Hans Blix wird 75 und geht in Pension

27. Juni 2003, 10:04
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Lange Karriere bei Vereinten Nationen und in der schwedischen Politik

Washington - Am Samstag, den 28. Juni, wird Hans Blix 75 Jahre alt, und am Montag darauf geht er nach einer langen Karriere als UNO-Chefwaffeninspektor, Diplomat und schwedischer Politiker in Pension. Der Geburtstag am Samstag gehört dem Privatmenschen Blix, bei den Vereinten Nationen ist er derzeit auf Urlaub und kehrt erst am Montag, den letzten Tag seiner Amtszeit, wieder nach New York zurück. Wenn sich Blix dann von seinen Mitarbeitern bei der UNMOVIC verabschieden wird, hat er seine politischen Abschiedsworte schon gesprochen: Im letzten Bericht an den UNO-Sicherheitsrat versuchte er auf die Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren in den Irak zu drängen - ein Bemühen, das bisher am Widerstand der USA gescheitert ist.

Der Konflikt zwischen dem UNO-Chefwaffeninspektor und der US-Regierung über die Suche nach irakischen Massenvernichtungswaffen hatte sich erst im letzten dreiviertel Jahr der Amtszeit von Blix herauskristallisiert. Im Ringen um Sicherheitsratsresolutionen, die einen Angriff auf den Irak rechtfertigen sollten, lieferten die Blix-Berichte vor der UNO nicht die von den USA gewünschten Angaben über die angeblich drohende unmittelbare Gefahr durch irakische Massenvernichtungswaffen. Dass Blix damals von einigen US-Medien und Politikern sogar Nähe zum irakischen Regime vorgeworfen wurde, hat den schwedischen Diplomaten und Völkerrechtler am meisten gestört, wie er in einem Interview mit der "New York Times" bekannte.

Inspektion

Das Amt des Chef-Waffenkontrollors an der Spitze der UNMOVIC (United Nations Monitoring, Verification and Inspection Commission) übte Blix erst seit März 2000 aus. Während seiner Amtszeit waren die Waffeninspekteure nur rund drei Monate im Irak im Einsatz. Noch zwei Tage vor Kriegsbeginn am 20. März 2003 legte Blix dem Sicherheitsrat ein Programm zur friedlichen Entwaffnung des Irak vor, doch die US-Entscheidung für einen Angriff war schon gefallen. "Wir hätten noch etwas mehr Zeit gebraucht", sagte er später.

Vor seiner Tätigkeit bei der UNMOVIC war Blix von 1981 bis 1997 Generaldirektor der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO). Kritiker warfen der damals von Blix geführten IAEO vor, trotz Inspektionen vor dem ersten Golfkrieg 1991 ein irakisches Atomwaffenprogramm nicht erkannt zu haben. 1992 wurden die Anlagen in Al Taheer unter Aufsicht der UNO-Inspektoren zerstört. In der IAEO war Blix auch mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie befasst: Als entschiedener Befürworter setzte er sich auch in seiner Heimat Schweden gegen einen Rückzug aus dieser Form der Energieerzeugung ein.

Seine Laufbahn begann Blix jedoch nicht in der Diplomatie, sondern in der Rechtswissenschaft und dann in der Politik seines Landes. Blix wurde am 28. Juni 1928 in Uppsala geboren. Er studierte Jus an der Universität seiner Heimatstadt, an der Universität von Cambridge, an der Columbia-Universität in New York, sowie in Stockholm, wo er auch Völkerrecht lehrte. 1963 begann seine diplomatische Karriere als Berater für Völkerrechtsfragen und Staatssekretär für Probleme der Entwicklungs-Zusammenarbeit im schwedischen Außenministerium. Von Oktober 1978 bis Oktober 1979 war er Außenminister im Kabinett des liberalen Ministerpräsidenten Ola Ullsten, anschließend diente er wieder als Staatssekretär im Außenamt.

Bei Blix' Abgang wird die UNMOVIC von seinem bisherigen Stellvertreter, dem Griechen Demetrius Perricos, übernommen. Ob diese Behörde noch eine Zukunft hat, wenn die USA weiterhin betonen dass die Waffensuche im Irak nun in den Händen der amerikanischen und britischen Truppen liege, hängt vom UNO-Sicherheitsrat ab - dieser hat sie eingerichtet und kann sie auch wieder auflösen. Für seine eigene Zukunft hat der 75-Jährige Blix jedenfalls schon Pläne. Er werde ein Buch schreiben, heißt es bei den Vereinten Nationen in New York. Ob der Diplomat darin Geheimnisse offenbart und seine Gefühle preisgibt oder weiterhin verhalten, distanziert und möglichst ausgewogen berichtet wird sich zeigen. (APA)

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