Stronach für Grasser weiter im Rennen

27. Juni 2003, 11:02
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"Filetierungs-Verbot für voestalpine nicht hundertprozentig umzusetzen" - Minister will von Minerva-Projekt nichts gewusst haben

Wien - Der Magna-Konzern von Frank Stronach ist für Finanzminister Karl-Heinz Grasser weiterhin ein möglicher Käufer der voestalpine. Der Regierungsbeschluss vom Dienstag über die vier Bedingungen für eine Abgabe weiterer Staatsanteile an dem börsenotierten Stahlunternehmen schließe bestimmte Käufer nicht aus, sagte Grasser laut Tageszeitung "Die Presse" von Freitag: Denn "da würde man sich als Verkäufer ja selbst schädigen, wenn man den Interessentenkreis nur auf ein, zwei Interessenten reduziert." Einzig öffentliche Gebietskörperschaften würden ausscheiden.

Vom Minerva-Projekt - Gesprächen der Staatsholding ÖIAG, in die neben einer Investmentbank auch Magna-Manager eingebunden gewesen sein sollen - habe laut ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis "nur ein ganz kleiner Kreis gewusst", sagte Grasser: "Daher haben es weder mein Kabinett noch ich gewusst." Er habe erst in der dieswöchigen Ausgabe des Wochenmagazins "profil" gelesen, dass es das Projekt Minerva gibt. "Ich glaube trotzdem, dass die ÖIAG absolut korrekt gehandelt hat, aber vielleicht nicht besonders gescheit", so Grasser: "Weil man da sehr leicht dem Finanzminister einen Vorwurf machen kann."

"Sie werden lachen ..."

Mit wem die ÖIAG - außer mit Magna und institutionellen Anlegern wie Ludwig Scharingers Raiffeisenlandesbank Oberösterreich - sonst noch gesprochen hat, weiß der Finanzminister nach eigenem Bekunden nicht: "Sie werden lachen, ich weiß nicht." Er habe nur die Aussage, dass mit mehreren anderen auch Gespräche geführt worden seien.

Um nicht eine politische Kampagnisierung zuzulassen, habe die Regierung ihre Intention offen gelegt, die ohnedies schon im Privatisierungsauftrag enthalten gewesen sei: österreichischer Kernaktionär, Entscheidungszentrale, Forschung und Entwicklung in Österreich behalten. Zusätzlich habe man nun gesagt: Auch die Einheit des Unternehmens ist zu wahren - und ferner: Es gibt nur noch den Weg über die Börse oder Finanzinvestoren.

Grasser räumte ein, dass der Regierungsbeschluss, der laut Grasser und Kanzler Wolfgang Schüssel eine voestalpine-Filetierung verhindern soll, schwer zu realisieren sei: "Das hundertprozentig umzusetzen, ist unmöglich, das wissen wir. Es wird einfach die Frage sein, welchem Partner traut man das zu."

ÖIAG entscheidet

Am Ende werde der Finanzminister oder die Regierung dabei nicht ja oder nein sagen, sondern die ÖIAG entscheiden lassen: "Wir geben die Strategie vor, und die ÖIAG macht das laufende und operative Geschäft wie Privatisierungen." Thyssen-Krupp werde aber "wahrscheinlich nicht klarmachen können, dass sie ein Finanzinvestor sind, die sozusagen kein strategisches Interesse an dem Unternehmen haben".

Die Republik Österreich hält über die ÖIAG noch 34,7 Prozent an der voestalpine. Die Stahlaktie sank am Donnerstag an der Wiener Börse weiter um 3,88 Prozent auf 31,00 Euro, nach Minus 2,80 Prozent auf 32,25 Euro am Mittwoch. Am Montag hatten sie - nach Bekanntwerden des Minerva-Projekts - kräftig um 8,15 Prozent auf ein neues Jahreshoch von 34,50 Euro zugelegt. (APA)

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    Vom Minerva-Projekt "haben weder mein Kabinett noch ich gewusst"

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