschlag auf die Fahrradkultur gesehen!!
Der ständige Fluss der vielen RadlerInnen macht dort auch das Bemühen der anderorts so aktiven "critical mass" obsolet... und Radwege werden benutzt, weil sie sinnvoll angelegt sind, meist auf Kosten einer Park-oder Fahrspur!!

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