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Innere Brüche, außen sichtbar gemacht: Ko Murobushi.
Wien - Was wird wohl sein in der Zukunft? Das fragt sich in Bezug auf den Tanz die in Paris lebende New Yorkerin Jennifer Lacey in ihrem Solo Gattica bei Impulstanz im Wiener Schauspielhaus. Und sie tut das in drei Teilen: einer vom Blatt gelesenen Liste von Vorhersagen, einem Tanzteil und einem Gespräch auf der Bühne mit der amerikanischen Kritikerin Claudia La Rocco.
Lacey weiß, dass sich über Kunst kaum Prognosen erstellen lassen. Also ist ihre Liste ironisch und die Plauderei bei einem Gläschen Wein auf der Bühne substanzlos. Nur das kleine Solo in der Mitte hat es in sich. Da verweist die Künstlerin auf etwas, womit im Tanz bereits seit einiger Zeit gespielt wird: ein Experimentieren mit Anspannung und dem Ausdruck innerer Verwerfungen des Körpers.
Wie der japanische, vom deutschen Expressionismus beeinflusste Butô, den Ko Murobushi mit quick silver im Odeon vorgeführt hat. Dieser Ende der 1950er-Jahre von Tatsumi Hijikata entwickelte "Tanz der Finsternis" ist dazu geeignet, die Hölle, die sich unter der Haut eines Individuums entwickeln kann, sichtbar zu machen. Beinahe unausweichlich, dass der Tanz sich nun - siehe Superamas, Trajal Harrell oder Fabian Barba - diese Möglichkeit zurückerobert.
Am Beginn von quick silver löst sich Murobushis Gestalt wie eine Murnau'sche Nosferatu-Figur mit Strumpf über dem Kopf aus der Dunkelheit, halb Vampir, halb Golem. Sobald sie ihren schwarzen Anzug und die Maske abgelegt hat, ist sie ein Metallmann, wie ein Prototyp der flüssigmetallischen T-X-Figur aus dem Film Terminator 3. Murobushi bezieht sich aber nicht auf den Populärfilm, sondern auf den Schmied Hephaistos aus der griechischen Mythologie. Davon leitet er jenen Körper ab, auf den auch Lacey anspielt. Einen, der unter dem Druck der Existenz nach innen hin aufreißt und die Brüche durch den Tanz nach außen sichtbar macht.
Mit griechisch antiken Figuren wird auch das Duett Duchesses von François Chaignaud und Marie-Caroline Hominal in Verbindung gebracht, das Impulstanz in den Belvedere-Garten platziert hat. Zwei nackte, von unten beleuchtete Figuren lassen Hula-Hoop-Reifen um ihre Hüften kreisen. Die Begeisterung der Kritik an dieser Anfang vorigen Jahres vorgestellten Arbeit ist allerdings kaum nachzuvollziehen.
Auch wenn ihm ein Referenzsystem angedichtet wird: Was Chaignaud und Hominal präsentieren, bleibt diskursresistent und dekorativ. Eine neckische Huldigung an den Körperbau, eine Mystifikation der hohlen Haut, ohne Bruch oder Wagnis oder Ironie. Da fehlt möglicherweise die Wildheit von Chaignauds Künstlerpartnerin Cecilia Bengolea, sicher aber die Intelligenz, aus dem Motiv etwas herauszuholen, das den ästhetisierenden Ennui in diesem Stück überwindet. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 1.8.2012)
"Duchesses" wieder 1. 8., "Gattica" 3. 8.
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