Drama, Draghi und die Aktienmärkte

Blog31. Juli 2012, 18:07
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Kauft Mario Draghi nun Staatsanleihen oder kauft er sie nicht? Langfristige Investoren können diese Frage getrost ignorieren.

Drei Worte waren genug. Als Mario Draghi sagte, die EZB würde tun, "what it takes", konnten sich viele Investoren vor Euphorie gar nicht mehr einkriegen. Aktuell notieren die spanischen zehnjährigen Anleihen nur noch bei 6,7 Prozent, über einen Prozentpunkt niedriger als noch am vergangenen Mittwoch. Die Aktienmärkte sind deutlich gestiegen und auch der Euro notierte heute über 1,23.

Es gibt aktuell gute Gründe, Aktien zu kaufen und weniger gute. Zu den guten zählt die Bewertung. Wer bereit ist, sich für die kommenden Jahr an Unternehmen zu beteiligen, findet günstige Opportunitäten vor, das haben auch Pessimisten wie der Société-Stratege Dylan Grice bereits eingeräumt. Aktuell sind einige europäische Aktien mit deutlichen Abschlägen zum Buchwert zu finden und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind zudem lediglich einstellig. Die Bewertung von europäischen Aktien ist historisch günstig. Wer die kommenden, volatilen Monate oder gar Jahre aussitzen kann, könnte daher getrost zugreifen.

Ein weniger guter Grund wäre eine Entscheidung über ein Aktieninvestment von der Gefälligkeit der EZB oder der US-Notenbank Fed abhängig zu machen. Dabei könnten Anleger Enttäuschungen erleiden. Wenn in den kommenden zwei Tagen sowohl die US-Fed als auch die EZB ihre geldpolitischen Maßnahmen ankündigen, können die Aktienkurse auch ganz schnell wieder fallen.

Der US-Investor und Milliardär Warren Buffett hat einmal gesagt, dass er an seinem Investmentansatz nichts ändern würde, selbst wenn der damalige Fed-Chef Alan Greenspan ihm den künftigen Weg der Geldpolitik einflüstern würde. Obwohl Analysten und Investmentstrategen derzeit Draghi und Bernanke derart an den Lippen hängen, sollten langfristige Investoren sie am besten ignorieren.

Was können Fed, EZB und Co.?

Denn dazu kommt, dass erhebliche Unsicherheit besteht, ob die Geldpolitik im aktuellen Umfeld viel ausrichten kann. Die Blogger vom "Economist" etwa hegen daran wenig Zweifel. Demnach könnten die  Zentralbanken viel mehr machen, um die Volkswirtschaften zu stabilisieren. Auch Milton Friedman, der liberale Ökonom, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, wird dafür gerne zitiert. Schließlich hat er (zusammen mit Anne Schwartz) in einem viel beachteten Buch nachgewiesen, dass die Große Depression durch die passive Federal Reserve vertieft und verlängert wurde.

Doch die Situation heute ist nicht mit den 1930er-Jahren zu vergleichen. Damals ist die breit gefasste Geldmenge um ein Viertel gefallen. Banken in den USA und Europa kollabierten und Sparer zogen ihre Einlagen ab. Heute tritt hingegen keines der drei Phänomene auf.* Die Geldmenge ist stabil oder steigt, die Bankenpleiten finden geordnet statt und betreffen kleine Institute und die Spareinlagen sind in der Krise gewachsen.

Die Geldpolitik hat sicherlich nicht die Fehler wiederholt, die 1930 gemacht wurden. Doch wie sieht es mit den Lehren von Japan aus? Seit 1990 hat die Bank of Japan ihre Bilanzsumme massiv ausgeweitet, die Zinsen auf Null gesenkt und die Staatsschulden sind auf über 200 Prozent des BIP gestiegen. Das Wachstum der japanischen Volkswirtschaft hat deshalb keinen Sprint hingelegt.

Der japanische Fall zeigt: Aktien zu kaufen, weil die Geldpolitik locker ist, ist ein schwaches Argument. Lediglich wenn die Unternehmen gut bewertet sind und ihre Bilanzen von Altlasten befreit haben, sind sie interessant.


 

*) Es gibt wichtige Ausnahmen in Europa. So erleben etwa spanische Banken, dass Sparer ihr Geld abziehen und die Geldmenge in Griechenland oder Spanien fällt.

 


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