Gewerkschaft kündigt massive Streiks an

27. Juni 2003, 13:04
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Wenn voestalpine zerschlagen wird drohen "Streiks, die in die Geschichte eingehen"

Linz - Der Fall voestalpine sei "nur die Spitze des Eisbergs" in dem Bestreben der ÖVP-FPÖ-Regierung, "so viel Staatseigentum wie möglich zu verscherbeln" - dies erklärte der ÖGB Oberösterreichs am Freitag bei einer Pressekonferenz. Die Gewerkschaften drohen in diesem Zusammenhang auch mit Kampfmaßnahmen.

Die Regierung wolle "offensichtlich ihr Credo 'Mehr privat - weniger Staat' wider jeder wirtschaftlichen Vernunft durchsetzen", so der ÖGB, "die jüngst bekannt gewordenen Geheimverhandlungen über einen Verkauf der voestalpine sind nur ein Glied in einer langen Kette", sagten der Metaller-Gewerkschafter Nationalratsabgeordneter Walter Schopf (S) und ÖGB-Landessekretär Erich Gumplmaier. Als Beispiele nannten sie die Telekom Austria, die Austria Tabak, die Liegenschaften der Bundesforste, die P.S.K. oder die Anteile am Flughafen Wien.

Gegen Verkauf und "Zerschlagung der voestalpine"

Nachdrücklich sprachen sich die Gewerkschaftsvertreter gegen den Verkauf und die "Zerschlagung der voestalpine" aus. Diese brauche einen "berechenbaren und verlässlichen Eigentümer". Die derzeitige Eigentümerstruktur habe sich zum Vorteil ausgewirkt, die voestalpine sei nicht ohne Grund ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Und Schopf und Gumplmaier weiters: "Die Regierung will hier offensichtlich ihre Freunde bedienen und diesen billig die Goldstücke der heimischen Wirtschaft zukommen lassen". Sollte "die Regierung tatsächlich die voestalpine an ihre Günstlinge verscherbeln, wird die Gewerkschaft mit Kampfmaßnahmen darauf antworten", so Gumplmaier. Und Schopf ergänzte: "In diesem Fall wird es Streiks geben, die in die Geschichte eingehen".

Grüne: Türen für Magna-Einstieg weiterhin offen

Für die Grünen bleiben "die Türen für einen Einstieg von Magna bei der voestalpine mit allen Konsequenzen offen", wie deren Landessprecher Rudi Anschober am Freitag bei einer Pressekonferenz warnte. Daher müsse es rasch zu einem "Sicherheitsbeschluss" für die voestalpine und damit zu einer Abänderung des Privatisierungsauftrages der Regierung an die ÖIAG kommen. Und zwar dahingehend, "dass bis auf weiteres lediglich etwas über neun Prozent der voest bevorzugt in Mitarbeiterbeteiligungen und an die Börse gehen sollen und damit eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie erhalten bleibt". Im Fall eines interessanten Angebots einer oberösterreichischen Firmengruppe könne dieses dann in Ruhe überprüft und bewertet werden.

Weiters fordern die Grünen die "rasche Beendigung bestehender Unvereinbarkeiten in den Aufsichtsräten von ÖIAG und Voest". Vor allem Magna-Manager Siegfried Wolf sollte aus dem ÖIAG-Aufsichtsrat ausscheiden, "da hier eine klassische Unvereinbarkeit vorliegt". Ähnliches gelte für den deutschen Industriellen und Voest-Aufsichtsrat Cornelius Grupp, dem Interesse an der voestalpine-Division Eisenbahnsysteme nachgesagt werde. Nicht zuletzt müsse auch Rudolf Streicher "einen klaren Trennstrich zwischen Voest-Aufsichtsratsvorsitz und seiner Aufsichtsratstätigkeit für eine Magna-Tochter ziehen", verlangte Anschober.(APA)

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    Bald könnten die Hochöfen stillstehen - wenn die Gewerkschaft ihre Drohung realisiert

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