Wien erfüllt erstmals EU-Ziel bei Krippenplätzen

31. Juli 2012, 10:53
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Versorgungsgrad bei Null- bis Dreijährigen in Bundeshauptstadt leicht über geforderten 33 Prozent

Wien - Die Reise nach Barcelona hat zwei Jahre länger gedauert als geplant, aber immerhin: Wien ist nun politisch dort angekommen. Und zwar, was die Betreuung der Jüngsten betrifft. In den sogenannten Barcelona-Zielen der EU sind Vorgaben für das Angebot an Kindergärten und -krippen für unter Dreijährige (siehe Wissen) festgelegt, die Wien nun als erstes österreichisches Bundesland überschreitet.

Laut der Wiener Kinderbetreuungsstatistik, die am Dienstag veröffentlicht wurde, gibt es in Wien für 33,9 Prozent aller unter Dreijährigen Betreuungsplätze; und rechnet man die Kinder zwischen der Geburt und dem ersten Geburtstag weg, für die die Nachfrage laut Stadt relativ gering ist, dann sei man sogar bei 50,9 Prozent, sagte Stadtrat Christian Oxonitsch (SP). Für die Drei- bis Sechsjährigen gebe es sogar knapp eine Überversorgung, sprich mehr Plätze als Kinder (100,9 Prozent). Dies bedeute allerdings nicht, "dass der Platz im Wunschkindergarten frei sein muss", schränkt Oxonitsch ein.

Für die anderen Bundesländer gibt es zwar noch keine aktuelle Auswertung nach den Barcelona-Kriterien, sieht man sich aber die Kinderbetreuungsquoten der Statistik Austria an, dann lässt sich daraus zumindest ablesen, dass die Länder gegenüber Wien deutlich im Rückstand sind. So waren 2011 in der Bundeshauptstadt etwa 33 Prozent der Null- bis Zweijährigen in Krippen oder Kindergärten, im Österreich-Schnitt waren es 19,7 Prozent. Mit 29 Prozent kommt das Burgenland Wien noch am nächsten, Schlusslicht ist die Steiermark mit zehn Prozent. Der Anstieg ist aber radikal: Im Jahr 2000 wurden österreichweit nur 7,7 Prozent der unter Dreijährigen betreut.

Im Rückstand

Die Bundesregierung hat sich die Erreichung der Barcelona-Ziele mehrfach vorgenommen, international betrachtet hinkt Österreich aber hinterher. In dem aktuellsten verfügbaren Bericht der EU-Kommission aus dem Jahr 2008 ist festgehalten, dass damals Dänemark, die Niederlande, Schweden, Belgien und Spanien das Barcelona-Ziel für die Null- bis Dreijährigen bereits erfüllt haben, in Portugal, Großbritannien, Frankreich, Luxemburg und Slowenien war dies zumindest annähernd der Fall.

Dabei berücksichtigt war freilich nicht die Zahl der Vollzeitplätze - so hält die Kommission fest, dass der Anteil der Halbtageseinrichtungen (Betreuung bis maximal 30 Stunden pro Woche) in einigen Ländern sehr hoch ist. Auch diesbezüglich ist Wien übrigens österreichweiter Vorreiter: 85,4 Prozent der Betreuungseinrichtungen in der Bundeshauptstadt sind mit einem Fulltime-Job vereinbar. Salzburg liegt mit 27,6 Prozent als zweitbestes Bundesland deutlich dahinter, das Schlusslicht ist auch in dieser Hinsicht die Steiermark mit 5,6 Prozent. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 1.8.2012)

Wissen: EU-Ziele für die Jüngsten 

2002 legte der Europäische Rat bei einem Treffen in Barcelona Forderungen an die Mitgliedsstaaten fest, diese "sollten Hemmnisse beseitigen, die Frauen an einer Beteiligung am Erwerbsleben abhalten". Dabei wurde beschlossen, dass die EU-Länder bis 2010 für mindestens 90 Prozent der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und für mindestens 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung stellen sollen. Zudem sollen die Kosten für die Betreuung deutlich reduziert werden.

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    Etwa jedes dritte Kind wird vor dem dritten Geburtstag in Wien in einem Kindergarten oder einer Krippe betreut. Im statistischen Schlusslicht Steiermark ist es nur jedes zehnte Kind.

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