Trennkost

27. Juni 2003, 19:05
1 Posting

Deutsche Mundls beim Abnehmen. Superlustig. Die anderen Probanden waren fad ...

Wir haben Tränen gelacht. War ja auch zu komisch. Noch lustiger als Homevideos, in denen Kinder von Schaukeln fallen.

Herr und Frau K. wollten nämlich abnehmen. Und ließen sich über sieben Wochen von einem Kamerateam begleiten. Bei der Nahrungsaufnahme. Beim Auf-die-Waage-Steigen. Auf RTL2 konnte man das Mittwochabend mitansehen. Fünf Theorien zur Bikinifigur: Wahnsinnsdiäten, Wundermittel, elektrische Bauchwegzaubermaschinen - das ganze Programm eben. Familie K. hatte man auf Trennkost gesetzt. Der Spaßfaktor: Die K.s sind Plattenbaubewohner. Deutsche Mundls. In Kleidung, Kultur und Wohndesign. Die K.s lasen sich ein - und futterten dann frohen Mutes Dosenfleisch in Aspik, mit Käse überbackene Nachos und sonst noch allerlei. In den gewohnten (Un-)Mengen. Dazu erklärten sie unwidersprochen und immer wieder, wieso das so richtig sei, erklommen die Waage - und begannen fast zu weinen. Superlustig. Die anderen Probanden waren fad. Sie kamen aus anderen Soziotopen. Sicher Zufall.

Irgendwann, Frau K. wärmte dosenweise Champignongulasch, kam die Rede auf Frische und Qualität der Ingredienzien. Frau K. bedauerte: Frisch- oder gar Biogemüse sei für Normalverdiener mit Kindern halt zu teuer. Aber weil das weniger lustig ist als prollige Tollpatschigkeit, wurde sofort das Thema gewechselt: Herr und Frau K. in Zellophan-Abspeckfolie. Zum Niederknien.

Andere Probanden haben übrigens sogar abgenommen. Sie alle konnten sich frisches Gemüse leisten. DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2003)

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.