Seedio: Wiener App vernetzt bis zu 150 iPhones zum kollektiven Musikgenuss

Sechsköpfiges Team bastelte acht Monate lang an der perfekten Synchronität

Vorbei sind die Tage, in denen man einen Ghettoblaster lässig auf seinen Schultern durch die Gegend trug und die Straßen zur Disco werden ließ. Auch Gitarren spielende Frohnaturen, die für wohltuende Klänge sorgen, sieht man immer seltener in unserer superschnellen, superstressigen Zeit. Und dennoch: Das Bedürfnis nach gemeinsamer Beschallung, Musik, Hits, Freude, Emotionen miteinander zu teilen, ist heute nicht schwächer ausgeprägt als anno dazumal.

Im Park beim Picknick auf der Wiese oder im Schulhof mit den Freunden wird heute nur nicht mehr der Leierkasten, sondern das allzeit präsente Handy zur musikalischen Begleitung genutzt. Mit einem erheblichen Nachteil für die unschuldigen Ohren der i-Generation: So praktisch die multimedialen Fähigkeiten eines Smartphones auch sind, so bescheiden ist ihr Klang. Es fehlt ganz einfach an Nachdruck und Membran-Querschnitt.

Zusammen lauter

Genau über dieses Problem hat sich gegen Ende des vergangenen Jahres ein Wiener Kollektiv der Firmen Supertrumpf und ask! Gedanken gemacht. Das sechsköpfige Team hatte es sich zum Ziel gemacht, Smartphones zum gemeinschaftlichen Musikgenuss miteinander zu vernetzen. Gut acht Monate später kam "Seedio" dabei heraus. Der Name setzt sich aus den Wörtern "seed" (säen) und "radio" zusammen.

Die App für iPhone, iPod touch und iPad ermöglicht es einerseits die Lautstärke der einzelnen Geräte zu bündeln und andererseits Songs und Sets gemeinsam miteinander erleben zu können, selbst wenn jeder Kopfhörer im Ohr stecken hat.

Perfekte Synchronität

Das Prinzip ist einfach: Ein Anwender (der Seeder) spielt die Musik von der eigenen Music Library oder von Youtube ab und erlaubt es anderen (den Receivern) diese Musik per WLAN auf ihren Geräten zu empfangen. Und das komplett ohne Verzögerung, sodass jedes iPhone oder iPad zur selben Zeit exakt den gleichen Ton wiedergibt. In einem offenen WLAN lassen sich auf diese Weise zumindest theoretisch bis zu 150 Geräte miteinander koppeln. Kooperation fürs Disco-Feeling sozusagen. Gefällt dem Receiver der gespielte Song, kann er ihn per Tastendruck bei iTunes erwerben.

Dient ein iPhone oder iPad als WLAN-Station via Tethering, werden immerhin noch vier Teilnehmer unterstützt. Tatsächlich würde das iPhone beim Tethering sogar fünf Geräte zulassen, die österreichischen Provider schränken die Funktion allerdings ein.

Hürde genommen

"Die größte Herausforderung war es, die Synchronität zwischen den Geräten herzustellen, ohne dass es zwischendurch einmal abreißt.", erklärt Designer Jakob Schmidt gegenüber dem WebStandard. Ähnliche Angebote finde man seit längerem im App Store, doch bisher schien noch niemand den richtigen Algorithmus für die entscheidende Synchronität gefunden zu haben.

Wer Seedio selbst ausprobieren möchte, kann dies in der Anfangsphase kostenlos tun. Danach wird es zwei Versionen geben. Eine Gratis-Version die nur empfangen kann und eine kostenpflichtige Version für 2,39 Euro, die die Musik auch verteilen kann. Voraussetzung ist iOS 4.2 oder neuer. (zw, derStandard.at, 2.8.2012)

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Links

Seedio (App Store)

Seedio (Webseite)

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24 Postings
Revolutionäres Prinzip

"...und erlaubt es anderen (den Receivern) diese Musik per WLAN auf ihren Geräten zu empfangen. Und das komplett ohne Verzögerung,..."

Weiß man über das Prnzip genaueres? Hat sicher was mit Quanten zu tun... Trotzdem, eine Technik, die Informationen "komplett ohne Verzögerung" übertragen kann, sollte schon für etwas Sinnvolleres als eine ordinäre Musik-App verwendet werden.

Das Audiosignal wird auf allen Geräten gepuffert und dann überall mit derselben Zeitreferenz abgespielt.

Alles klar?

Dass hier Pufferung verwendet wird steht aber nicht im Artikel. Da haben Sie wohl etwas falsch verstanden.

Der Artikel bzw. der Werbetext ist für technisch unversierte Leser geschrieben. Für so jemanden erklingt dann das Signal auch tatsächlich aus allen Geräten "ohne Verzögerung".

Und wer ein bissl Ahnung von der Materie hat, weiß, wie so etwas in etwa technisch umgesetzt wird.

Jetzt alles klar? :-)

könnte man das gestreamte nicht irgendwie speichern und damit kostenlos seine eigene musiksammlung erweitern? ;)

Das sechsköpfige Team hatte es sich zum Ziel gemacht, Smartphones zum gemeinschaftlichen Musikgenuss miteinander zu vernetzen.

Wörterseetreff 2.0 ??

Ich denke die Begriffe: "iPhone" und "Musikgenuss" sind Antonyme.

Warum, was ist am Musikhören auf dem iPhone denn neuerdings so schlimm?

Tolles Prinzip!

Jetzt noch ein echt geiles Interface dazumachen und es wär n Renner!

keine Android app :( ?

Allein wenn ich schon "Synchronisation" lese, scheidet für mich eine Android-App aus. Sorry.

Das scheitert vermutlich schonmal daran, dass es mit dem im Vergleich zu iOS ziemlich eingeschränkten Android-Audiostack gar nicht möglich ist, millisekundengenaue Kontrolle über Audio-Latenzen zu haben.

Es ist leider nicht so leicht, vor allem so komplexe Apps für Android zu entwickeln: http://arstechnica.com/gadgets/2... 7-devices/

Wird aber auch noch nachkommen, wenn die iPhone Version mal testet+stable ist.

wie so oft...

androidkunden wollen eh alles nur gratis ...

Heult doch

;-)

"Tatsächlich würde das iPhone beim Tethering sogar fünf Geräte zulassen, die österreichischen Provider schränken die Funktion allerdings ein."

Wie können die Provider das technisch einschränken?

5 Geräte

Was ich weiß kann das iPhone 5 Geräte supporten

3x Wlan
1x Bluetooth
1x Kabel

Ist aber eher ein Hardwarelimit

Nr of Devices

Laut Apples Knowledgebase sinds 5
http://support.apple.com/kb/HT4517

Kann aber nimmer sagen woher ich das 3+1+1 hab.
Irgendwo gelesen

Bitteschön könnte jemnd dieses Produkt aufkaufen und die Firma verschwinden lassen?

Die Machbarkeit wurde geklärt, sehr hübsch, und in der Praxis erzeugt die Lösung noch mehr Lärm-müll in Bim und Bus.

auch wenn die idee toll ist, befürchte ich, dass diese app weder in bus und bahn noch ausserhalb davon für lärmbelastung sorgen wird.

Juhu - Freu mich schon auf die verbesserten Bushido Konzerte in diversen Öffentlichen Verkehrsmitteln.

Was habens denn gegen den Bullshito?

Leider nix das legal und effektiv genug wäre würd ich sagen...

Einfach mit 149 iPhone-besitzenden Leuten in die Bim zu den Bushido-Leuten einsteigen und volle Lautstärke Zwölftonmusik aufdrehen für eine Minute. ;-)

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