Schüssel drängte zwei VP-Chefs wegen Haider zum Abgang

31. Juli 2012, 18:27
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Der frühere ÖVP-Landeschef Wurmitzer sieht sich als Opfer des Systems Haider und dessen Helfers Schüssel

Klagenfurt - Der Kärntner Korruptionssumpf um den Verkauf der Hypo Alpe-Adria Bank zieht immer weitere Kreise - auch außerhalb Kärntens. Jetzt hat sich der frühere Kärntner ÖVP-Obmann Georg Wurmitzer zu Wort gemeldet und den ehemaligen Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) ins Spiel gebracht. Schüssel habe Wurmitzer zum Rücktritt gezwungen, weil er sich Jörg Haiders Willen widersetzt habe, die Hypo sozusagen über eine Wandelschuldanleihe "vorzuverkaufen", um damit Geld für das damals schon finanzmarode Land Kärnten zu lukrieren.

Ebenfalls wegen der Hypo soll auch Wurmitzers Vorgänger als Kärntner ÖVP-Chef, Reinhold Lexer, von Schüssel und Haider aus dem Verkehr gezogen worden sein.

"Mein Büro hat aus Wien einen Anruf gekriegt, ich solle mich am 23.9.2003 bei Kanzler Schüssel einfinden", erzählt Wurmitzer dem STANDARD. Er dürfe nicht als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2004 ins Rennen gehen, habe ihm Schüssel eröffnet. Das habe er zur Kenntnis genommen, sagt Wurmitzer, und Elisabeth Scheucher, der Gattin des Klagenfurter Bürgermeisters Harald Scheucher, den Vortritt gelassen. Die Kärntner ÖVP schlitterte anschließend in ihre größte Wahlniederlage aller Zeiten. Wurmitzer musste als Parteiobmann seinen Hut nehmen.

"Politische Hydra Haider"

Heute glaubt Georg Wurmitzer zu wissen, warum ihn Schüssel und Haider unbedingt loswerden wollten. "Ich habe mich 2003 geweigert, für 500 Millionen Euro eine Wandelschuldanleihe für die Hypo aufzunehmen." Doch Haider habe die Hypo unbedingt zu Geld machen wollen, und er, Wurmitzer, sei dem im Wege gestanden: "Da sieht man, wie die politische Hydra Haider gearbeitet hat. Ich habe mich gegen die Wandelschuldanleihe gewehrt, weil ich wusste, dass die 500 Millionen wieder zurückzuzahlen sind, und nicht wollte, dass Haider alleine so viel Geld in die Hand bekommt." Drei Wochen später habe ihn dann Schüssel zu sich zitiert.

Die Wandelschuldanleihe hat Haider später mit der SPÖ und deren damaligem Chef Peter Ambrozy durchgezogen.

"Ich habe lange geschwiegen, jetzt tue ich das nicht mehr", sagt Wurmitzer, der heute ein beschauliches Leben fernab der Politik im Kärntner Gurktal führt. Mit seinem Nachfolger Josef Martinz habe Haider dann offenbar keine Probleme mehr gehabt.

Georg Wurmitzer und Jörg Haider waren nie politische Freunde gewesen - auch wenn beide ebenfalls miteinander koalierten und sich Wurmitzer seine Zustimmung zu Haider-Projekten teuer abkaufen ließ. Doch es war Wurmitzer gewesen, der Haider 1991 wegen dessen Sagers im Kärntner Landtag über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" zu Fall brachte.

Auch Wurmitzers Vorgänger Reinhold Lexer zeigt sich bis heute davon überzeugt, ein Opfer der Achse Schüssel - Haider gewesen zu sein. Auch er weigerte sich im Zusammenhang mit der Hypo, Haider zu Willen zu sein. Auf seinen Antrag hin hatte das Kärntner ÖVP-Präsidium im Jahr 2000 wegen des Bank-Burgenland-Desasters beschlossen, die Aussetzung der Landeshaftung für die Hypo zu verlangen. Haider und der damalige Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer sollen darüber getobt haben. In der Folge sei Lexer aus seinem Amt gemobbt worden, Lexer glaubt, dass Schüssel zumindest mitverantwortlich sei.

"Fassungslos" über Wurmitzers Aussagen zeigte sich der ehemalige Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP), der am Dienstag postwendend zur Verteidigung des Altkanzlers ausrückte.

Khol verteidigt Altkanzler

Kein Bundesparteiobmann der ÖVP habe die Kompetenz, einem Landesparteiobmann die Kandidatur zu untersagen, erklärte Khol. Wurmitzer habe aufgrund der Halbierung des ÖVP-Ergebnisses bei der Landtagswahl 2004 noch am Wahlabend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Es sei vor der besagten Landtagswahl auch allgemeiner "Parteiwille" gewesen, Elisabeth Scheucher zur Spitzenkandidatin zu küren, nachdem diese als Listenführerin der ÖVP in der Nationalratswahl 2002 erfolgreich gewesen sei, erinnerte Khol seinen "alten Freund und Weggefährten". Schüssel selbst äußerte sich nicht. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 1.8.2012)

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    Georg Wurmitzer ...

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    ... und Reinhold Lexer ...

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    ... sollen Jörg Haider im Weg gestanden sein. Wolfgang Schüssel habe sie folglich entfernt.

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