Antisemitismus weltweit im Wachsen

31. Juli 2012, 17:52
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US-Bericht sieht weltweit bedrohte Religionsfreiheit

Washington - Besorgt über ein weltweites Erstarken des Antisemitismus äußert sich der Jahresbericht der US-Regierung zur globalen Religionsfreiheit. Zu den sich häufenden Phänomenen zählten die Leugnung, Verherrlichung oder Relativierung des Holocaust, aber auch nationalistische Tendenzen, die auf Juden als "die anderen" zielten, heißt es laut Kathpress in dem am Montag in Washington veröffentlichten Papier des State Department.

Der US-Bericht rügt judenfeindliche Äußerungen in staatlichen Medien in Venezuela und Ägypten sowie holocaustleugnende Internetseiten auf iranischen Servern. In Frankreich und der Ukraine verzeichnet der Bericht Vandalenakte gegen Synagogen und jüdische Friedhöfe. Ungarn findet negative Erwähnung wegen des Aufstiegs der offen antisemitischen Jobbik-Partei. Die Niederlande und die Ukraine erfahren Kritik wegen judenfeindlicher Sprechchöre bei Fußballspielen.

Generell sieht der Bericht keine guten Zeiten für die Religionsfreiheit: In politisch-gesellschaftlichen Umbrüchen geraten religiöse Minderheiten in vielen Ländern in Bedrängnis oder werden verfolgt. Besonders schlechte Bewertungen erhalten der Iran und Nordkorea als "chronische Verletzer der Religionsfreiheit". "Wie andere Freiheiten existiert auch Religionsfreiheit in Nordkorea schlichtweg nicht", heißt es im Bericht. Über den Iran sagte die für das Dossier zuständige Diplomatin Suzan Johnson Cook, die Situation habe sich "von einer bereits furchtbaren Lage noch verschlechtert". Namentlich erwähnt wird der zum Tode verurteilte und weiterhin inhaftierte evangelischen Pastor Youcef Nadarkhani.

China entwickelte sich laut Bericht ebenfalls nachteilig: In mindestens zwölf Fällen von Selbstverbrennungen tibetischer Mönche seien Restriktionen aus Peking verantwortlich zu machen.

Gewalt gegen Kopten

Mit Blick auf Christen erwähnt der Bericht besonders die Situation der Kopten in Ägypten. Trotz eines Antidiskriminierungsgesetzes der Übergangsregierung und Maßnahmen gegen religiöse Hetze hätten Spannungen zwischen den Glaubensgruppen zugenommen. Staatlicherseits gebe es nicht nur ein "Versagen, die zunehmende Gewalt gegen koptische Christen zu unterbinden", sondern auch eine Beteiligung von Sicherheitskräften an Übergriffen.

Als positiv verzeichnet das US-Außenministerium die Zusage der Türkei, in der Vergangenheit beschlagnahmte Immobilien von Religionsgemeinschaften zurückzuerstatten. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, Religionsfreiheit habe "diplomatische Priorität". Die Regierung Obama verteidige dieses Recht "für alle Menschen, überall". (APA/red, DER STANDARD, 1.8.2012)

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