Stronach regiert souverän

27. Juni 2003, 12:47
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Der Austrokanadier kontrolliert Magna durch Zwei-Klassen-System bei Aktien - Gründer hält nur 0,8 Prozent

Washington/Toronto - Der kanadische Kfz-Zulieferkonzern Magna International wird von seinem Gründer Frank Stronach kontrolliert, obwohl der Austro-Kanadier nur einen kleinen Teil der Aktien des börsenotierten Unternehmens besitzt. Möglich wird dies durch ein Zwei-Klassen-System, wonach Magna-Aktien der "Klasse B" mit 500 Stimmen pro Aktie ausgestattet sind. Aktien der "Klasse A" verfügen jedoch nur über eine Stimme pro Aktie. Stronach kann so laut der kanadischen Zeitung "National Post" mit 0,8 Prozent der Aktien 66,2 Prozent der Stimmen ausüben und den Konzern beherrschen.

In der kanadischen Zeitung wird Magna als der krasseste Fall kanadischer Unternehmen gewertet, wo durch dieses Zwei-Klassen-System eine Familie oder Gruppe die Kontrolle über ein Unternehmen wahrt. Die Stronach-Familie besitze nur 0,8 Prozent der Aktien, aber verfüge über 82 Mal so viel Stimmrechte wie sie besäße wenn jede Aktie nur eine Stimme wert wäre. Der Wert der Stronach-Aktien betrage rund 67,9 Mio. kanadischer Dollar (43,9 Mill. Euro), nur rund 0,8 Prozent der 8,6 Mrd. kanadischer Dollar des Gesamtaktienwerts.

"Schlechtes Benehmen"

Diese Strukturen werden in Kanada seit Jahren kritisiert, heißt es in der "National Post". Der Unterschied zwischen dem Risiko der Aktionäre und der Kontrolle des Managements durch die Insider stelle eine Schwäche bei der Unternehmensführung in vielen der größten kanadischen Unternehmen dar, meint Richard Rooney, Präsident von Burgundy Asset Management Ltd. In Toronto. Dies führe zu einer ganzen Anzahl von Fällen von "schlechtem Benehmen" und letztlich dazu, dass die kontrollierenden Aktionäre sich weniger um den Wert ihrer Aktien kümmern müssten.

Eine Folge dieses Systems ist nach Ansicht der Kritiker, dass die "Vergütung" (Compensation) für das Management, im Falle von Magna für Frank und seine Tochter Belinda Stronach, sehr hoch festgesetzt werden kann. "Magna hatte gute Erträge", kommentierte Ronald A. Tadross, Analyst der Banc of America Securities in New York gegenüber der "New York Times". "Aber sie könnten noch mehr verdienen, wenn sie ihre Kapitalstruktur optimieren und dem Management weniger bezahlen".

52 der insgesamt 220 an der Börse Toronto im S&P/TSX notierten Unternehmen verfügen über ein Zwei-Klassen-System bei Aktien. In 39 Fällen wird dadurch die Kontrolle einer einzige Familie oder Person übertragen. Die "Canadian Coalition for Good Governance", eine Gruppe von institutionellen Investoren wie Pensionsfonds, ist über das System der "Dual-Class-Shares" besorgt. Verteidiger des Systems meinen, dadurch würden kleinere Gesellschaften vor feindlichen Übernahmen geschützt.(APA)

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    Wenige Aktien, viel Einfluss

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