Frenkie Schinkels: "Ich war unkonzentriert, faul"

Porträt |
  • Fußball und Schule - dafür hatte Schinkels nicht genug Kraft.
    foto: apa/eggenberger

    Fußball und Schule - dafür hatte Schinkels nicht genug Kraft.

  • Schinkels als "Dancing Star".
    foto: apa/herbert p.oczeret

    Schinkels als "Dancing Star".

Die Schule stand im Leben des ehemaligen Profifußballers nie im Mittelpunkt - In der Klasse war er der "Schmähbruder"

Frenkie Schinkels hasste vor allem die Hausaufgaben. Noch heute tut ihm sein Sohn leid, wenn er nach der Schule am Schreibtisch sitzt. Er selbst bekam bei den Hausübungen keine Unterstützung seiner Eltern. "Meine Mutter war schwer krank. Ich war Einzelkind, mein Vater war von sechs bis sechs in der Arbeit", erklärt er. Schinkels konzentrierte sich seit der Kindheit auf seine Karriere als Profifußballer. Für die Schule blieb da wenig Zeit. Mit 16 brach er sie deshalb auch ab, was er heute bereut.

Mit 16 nach Schweden

Frenk Schinkels - er selbst nennt sich "Frenkie" - spielte von 1992 bis 1993 sechsmal in der österreichischen Nationalmannschaft. Geboren wurde er in Rotterdam, Holland. Mit 16 ging er nach Schweden, um dort bei professionellen Fußballklubs zu spielen. Von 2004 bis 2006 war er Trainer von Austria Wien. Während der Fußball-Europameisterschaft im Juni analysierte er die Spiele für den ORF - noch während der EM wechselte er zum Privatsender Puls 4. Im Frühjahr dieses Jahres nahm er auch an der siebenten Staffel von "Dancing Stars" auf ORF eins teil.

"Für mich war das ein Ausweg"

Als er ein Kind war, sagten "99 von 100 Leuten" zu Schinkels, dass er das Zeug zum Fußballprofi habe. "Wenn du das immer hörst, wirst du immer mehr daran glauben", erklärt er. "Für mich war das damals ein Ausweg. Meine Mutter war schwer krank, und ich wollte einfach weg." Es habe sich dann eine "Eigendynamik" entwickelt. "Ich habe die Schule von Anfang an ein bisschen vernachlässigt." In Englisch, Französisch und Deutsch waren seine Noten gut. Nur das Fach, "wo man so Flüssigkeiten zusammenmischt, und es kriegt dann eine andere Farbe. Wie heißt das?" Chemie? "Ja, also das war nichts für mich."

Mit den ins Training investierten Stunden schwanden jene für das Lernen für die Schule. "Ich war unkonzentriert, faul, lässig." Alles, was er damals im Fußball geschafft habe, habe er in der Schule falsch gemacht, sagt Schinkels. Er ging in die Schule, ohne sich "großartig vorzubereiten". Irgendwann ging das nicht mehr. "Mein Vater hat das eingesehen, dass meine Schulleistungen immer schwächer werden, und auch die fußballerische Leistung wurde nicht besser. Deshalb haben wir beschlossen, dass ich den Weg über Schweden gehe."

Sozialer Klassenkamerad

Bevor er diesen Schritt wagte, besuchte er ein "HAVO" (hoger algemeen voortgezet onderwijs) in Rotterdam. Diese Schulform bietet eine fünfjährige allgemeine Sekundarbildung bis zum 17. Lebensjahr, die auf eine höhere Berufsausbildung vorbereiten soll. In der Klasse hatte Schinkels viele Freunde. Er mochte vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl. "Das macht mir auch im Fußball so Spaß." Er sei jemand, der gerne hilft. "Damals, in der Schule, wenn 25 Kinder zusammen sind, merkst du auch, wenn es einem schlechter als den anderen geht. Der eine hat vielleicht einen Vater, der aggressiv ist." Er habe allen geholfen und geschaut, dass "jeder einen Spaß gehabt hat". Er sei der "Schmähbruder" gewesen.

Für Ganztagsschule

Im heutigen Schulsystem in Österreich sieht Schinkels vor allem darin ein Problem, dass die Kinder am Nachmittag zu Hause arbeiten müssen. "Jetzt hat jeder neun Wochen Urlaub, und keiner weiß mehr, was er nach drei Wochen tun soll. Das ist schon ein Problem. Da wäre eine bessere Aufteilung möglich und auch besser", meint der Vater von fünf Kindern. Der Fußballer würde eine Ganztagsschule vorziehen, in der von 8 bis 12 Uhr am Vormittag und von 13 bis 15 Uhr am Nachmittag unterrichtet wird. "Dann hat jeder noch genug Freizeit und kann einem Hobby nachgehen und seinen Spaß haben", findet Schinkels.

Mehr Sportunterricht

Überhaupt bewegen sich die Jugendlichen "heutzutage" seiner Meinung nach zu wenig. "Ich bin froh, dass Sie mich das fragen, dass hätte ich jetzt fast vergessen", sagt er auf die Frage, ob er für mehr Turnunterricht an den Schulen ist. "Es gibt so viele Kinder, die so was von unsportlich sind. Die müssen sich mehr bewegen." Da sie das nicht mehr in der Freizeit tun, müsse man in der Schule ansetzen. "Ich glaube, damals, in meiner Zeit, hat man viel mehr auf der Straße miteinander gespielt. Das wird immer weniger. Ich merke das bei meinem Sohn. Wenn man ihn nicht immer wieder ruft, sitzt er den ganzen Tag vor Facebook oder spielt etwas auf seinem Computer. Das taugt mir nicht."

Nicht auf Jugend verzichten

Schinkels bereut es, dass er die Schule nicht abgeschlossen hat. Trotzdem glaubt er auch heute noch, dass er beides - Fußball und Schule - nicht geschafft hätte. "Ich hätte für beides nicht die ganze Kraft gehabt. Beim Trainieren darf man nicht unterschätzen: Das Training war sehr schwer, da hast du auch einen gesunden Druck. Wenn du gut sein willst in der Schule, musst du auch viel dafür tun." Für Schinkels und seine Frau sei es sehr wichtig, dass ihre Kinder eine gute Schulausbildung bekommen. Trotzdem will er seine Sprösslinge nicht überfordern. "Kind muss Kind bleiben." Es sei nicht gut, wenn Kinder auf ihre Jugend verzichten müssten. Frenkie Schinkels begann seine Fußballerkarriere im Alter von sieben Jahren. (Lisa Aigner, derStandard.at, 2.8.2012)

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