Juli der Wetter-Extreme

  • Der extremen Hitze folgten extreme Energieentladungen.
    foto: apa/aldis/hannes pichler

    Der extremen Hitze folgten extreme Energieentladungen.

An einem Tag wurden in Bad Deutsch-Altenburg 22.000 Blitze registriert

Wien - Es war ein Juli der Wetter-Extreme, der 2012 über Österreich regelrecht hereingebrochen ist. Temperaturrekorde purzelten, die Quecksilbersäulen kletterten auf über 38 Grad. Das Land wurde zuerst aufgeheizt, um anschließend von Unwettern abgekühlt zu werden. Leider forderten Gewitterstürme, Blitzschläge, Murenabgänge und Überflutungen auch zahlreiche Opfer. Die traurige Zwischenbilanz: vier Tote und Dutzende Verletzte.

Wie "verrückt" das Wetter im Juli gespielt hat, verdeutlicht die Tatsache, dass just an jenem Tag, an dem in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) mit 38,3 Grad die höchste Temperatur gemessen wurde, mehr als 22.000 Blitze registriert worden sind. Besonders schlimm erwischte es die Obersteiermark, wo Niederschläge in den Bezirken Liezen, Murtal und Murau zahlreiche Überflutungen und Vermurungen nach sich zogen und nicht nur enorme Schäden anrichteten, sondern auch zahlreiche Verletzte forderten.

Die dramatischsten Auswirkungen hatte das Unwetter am 28. Juli im niederösterreichischen Pöchlarn, das zwei Tote und zwölf Verletzte forderte. Äste eines mächtigen Ahornbaums waren auf Zelte gefallen. Bereits am 19. Juli war ein Mann in Traiskirchen (NÖ) auf einem Feld von einem Blitz erschlagen worden. Einen Tag später wurde in Thörl (Steiermark) ein Mann von einer Mure verschüttet. Er konnte tags darauf nur noch tot geborgen werden.

"Im Süden und Osten Österreichs hat es flächendeckend zwei- bis dreimal so viel geregnet wie im langjährigen Mittel. Die rund 200 Millimeter Regen in Eisenstadt kommen statistisch gesehen nur einmal in 100 Jahren vor", berichtete der Klimatologe Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. Auffallend waren auch die vielen Gewitter. In Deutschlandsberg (ST) etwa hat es am 11. Juli in nur zwei Stunden 68 Millimeter geregnet, was der Hälfte der normalen Monatsmenge entspricht. Am Präbichl (ST) summierte sich innerhalb des Monats eine Niederschlagsmenge von 461 Millimetern. "Solch hohe Werte sind für den Juli auch in dieser exponierten Lage außergewöhnlich", so Orlik.

Mehr Sonne im Süden

Bis zu 15 Prozent mehr Sonnenschein gab es im Süden und Südosten Österreichs, also ausgerechnet in jenen Regionen, wo es am meisten geregnet hat. Die Erklärung: Sonneneinstrahlung unterstützt die Bildung von Gewittern, da sie die Luft über dem Boden erwärmt und zum Aufsteigen zwingt, wodurch Wolken und in weiterer Folge Gewitter entstehen können.

Doch es war nicht nur heiß und gewittrig im Juli 2012. Ein Kaltlufteinbruch in der zweiten Monatshälfte sorgte vielerorts für ordentliche Abkühlung. In der Wiener Innenstadt, dem statistisch gesehen heißesten Ort des Landes, fiel die Temperatur am 22. Juli auf 13,6 Grad. In Obergurgl (T) auf rund 1.900 Meter Seehöhe fiel das Quecksilber sogar unter Null (minus 0,4).

Der Aufwand für die Helfer war jedenfalls enorm: Zehntausende Feuerwehrleute standen oft tagelang im Einsatz, um Keller auszupumpen, von Bäumen und Muren blockierte Straßen freizulegen und umgeknickte Strommasten wieder aufzustellen. Abseits von menschlichem Leid waren Schäden in Millionenhöhe zu beklagen. Bei der Generali rechnet man bis Sommerende mit Schadensmeldungen in der Höhe von 60 Millionen Euro. (APA, 31.7.2012)

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