Bossi über Berlusconi: "Silvio ist politisch am Ende"

Chef der Lega Nord glaubt nicht an Comeback des ehemaligen Premiers

Rom - Der Gründer und Ehrenpräsident der italienischen Oppositionspartei Lega Nord, Umberto Bossi, glaubt nicht an ein Comeback seines Ex-Verbündeten Silvio Berlusconi. "Silvio ist politisch am Ende. Ich habe nicht begriffen, warum er so viele Monate vor den Wahlen sein Comeback angekündigt hat. Das scheint mir strategisch nicht sehr sinnvoll zu sein. Jedenfalls wird er keine Stimmen mehr erobern, sollte er in die politische Arena zurückkehren", kommentierte Bossi nach Angaben italienischer Medien. Eine Wiederbelebung der Allianz mit Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" (PdL) schloss Bossi vorerst aus. "So lange der PdL die Regierung Monti unterstützt, ist kein Dialog möglich", betonte Bossi.

Nach dem Skandal um die Veruntreuung von Parteigeldern, die ihn zum Verzicht auf den Chefposten in seiner Partei gezwungen hatte, will Bossi als Ehrenpräsident in seiner Gruppierung immer noch eine politische Rolle spielen. Er bestritt Spannungen mit dem neuen Parteichef Roberto Maroni. "Wir haben Frieden geschlossen. Was denken sich die Wähler, wenn man uns streiten sieht? Wir müssen Zusammenhalt bewahren", meinte der 70-Jährige.

Bossi: Monti zerstört Italien

Die Lega habe wegen des Skandals zwar stark an Stimmen verloren, alle Parteien seien in der jetzigen Phase jedoch arg unter Druck. "Die Leute haben die Politik satt und Premier Monti hat die Lage nur noch verschlechtert. Er zerstört Italien. Wenn Präsident Giorgio Napolitano eine verantwortungsbewusste Person wäre, würde er Monti verjagen", erklärte Bossi.

Der 57-jährige Maroni, Innenminister in der Regierung des im vergangenen November zurückgetretenen Berlusconi, hatte bei seiner Wahl zum neuen Lega-Vorsitzenden einen Neubeginn der Partei nach dem Skandal um die Veruntreuung von Parteigeldern versprochen. In seiner neuen Rolle als Lega-Chef will Maroni heftigen Widerstand gegen das Fachleutekabinett um Monti leisten. Die föderalistische Gruppierung führt seit dem Bruch ihrer Allianz mit Ex-Premier Berlusconi im November eine scharfe Opposition zur Expertenregierung. (APA, 31.7.2012)

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