Russland wieder größtes Ölförderland

26. Juni 2003, 19:16
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Saudi-Arabien muss nächstes Jahr führende Position abgeben - Das könnte zu einem Preiskrieg führen - Mit Infografik

Russland wird nächstes Jahr die Ende der 80er-Jahre verlorene Position als weltgrößtes Ölförderland wieder erlangen. Das könnte zu einem Preiskrieg zwischen den beiden Ölmächten führen. Wien - Die russische Ölbranche erntet die Früchte der Transformation der Industrie: Kommendes Jahr wird Russland Saudi-Arabien als weltgrößtes Förderland ablösen. Heuer werden 8,3 Mio. Fass (je 159 Liter) aus dem Boden geholt, um 400.000 Barrel weniger als die Saudis. "Bis zum Ende des Jahrzehnts wird Russland zehn Mio. Fass fördern", sagte BP-Chefanalyst Michael Smith bei der Präsentation des alljährlichen Weltenergieberichts des Ölmultis.

Damit wird Russland in der Welt des Öls wieder jene mengenmäßige Führungsrolle einnehmen, die Moskau mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft in der ehemaligen Sowjetunion Ende der 80er-Jahre innehatte. Die Rekordförderung des Jahres 1988 von 12,5 Mio. Tagesfass sei aber nicht erreichbar. Dennoch sei den russischen Ölfirmen ein bemerkenswerter Turnaround gelungen: Allein zwischen 1999 und 2002 sei die Produktion kumuliert um ein Viertel gestiegen. Motor des Aufschwungs waren neben der Einführung westlicher Fördertechnologien die kräftige Rubelabwertung des Jahres 1998 und die hohen Ölpreise (auf Dollarbasis) ab 1999. Dadurch seien die Kriegskassen der russischen Ölmultis prall gefüllt. Die anstehende weitere Konsolidierung des Sektors werde die Effizienz der Branche weiter erhöhen, meint Smith.

So hat sich BP den russischen Konzern TNK für ein Joint Venture angelacht, Shell investiert zehn Mrd. Dollar in ein Offshore-Projekt in Sibirien. Der bis jetzt größte Konsolidierungsschritt ist aber die Fusion der Ölriesen Yukos und Sibneft zum größten Ölkonzern der Welt, gemessen an seinen Ölreserven.

Nervöses Kartell

Die Aussicht, von Russland überholt zu werden, dürfte bei den Saudis die Alarmglocken schrillen lassen und auch die anderen Opec-Kartellbrüder wegen ihres weiter sinkenden Weltmarktanteils (jetzt knapp 38 Prozent) nervös machen. Schließlich sei die Opec-Förderung im vorigen Jahr um über sechs Prozent gesunken, während die Länder außerhalb des Förderkartells im Vorjahr um drei Prozent mehr produziert hätten.

Diese Entwicklung könnte zu einem Preiskrieg zwischen den Öl-Supermächten Saudi-Arabien und Russland führen. Bereits 2002 sei viel über eine Preisschlacht hinter den Kulissen spekuliert worden, ergänzte Smith. (DER STANDARD Printausgabe, 27.6.2003, rose)

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    Der russische Tanker "Moscow"

  • Ölproduktion 2002
    grafik: standard

    Ölproduktion 2002

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