Nigeria: Selbstmordanschlag und Schießerei vor Villa des Vizepräsidenten

31. Juli 2012, 05:57
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Vizepräsident Sambo nicht auf Grundstück - Erster Anschlag auf Spitzenpolitiker seit Ausbruch der Unruhen

Sokoto/Kaduna - In Nigeria ist es am Montag erneut zu Anschlägen gekommen, bei denen mehrere Menschen ums Leben gekommen sind. Im nördlichen Bundesstaat Sokoto zündete ein Selbstmordattentäter nahe einer Polizeistation eine Bombe und riss einen Beamten mit in den Tod. Es war das erste Attentat im Sultanat Sokoto seit Beginn der Unruhen im Norden im Jahr 2009.

In der Stadt Kaduna im gleichnamigen, zentral gelegenen Bundesstaat griffen drei Männer die Familienresidenz des Vizepräsidenten Namadi Sambo an und lieferten sich einen heftigen Schusswechsel mit Polizeibeamten. Dabei starben ein Unbeteiligter sowie ein Polizist, wie mehrere lokale Medien in der Nacht auf Dienstag berichteten.

Schusswechsel mit Angreifern

Auch bei der Attacke auf Sambos Haus handelt es sich um eine traurige Premiere - zum ersten Mal war ein Spitzenpolitiker von den Unruhen betroffen, so "The Guardian Nigeria". Sambo, seit gut einem Jahr als Vizepräsident im Amt, befand sich zum Zeitpunkt der Schießerei nicht auf dem Grundstück - das Haus wird derzeit renoviert. Die Polizei aber bewachte das Gebäude, wie ein Sprecher bestätigte.

Bei einem Schusswechsel mit den Angreifern wurde ein unbeteiligter Mann getroffen und starb noch an Ort und Stelle. Zwei Polizisten wurden verletzt, einer von ihnen erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Explosion in Sokoto

In Sokoto kam es zu einer Explosion in der Nähe des Polizeibüros, ein Polizist sowie der Attentäter selbst, kamen dabei ums Leben. Acht weitere Personen wurden verletzt und umliegende Gebäude zerstört.

In dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas kommt es immer wieder zu Anschlägen, hinter denen meist die radikal-islamische Sekte Boko Haram ("Westliche Erziehung ist Sünde") vermutet wird. Zu den Anschlägen vom Montag hat sich bisher niemand bekannt. Boko Haram hat die Errichtung eines islamischen Staates mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) zum Ziel. Sowohl in Sokoto als auch in Kaduna ist diese seit der Jahrtausendwende bereits gültig - die Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch.

Anschläge fanden eher im Nordosten und im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau statt, sie galten oft christlichen oder internationalen Einrichtungen. Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger hatte Anfang Juni dem Sultan von Sokoto, dem nominellen Oberhaupt des gleichnamigen Bundesstaates, einen Besuch abgestattet. Alhaji Muhammad Sa'ad Abubakar gilt als liberaler Muslim. (APA, 31.7.2012)

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