Unverdaulicher Eintopf

31. Juli 2012, 18:05
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Kontrastprogramm: In London wird Elfriede Jelineks "Ein Sportstück" gezeigt

Am Ende der feinen King's Road in Chelsea, nach Saatchi Gallery und schicken Edel-Boutiquen, findet man - nun, nicht gerade "das Ende der Welt", aber doch eine Hochhaussiedlung dieses Namens.

Davor liegt das Chelsea Theatre, in dem diese Woche ein Kontrastprogramm läuft zur Hochglanz-Verkaufsmesse mit schönen Athletenkörpern, auch Olympia genannt. Mit tatkräftiger Förderung des rührigen Österreichischen Kulturforums (ÖKF) bringen die Theatermacher Elfriede Jelineks Ein Sportstück auf die Bühne. Das kleine Haus ist bis auf den letzten Platz gefüllt, im Gegensatz zu den Sportstätten, wo selbst beim Erotiktanz der Beachvolleyballerinnen reihenweise Plätze freibleiben, weil Sponsoren und IOC-Funktionäre den beschwerlichen Weg scheuen.

Die Sportstück-Inszenierung der jungen Kroatin Vanda But kovic hat ihre Premiere während einer Jelinek-Konferenz an der Uni Lancaster erlebt - die erste Tagung auf der Insel, die der Literaturnobelpreisträgerin gewidmet war, die erste Produktion eines ihrer Stücke seit 1996. "Aufmerksamkeit für eine in Großbritannien viel zu wenig bekannte österreichische Autorin" wollte ÖKF-Direktor Peter Mikl schaffen. Das ist gelungen. Hat es sich auch gelohnt?

Wer sich sehnt nach einer intelligenten, boshaften, witzigen Auseinandersetzung mit dem Kommerzfest Olympia, wird enttäuscht. Elfriede Jelineks fünfzehn Jahre alter Text wirkt verstaubt, total überfrachtet, ohne jeden Fokus.

Daran ändert auch die groß artige Leistung des Schauspieler-Septett nichts, darunter der in Wien geborene Giorgio Spiegelfeld. Immerhin dauert der unverdauliche Eintopf aus Doping, Sterblichkeit, Mutter-Sohn-Konflikt, Jörg Haider und manch anderem, kaum länger als ein Fußballspiel.

Im Pub auf dem Heimweg zeigt man im Fernseher unter anderem schöne Österreicherinnen beim Beachvolleyball. Sie tragen Leggings, das ist bei den kühlen Londoner Nachttemperaturen erlaubt. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 1.8.2012)

  • Stadien halb leer, dafür das Chelsea Theatre voll. Jelineks "Sportstück" in London. 
    foto: ian hughes

    Stadien halb leer, dafür das Chelsea Theatre voll. Jelineks "Sportstück" in London. 

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