Der Jäger, der Schlecker retten will

31. Juli 2012, 17:30
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Haberleitner landet mit Schlecker bisher größten Deal - Auf und Ab als Sanierer

Investor Rudolf Haberleitner nennt sich "einen der großen Sanierer Europas", mit Beispielen für seine These hält der 67-jährige Techniker aber hinterm Berg. Faktum ist, dass er Investoren per Kommanditistenanteil (mindestens 150.000 Euro) an seiner 2009 gegründeten Wiener Fondsgesellschaft TAP 09 beteiligt; wer investiert, verrät er nicht.

Begonnen hat der leidenschaftliche Jäger aus Krems bei der Voest Alpine, der Computergesellschaft NCR und der Hirsch-Gruppe ("Die habe ich von zwei auf 250 Mio. Euro Umsatz ausgebaut"), danach hat er sich als M-&-A-Berater selbstständig gemacht. Seine Spezialität seien Unternehmenssanierungen, das Thema "Stille Verfahren" sei Gegenstand seiner Doktorarbeit gewesen, erzählte Haberleitner einst. Was Übernahmen betrifft, war der zweifache Vater nicht immer erfolgreich. Libro schnappte ihm Josef Taus weg, den Brillenhersteller Optyl-Carrera Italiener, und bei Palmers, für dessen Erwerb er sich immer noch interessiert, soll er kaum Chancen haben.

Bei frühen Projekten, bei denen Haberleitner als Krisenberater auftrat, lief nicht alles reibungslos. Umstritten war etwa sein Engagement beim Kipptor-Hersteller Lindpointner, beim Waldviertler Möbelerzeuger Bobbin und beim Groß-Installationsbetrieb HSK der Hiesmayr-Gruppe (Letztere gingen pleite). In die Schlagzeilen geriet Haberleitner, einst mit blauen Industriellen wie Thomas Prinzhorn oder Alfred Heinzel befreundet, auch in der Ära von FP-Infrastrukturministerin Monika Forstinger. 2001 wurde publik, dass er als Aufsichtsrat der Pleiteholding GBI auch ein tägliches Beraterhonorar von 30.000 Schilling bekam.

2004 erwarb der im Handel weitgehend Unbekannte, der zuvor für die Egana-Gruppe in Hongkong die deutschen Luxusmarke Joop!, Taschenerzeuger Goldpfeil und Uhrenerzeuger Junghans gekauft hatte, die Generallizenz für das US-Modelabel US Polo. Seine Jagdleidenschaft hat sich im Einstieg ins Waffengeschäft Joh. Springer's Erben in Mariazell materialisiert. (gra, DER STANDARD, 1.8.2012)

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