Kapitalflucht aus Spanien

31. Juli 2012, 17:31
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Geldhäuser müssen Industrie-Beteiligungen verkaufen

Madrid - Die Bankenkrise in Spanien hat eine Kapitalflucht aus dem Land ausgelöst. Allein im Monat Mai wurden 41,3 Mrd. Euro aus Spanien abgezogen, mehr als viermal so viel wie im Vergleichsmonat des Vorjahres, teilte die Madrider Notenbank mit. Im Mai war die Krise um die marode Großbank Bankia ausgebrochen, die vom Staat zur Sanierung ihrer Bilanzen 24,5 Mrd. Euro benötigt.

Nach Angaben der Zentralbank zogen Anleger in den ersten fünf Monaten dieses Jahres eine Rekordsumme von 163 Mrd. Euro aus Spanien ab. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Land noch einen Kapitalzufluss von 14,6 Mrd. Euro verzeichnet.

Weniger Gewinn

Bei der zweitgrößten spanischen Bank BBVA sank der Nettogewinn im ersten Halbjahr um 35 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Grund dafür waren Auflagen der Regierung, die im Zuge des Platzens der Immobilienblase erlittenen Verluste in der Bilanz zu verarbeiten. Der Einbruch des Immobiliensektors brachte fast die gesamte Bankenlandschaft in Spanien in massive Schwierigkeiten. Das Land hat mittlerweile für seine Banken EU-Hilfen von bis zu 100 Mrd. Euro beantragt.

Die spanischen Geldhäuser müssen im Gegenzug für Staatshilfen ihre Industriebeteiligungen aufgeben. Bereits die Notverstaatlichung der Großsparkasse Bankia hat eine regelrechte Entflechtung der Kreditwirtschaft und der Industrie des Landes in Gang gesetzt.

Anders als in Deutschland oder Österreich ist die Verflechtung zwischen Spaniens Sparkassen und der Industrie immer noch eng. Die größte Sparkasse des Landes, La Caixa, habe eine eigene Beteiligungsgesellschaft und damit eines der größten Industrieportfolios; auch die mittlerweile verstaatlichte Bankia mische in der spanischen Industriepolitik kräftig mit: Bankia gehörten 5,3 Prozent am spanischen Energieriesen Iberdrola und zwölf Prozent an der Fluggesellschaft International Airlines Group (IAG), schrieb jüngst die Financial Times Deutschland. Dagegen habe sich die Privatbank Santander bereits vor der Finanzkrise von Beteiligungen getrennt.

Interesse am Airline-Anteil

Laut einem am Dienstag in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Bericht interessieren sich internationale Finanzinvestoren wie auch Fluggesellschaften für den Zwölf-Prozent-Anteil an der British-Airways-Mutter IAG. Etihad Airways aus Abu Dhabi zähle dazu wie Qatar Airways - wobei der Qatar-Chef am Dienstag bereits abwinkte. Etihad ist an Air Berlin und Aer Lingus beteiligt. Jüngst wurde bekannt, dass Etihad an einer Kooperation mit Air France/KLM interessiert sei. (dpa, Reuters, cr, 31.7.2012)

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