Ein gut betreuter Patient ist nicht Luft

26. Juni 2003, 20:10
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Eine Befragung von Patienten in Niederösterreich zeigt ein differenziertes Bild der Spitalsbetreuung

St. Pölten - Ins Spital zu müssen ist an sich schon oft ein schwerer Gang. Vor allem, wenn man nicht weiß, was einen dort erwartet und wie man dort betreut wird.

Auf den ersten Blick können die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher beruhigt ihren Spitalsaufenthalt über sich ergehen lassen. In einer Befragung des Gesundheitsressorts äußerten sich die mehr als 1000 befragten Patienten in den fünf Landeskrankenhäusern als "überaus zufrieden", "sehr zufrieden" und "zufrieden", berichtete VP-Landesrat Emil Schabl bei der Präsentation der Ergebnisse.

Betreuungsqualität

Diese Antwortkategorien zusammengezählt, ergibt eine sehr positive Einschätzung der Betreuungsqualität: Die Zimmer und die Sauberkeit seien in Ordnung (94 % Zustimmung), das Ärzteteam zeige sich kompetent (97 %), noch ein wenig besser betreut und in ihrer Intimsphäre geachtet fühlten sich die Patienten durch Schwestern und Pfleger (98 % sagten Ja zum Service). Demnach klingt es plausibel, dass 97 Prozent der im Krankenbett Befragten das Spital auch weiterempfehlen würden.

Erst im Detail zeigen sich fragwürdige Punkte. Denn die oben angeführten Ergebnisse gelten umso mehr, je älter die Befragten waren. Die jüngeren sind weit kritischer und nehmen Unangenehmes im Spital bei weitem nicht widerspruchslos hin. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 46 Jahren.

Bei Visite übersehen

Einen großen Einfluss spielt auch die Bildung, weist die Studie aus. Positiv: Je niedriger das Bildungsniveau, desto eher wurden Patienten von Ärzten und Ärztinnen ermutigt, Fragen zu stellen. Negativ: Vor den weniger Gebildeten sprachen Ärzte bei der Visite vor den Patienten, als ob sie gar nicht da wären.

Besser betreut fühlen sich Patienten, die in der Sonderklasse (mit Zusatzversicherung) untergebracht waren, die allgemeine Klasse war weniger zufrieden mit der Betreuung am Krankenbett.

Befragung quer durch sämtliche Stationen

Bei der Befragung quer durch sämtliche Stationen - Gynäkologie, Neurologie, Akutpsychiatrie oder Unfallchirurgie - zeigte sich, dass Ärzte und Ärztinnen zu wenig Einfühlungsvermögen haben und Ängste und Sorgen der ihnen Anvertrauten nicht ernst nehmen. Positive Ausnahmen gibt es natürlich auch.

Befragungsbericht

Für Landesrat Schabl sind die Ergebnisse eine "Grundlage, die Qualitätsstandards in unseren Häusern weiter zu heben". Ehrgeiziges Ziel, das im Befragungsbericht formuliert wurde: Vorbild in Österreich zu werden. Es liegt noch eine Menge Arbeit vor den Spitalsverantwortlichen, zu dem Zweck wurde im Mai 2002 eine eigene Geschäftsstelle für die Krankenanstalten eingerichtet. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 27.6.2003)

Eine Befragung von Patienten in Niederösterreich zeigt ein differenziertes Bild der Spitalsbetreuung. Auf den ersten Blick scheint alles paletti, aber Patienten fühlen sich oft nicht ernst genommen. Spitalslandesrat Emil Schabl will sich um mehr Qualität bemühen.
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