Fünf Jahre unbedingt für Jungwirth

  • Im Laufe des Prozesses war Heinz Jungwirth recht fröhlich - am Dienstag änderte sich das. Den Schuldspruch nahm er geknickt zur Kenntnis, nachdem er sich zuvor als Sündenbock stilisiert hatte.
    foto: apa/neubauer

    Im Laufe des Prozesses war Heinz Jungwirth recht fröhlich - am Dienstag änderte sich das. Den Schuldspruch nahm er geknickt zur Kenntnis, nachdem er sich zuvor als Sündenbock stilisiert hatte.

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Ex-ÖOC-Generalsekretär wegen Untreue schuldig gesprochen. Richter kritisiert "widerwärtige Funktionärsmentalität"

Wien - Eine Olympiade und ein Jahr sind eine lange Zeit - wenn man sie im Gefängnis verbringen muss. Das droht nun dem ehemaligen Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), der am Dienstag in Wien von einem Schöffensenat unter Vorsitz von Georg Olschak nicht rechtskräftig verurteilt worden ist.

Die fünf Jahre unbedingte Haft hat Jungwirth wohl primär dem Gerichtssachverständigen zu verdanken, der wochenlang die Finanzgebarungen des ÖOC durchforstete. Am Dienstag zertrümmerte er dann bei der Präsentation der Expertise Jungwirths Verteidigungsstrategie.

Der hatte im gesamten Prozess zwar eingestanden, dass ständig Geld zwischen offiziellen Konten, Sparbuch und einem Geheimkonto hin und her geflossen sei, aber das Geld, das in diesem Strom sein privates wurde, habe er sich verdient gehabt. Es seien Boni und Honorare gewesen, die - teils nur mündlich - mit dem damaligen ÖOC-Präsidenten Leo Wallner vereinbart gewesen seien.

Der Sachverständige sah das etwas anders. Insgesamt 3,6 Millionen Euro hätten Verrechnungskonten und ein Sparbuch des ÖOC "verlassen" und wären teilweise unmittelbar "in die Privatsphäre Jungwirths geflossen". Allein vom Sparbuch habe Jungwirth 2,23 Millionen Euro bar behoben, wobei ein beachtlicher Teil davon - 874.000 Euro - praktisch zeitgleich auf Konten Jungwirths landete. "Und wenn man sich den Lebenswandel von Doktor Jungwirth ansieht, kann man sich vorstellen, wo die Beträge gelandet sind", meint Richter Olschak.

Zehn Pferde und eine Halle

Zehn Pferde, eine Reithalle im Ausmaß von 70 mal 20 Meter und einen üppig bezahlten Reitlehrer, den Jungwirth seinem Sohn finanzierte, und Autos sind eben teuer.

Der Richter geißelte in seiner Urteilsbegründung "die widerwärtige, altösterreichische Funktionärsmentalität". Jungwirth habe nach der Devise "Das ÖOC bin ich, mit dem Geld mach ich, was ich will" gehandelt. Dies gehöre "mit aller gebotenen Härte unterbunden". Bei einem Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren erschien dem Senat das verhängte Strafausmaß notwendig, "um Ihnen die Gelegenheit zu geben, ein Unrechtsbewusstsein zu entwickeln".

Jungwirth, der in den vorherigen Prozesstagen immer einen jovialen Eindruck machte, nahm das Urteil samt Begründung sichtlich geknickt zur Kenntnis. Dass das Verfahren für ihn keinen guten Ausgang nehmen würde, dürfte ihm aber schon zuvor bewusst gewesen sein. In seinem Schlusswort stellte der 61-jährige Jungwirth fest: "Wallner war für die Sonnenseiten des Lebens zuständig, ich für den Regen und Mist. Jetzt muss ich dafür büßen." Es sei "halt eine fatale Geschichte, wenn Beteiligte und Vorgesetzte die Erinnerung verlässt", sagte er.

Damit hatte er nicht ganz unrecht. Denn der Zeugenauftritt von Leo Wallner war, vorsichtig ausgedrückt, seltsam. Als Präsident hatte er demnach von praktisch nichts eine Ahnung und irgendwelche mündlichen Vereinbarungen mit Jungwirth will er schon gar nicht getroffen haben. Allerdings ging sogar das Gericht davon aus, dass der Generalsekretär für seine Tätigkeiten bei der umstrittenen und ebenfalls gerichtsanhängigen Salzburger Olympiabewerbung für 2014 mit einem Sonderhonorar von 212.000 Euro rechnen konnte.

Dass aber Jungwirth für das Gericht der Alleinschuldige ist, machte auch das zweite Urteil klar. Die Zweitangeklagte Manuela K., die seine Stellvertreterin war, wurde, ebenso nicht rechtskräftig, freigesprochen.

Das ÖOC bekam als Privatbeteiligter 1,5 Millionen Euro zugesprochen. Karl Stoss, nunmehriger Ober-Olympia-Funktionär, kündigte bereits an, dass das Geld zurück in den Sport fließen werde - so es überhaupt eingetrieben werden kann. (APA/moe, DER STANDARD, 1.8.2012)

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Woiner ?

Und was ist mit dem Woiner ? (deutsch: Wallner ) Wenn ein Generaldirektor nicht merkt, dass sein Sekretär 3,6 Mio Euro verschwinden lässt, gehört er auch angeklagt ! Und wenn er sich nicht mehr erinnern kann, ob der Konten eröffnet hat usw. gehört er auch weggesperrt. Jetzt hat man einen Sündenbock gefunden ! Sein Haus, seinen Reitstall hat er sich ja nicht in 14 Tagen gebaut und alle haben zugeschaut (weil sie auch mit Subventionen bedient worden sind.) Typisch, den Kleinen hängt man, den Großen lässt man laufen !

"die widerwärtige, altösterreichische Funktionärsmentalität": GRANDIOS auf den Punkt gebracht !!!!!

apropos Lukashenko in Österreich - trotz Einreiseverbot in die EU.

Das Österreichische Aussenministerim hat vor gut zwei Wochen für Frau Lidia Ermoschina aus Weißrussland ein Einreise-Visum nach Österreich ausgestellt. Die Dame hat ein Einreiseverbot in die EU - einstimmig beschlossen von allen Aussenministern der EU Staaten. Das österreichische Aussenministerium setzt sich jedoch wieder einmal darüber hinweg - und informiert nicht einmal das Innenministerium über den Aufenthalt dieser Dame in Österreich. Ganz offensichtlich gibt es Beamte in Österreich, die alle für blöd verkaufen, selbst die Polizei. Mit bei der Visum-Mauschel-Partie: Frau Klestil, Botschafterin in Moskau. Pfui gack, mir graust vor Beamten, die bei so etwas mitmachen - und denen der Ruf Österreich vollkommen egal ist.

??? Zuerst informieren, dann posten!

Nun wer ist den die Frau Lidia Michailowna Yermoshina?
Und warum war Sie in Oesterreich ? Shoppen auf der Kaertnerstrasse, Bergsteigen in den Alpen, oder was hat sie da gemacht
Ist Oesterreich nicht mehr verpflichtet, Offiziellen Vertretern die in Wien den UNO Sitz aufsuchen, oder an deren Konferenzen teilnehmen wollen, einreisen zu lassen.
Da koennte sogar der Kim aus NordKorea kommen.
Vertrag ist Vertrag. So schaut es schon ganz anders aus, Gell ja Joshik?

wie kommen Sie denn drauf, dass sie bei der UNO war?

Siue wissen ja immer alles, also wo war Sie u warum ?

fließt eigentlich Steuergeld in das ÖOC? Wieviele Millionen? Und prüft da niemand die Geschäftsgebarung des ÖOC?

Wir haben doch einen Sportminister, der angeblich fließend Tacheles beherrscht. In diesem Fall scheint ihm jedoch die Zunge ein wenig zu schwer. Geht ja eh nur um ein paar Millionen, nicht wahr, Herr Darabos?

Noch Fragen ?

Der 76-jährige Amstettner Wallner ist einer der wirkungsmächtigsten Delegierten im IOC. Er sitzt nämlich auch im obersten Kontrollorgan, in dem dreiköpfigen Audit Committee, das die finanziellen Gebarungen des IOC überwachen soll. Dort geht es um enorme Summen. Allein die Einnahmen aus den Londoner Spielen werden auf über drei Milliarden Euro geschätzt. Wallner sitzt an einem der bedeutendsten Schalthebeln des internationalen Sports.

Lächerlicher geht es wohl nicht !

strafe für jungwirth ist sicher gerecht, ABER

wenn jungwirth 5 jahre bekommt, was wäre dann für

grasser
strasser
meinl
part of the game scheuch

UND

die bawag-gauner gerechtfertigt?

Und wann kommt endlich..

der widerliche Dauerlächler Wallner dran?

*** in Arbeit ***

Cooler Typ, dieser Jungwirth: gutaussehend, sportlich aber doch dieses seriöse "Etwas", hart für sein schmales Gehalt arbeitend, ehrlich und verlässlich. Habe ich was vergessen ? Ich weiß nicht, was hier alle haben...

Nichts Neues noch Aufregendes. Die Handlungsweise hat rückblickend straf- und gerichtsrelevante Tatbestände geschaffen für die es nun heißt Verantwortung zu tragen.

In den letzten Jahrzehnten haben immer wieder verantwortungs- und rücksichtslose „Verantwortliche“ aus allen Bereichen in unzähligen Funktionen vom einfachen Mann bis zum Minister schlicht und einfach gedacht es steht in ihrer Kompetenz und im Größenwahn alle möglichen Rechtsfertigungsgründe dafür gefunden.

Nahezu alle Täter sind später erstaunt und weisen hier alle Schuld von sich. Sie finde in ihrem Größenwahn ihre Handlungsweisen als Selbstverständlichkeit. Endlos die Liste seit Krauland.

Hunderte Täter in dieser Zeit die immer wieder in dasselbe Muster einzuordnen sind. Vom einfachen Einschleichdieb bis zum Massenmörder. Vom einfachen Schnellfahren bis zum Unfall mit Todesfolgen. Menschliche Tragik? oder grundlegender Wesenszug?

... und was ist mit den gehilfen im club der nehmer?

...

ohne einem günstigen umfeld/lebensraum sind diese spitzenleistungen im sportkassierertum gar nicht möglich!?!

aber wann werden die helfer, blinden und angeblichen nichtswisser zur verantwortung gezogen?

.

Wann tritt er seine Strafe wie ein Mann an?

PS: Wie hat er sich überhaupt gerechtfertigt?

das verfahren gegen leo wallner lässt noch auf sich warten

aber gut, der hat ja nicht umsonst einige jahre in der övp gearbeitet.

Jetzt bitte den schmierigen Wallner ins Visier nehmen.

Sonst lacht sich der ja einen Ast ab, wenn er sieht, wie der Blade die Krot alleine frisst!

Der Prototyp

eines feisten, geldgierigen österr. Funktionärs.
Und Vorgesetzte sind sowieso in allen Bereichen nicht mehr erinnerlich und haben keine Ahnung, was ihre Mitarbeiter aufführen, einfach unglaublich....

Es steht einem Richter nicht zu, die Menatlität des Angeklagten

als "widerwärtig" zu bezeichnen.

das tut der richter auch nicht. er kritisiert die "widerwertige österreichische funktionärsmentalität" und nicht den angeklagten direkt.

Doch, das tut es! Definitiv!

Und in der Urteilsbegründung hat das feiste $chw€in sogar ein Recht darauf, zu erfahren, wie das Strafausmaß zustande kommt.

Geld eintreiben

Herr Jungwirth hat eine nettes kleines Häuschen (mit einem Carport für 8 PKW) und der beschriebenen Reithalle in Mittergrabern/Hollabrunn. Da gehen sich sicher mehr aus als die 1,5 Mio. Ausser er hat das zufällig knapp vorher seinem Sohn oder Frau geschenkt.
Wir gehen da in London ohne Metall unter weil die Sportler keine Unterstützung haben und da kann sich keiner Erinnern wer das Geld bekommen hat.
Frechheit sowas...das ist echt zum sp***en

mich würd ja interessieren

wieviel der jungwirth zwischen 1982 und 2009 beim öoc verdient hat ??? viel dürfte es ja nicht gewesen sein, wenn jemand 3,3 mio veruntreute.....lol

fünf jahre für drei mio (oder mehr)

wer verdient das schon mit ehrlicher arbeit?

sehr interessanter artikel in der "zeit" über leo wallners umtriebe...

http://www.zeit.de/2012/31/A... eo-Wallner

das ist mal wieder typisch für österreich, der ders verursacht hat und der chef war kommt ungeschoren davon.
ausbaden müssen die die auf befehl des chefs gehandelt haben...

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