Hilfe für Klagen vor dem Haager Strafgerichtshof

26. Juni 2003, 19:32
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Handbuch für Verbrechensopfer

Ein Handbuch für Opfer von Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, die vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag klagen wollen, hat "Red Damocles", der juristische Ableger von "Reporter ohne Grenzen", am Mittwochabend in der Vertretung der EU-Kommission in Madrid vorgestellt. Das Werk des französischen Journalisten Pierre Hazan ist das erste Buch seiner Art.

Hazan, Verfasser mehrerer Bücher und Fernsehdokumentationen über die internationalen Kriegsverbrechertribunale zu Ruanda und Exjugoslawien, ist es gelungen, dem Leser das komplexe Thema in einfacher Sprache nahe zu bringen. Das Handbuch kann via Internet heruntergeladen werden (siehe Webtipp).

"Es ist mehr als eine praktische Anleitung. Es ist ein Instrument, das ermöglicht, dass die Opfer nicht um Gerechtigkeit betteln müssen, sondern sie einfordern können", erklärte der Ehrenvorsitzende von Damocles, der spanische Richter Baltazar Garzón. Garzón hat durch seine Ermittlungen gegen den ehemaligen chilenischen Diktator international Aufsehen erregt.

Garzón ist davon überzeugt, dass dank des ICC die Zeiten der Straffreiheit für Verbrechen gegen die Menschheit zu Ende gehen. Der ICC wurde am 1. Juli 2002 eingerichtet. Diesen Monat nahm der Chefankläger seine Arbeit auf. Insgesamt liegen bereits rund 400 Klagen vor.

Im Unterschied zu den Verfahren über Exjugoslawien und Ruanda haben die Opfer vor dem ICC eine eigenständige Rolle und treten nicht nur als Zeugen auf. Genau deshalb wollen "Reporter ohne Grenzen" und Red Damocles mit ihrem Handbuch den ICC der internationalen Zivilgesellschaft nahe bringen. Denn nur durch eine solche Unterstützung könne die weltweite Justiz funktionieren. Bisher erkennen 90 Länder den ICC an. Die USA boykottieren die Institution. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2003)

Reiner Wandler aus Madrid

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