Notenbank wehrt sich gegen Münze-Verkauf

26. Juni 2003, 19:03
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Euroeinführung bescherte Rekordergebnis - 186 Mio. Euro Dividende an Finanzminister

Wien - Nationalbank-Präsident Adolf Wala winkt beim Thema Anteilsverkauf, das seit dem neuen Regierungsprogramm auf dem Tapet ist, ab. Bei der Bilanzpräsentation der wegen ihres Drittelanteils an den Casinos Austria ins Zentrum der schwarzblauen Begehrlichkeiten gerückten Notenbanktochter Münze Österreich sagte Wala: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns von unserer besten Finanzbeteiligung trennen, wenn es einer wünscht, auch wenn es der Finanzminister ist." Dazu gibt es zwei Hauptargumente:

1. Ertrag

Die Münze Österreich hat seit dem Kauf 1989 durch die Nationalbank bereits 520 Mio. Euro an Dividende abgeworfen, wovon durchschnittlich rund 80 Prozent an Dividende an die jeweiligen Finanzminister weitergereicht wurden. Mittlerweile liegt die Dividendenabfuhr an Karl-Heinz Grasser schon bei 93 Prozent der Notenbank-Gewinne. Allein von der Münze-Rekorddividende für 2002 von 200 Mio. Euro hat Grasser also etwa 186 Mio. Euro lukriert. "Ein gutes Geschäft für die Republik", meint Wala.

2. Reserve

Dem insgesamten Euro-Münzumlauf in Höhe von 800 Mio. Euro stünden Rücklagen der Münze Österreich von 142 Mio. Euro gegenüber, wobei hier der Casinos zum seinerzeitigen Anschaffungspreis von rund 43 Mio. Euro schon inkludiert ist. Müsste der Casino-Anteil verkauft werden, würden die Rücklagen bedenklich schrumpfen, was insbesondere im Lichte der Diskussion um die Einführung von Zwei-Euro-Scheinen sehr riskant wäre. Von den Casinos Austria, die für die Münze wiederum die attraktivste Beteiligung darstellt, hat die Notenbanktochter seit der Übernahme 1994 in Summe 11,6 Mio. Euro an Dividende erhalten.

Rekordergebnis

Die Euroeinführung hat der Münze übrigens ein "kaum wiederholbares Rekordergebnis" beschert, außer "man führt den Schilling wieder ein", sagte Münze-Chef Dietmar Spranz. Für heuer erwartet die Münze wieder ein "Normalgeschäftsjahr" mit einem Ergebnis von etwas mehr als 20 Mio. Euro und einem Umsatz von 210 Mio. Euro, der mit etwa 210 Mitarbeitern erwirtschaftet wird. Münze-Vorstand Kurt Meyer, der etwa die an Bedeutung gewinnenden Halbfertigfabrikate über hat, sagte: "Wir sind in Relation zum Mitarbeiterstand wahrscheinlich eines der bestverdienendsten Unternehmen in Österreich. ((DER STANDARD Printausgabe, 27.6.2003,miba)

  • Münze Österreich 2002
    grafik: standard

    Münze Österreich 2002

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