Die Schuldigkeit im Rennen gegen die Uhr

31. Juli 2012, 17:26
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Nach dem Versagen der Briten auf der Straße ist von Toursieger Wiggins Gold im Zeitfahren gefordert

London - Ehe am Donnerstag im an Eleganz kaum zu überbietenden Velodrom im Olympia-Park die Bahnbewerbe anheben, in denen sich die Gastgeber eine Flut an Medaillen aller Gütegrade erwarten, sollen Britanniens männliche Radsportler auch auf der Straße ihre Schuldigkeit tun. Mehr noch als der dann chancenlose Sprinter Mark Cavendish für das Straßenrennen, gilt Bradley Wiggins als heißester Gold-Tipp für das heutigen Zeitfahren über 44 Kilometer mit Start und Ziel vor Hampton Court Palace im äußersten Südwesten Londons.

Der Einzelverfolgungs-Olympiasieger von 2004 und 2008, der auf der Pekinger Bahn auch mit der Mannschaft triumphiert hatte, entschied zuletzt auf dem Weg zum allerersten britischen Sieg bei der Tour de France beide Zeitfahren überlegen für sich. Weshalb der 32-Jährige, der im Straßenrennen ziemlich matt wirkte, auch nur mit einem Ergebnis zufriedenzustellen ist. "Wenn ich hundertprozentig ehrlich bin, geht es für mich um Gold oder gar nichts. Ich kann nicht behaupten, dass ich mit Silber oder Bronze glücklich wäre."

Angeschlagen

Wiggins könnte auch vom Pech der größten Konkurrenten profitieren. Titelverteidiger Fabian Cancellara ist nach einem Sturz bei der Flandern-Rundfahrt ebenso gehandicapt wie Weltmeister Tony Martin nach einem Tour-Crash. Der 31-jährige Schweizer Cancellara schätzt sich glücklich, überhaupt starten zu können, hielt doch sein vierfach gebrochenes Schlüsselbein einem neuerlichen Unfall im Straßenrennen am Samstag stand, eine Schulterprellung und diverse Schürfwunden reichen aber aus, die ohnehin nicht überbordenden Hoffnungen zu dämpfen.

Dem 27-jährigen Deutschen Martin war im Frühjahr im Training von einem Auto die Vorfahrt genommen worden, er erlitt dabei Gesichts-Frakturen. Bei der Tour brach er sich das Kahnbein an der linken Hand. Alleine in London dabei zu sein, gebe ihm "einen gewissen Schub". Ein schwacher Goldschimmer sei schon noch vorhanden, aber mittlerweile würde ihn schon jede Medaille für die Pechserie entschädigen.

Realistisch gesehen hat Wiggins stärkere Gegner wie seinen Landsmann und Sky-Teamkollegen Christopher Froome, den er bei der Tour in den Rennen gegen die Uhr allerdings zweimal deutlich in Schach gehalten hatte. Hoch gehandelt werden auch die beiden US-Amerikaner Taylor Phinney und Tejay van Garderen. Ein Österreicher kann nicht einmal theoretisch gehandelt werden. Wie schon in Athen und Peking ist keiner im Einzelzeitfahren mit von der Partie. (lü, DER STANDARD, 01.08.2012)

  • Das Zeitfahren ist Bradley Wiggins' Spezialität.
    foto: epa/bouvy

    Das Zeitfahren ist Bradley Wiggins' Spezialität.

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