Gebärmutter-Infektionen gefährden ungeborenes Kind

27. Juni 2003, 11:42
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Bochumer Wissenschafter warnen vor schweren Hirnschäden

Bochum - Unterleibsinfektionen während der Schwangerschaft gefährden die Gesundheit des Kindes weitaus stärker als bisher bekannt. Vor allem bakterielle Erkrankungen in der Gebärmutter können zu schweren Hirnschäden führen, wie eine Studie der Ruhr-Universität Bochum ergab.

Im Tierversuch stellten die Wissenschafter fest, dass bereits bei geringen Infektionsdosen die weiße Hirnsubstanz geschädigt wird. Als Konsequenz fordern die Experten ein Vorsorgeprogramm zur Früherkennung von Infektionen bei werdenden Müttern.

Natürlicher Schutzmechanismus

Wenn dem Gehirn ungeborener Kinder ein Sauerstoffmangel droht, wird nach Angaben der Mediziner im Normalfall ein natürlicher Schutzmechanismus in Gang gesetzt. Die zu den peripheren Organen wie Haut, Muskeln und Knochen führenden Blutgefäße verengen sich, was den Blutfluss und damit den Sauerstoff zum Gehirn und Herzen lenkt.

Dringt eine bakterielle Infektion aber über den geöffneten Muttermund in das Fruchtwasser vor, besiedeln die Keime die Plazenta und das Kind, wie die Experten erklären. Spezielle Entzündungsfaktoren stellten dann die Gefäße des Mutterkuchens eng und drosselten so die Durchblutung der Plazenta. Im Fötus selbst schränke die Infektion über so genannte Endotoxine den natürlichen Schutzmechanismus ein. Der Blutstrom könne also nicht mehr im erforderlichen Maße zum Gehirn umgelenkt werden.

Dezentralisation des Kreislaufs

In der Folge kommt es nach Angaben der Wissenschafter zu einer "Dezentralisation des Kreislaufs", in deren Folge etwa die Lunge unnötig stark durchblutet wird. Dort zurückbleibende Entzündungszellen könnten dann die Ursache dafür sein, dass sich die Lunge nach der Geburt nicht entfalte und die frühgeborenen Kinder über längere Zeit beamtet werden müssten, vermuten die Forscher. Zugleich sei das Gehirn durch die Infektion gegenüber dem nachfolgenden Sauerstoffmangel sensibilisiert.

Früherkennung wird Standard

Die Bochumer Ärzte verlangen eindringlich, die Früherkennung solcher Erkrankungen zum Standard der Schwangeren-Vorsorge zu machen. Dabei seien nicht einmal kostspielige Laboruntersuchungen notwendig. Meist genüge es schon, wenn der Frauenarzt den Scheiden-Abstrich mikroskopisch auf eine bakterielle Infektion überprüfe. Die Schwangeren könnten sich sogar selbst mit Hilfe eines Teststreifens zur Bestimmung des pH-Wertes kontrollieren. (APA/AP)

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