Ban warnt vor religiösem Bürgerkrieg in Syrien

31. Juli 2012, 08:30
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Zwei Millionen Syrer von Gewalt betroffen - UN-Chef sieht Gefährdung der Nachbarländer - Obama beriet mit Erdogan über politischen Übergang

New York/Damaskus - Angesichts des Blutvergießens und hunderttausender Flüchtlinge in Syrien hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erneut eine sofortige Einstellung der Kämpfe gefordert und vor einem religiös motiviertem Bürgerkrieg gewarnt. Mittlerweile sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens zwei Millionen Syrer von der Gewalt betroffen. In den erbitterten Kämpfen um Aleppo sehen die USA eine "ernsthafte Eskalation". Die Lage in der nordsyrischen Wirtschaftsmetropole ist weiter unübersichtlich. Sowohl das Regime von Präsident Bashar al-Assad als auch die Rebellen meldeten militärische Erfolge.

"Weitere Kämpfe sind nicht die Antwort", meinte Ban am Montag vor Journalisten in New York. "Eine weitere Militarisierung dieses Konflikts wird nur die Zerstörungen endlos fortführen und das Leid verlängern. Ein religiös motivierter Bürgerkrieg würde außerdem auch die Nachbarn Syriens ernsthaft gefährden", warnte er. "Jeden Tag, an dem sich die Spirale der Gewalt dreht, werden mehr Syrer getötet, verletzt, gefoltert oder gezwungen, aus ihrem Zuhause oder ihrem Land zu fliehen", sagte der UNO-Chef.

Armee weitet Offensive in Aleppo aus

Die syrische Armee weitet ihre Offensive gegen die Rebellen in der seit Tagen umkämpften Millionenmetropole Aleppo aus. Erstmals seit Tagen waren am Dienstag nach Angaben eines Reuters-Reporters über dem Osten der Stadt wieder Hubschrauber und heftiges Maschinengewehrfeuer zu hören. Die Aufständischen kontrollieren große Teile des Ostens des wirtschaftlichen Zentrums Syriens. Dort befinden sich auch Krankenhäuser und Kliniken, in die nach Angaben von Ärzten täglich Dutzende Verletzte eingeliefert werden. Zuletzt hatten sich die Kämpfe auf den südwestlichen Stadtbezirk Salaheddine konzentriert. Die syrische Armee erklärte am Montag, sie habe diesen zurückerobert, doch Rebellen wiesen dies zurück.

Konfessionelle Komponente

Der Konflikt weist auch eine konfessionelle Komponente auf. So gehören der Assad-Clan und die Spitzen des Regimes der schiitischen Sekte der Alawiten an, während die meisten Aufständischen Sunniten sind. Aus der Minderheit der Christen gibt es nur wenig Unterstützung für die Opposition.

Die US-Regierung sieht in den Kämpfe um Aleppo eine weitere Eskalation des Konflikts. Angesichts des Einsatzes von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Panzern gegen Zivilisten könne das Assad-Regime nicht länger behaupten, lediglich gegen vereinzelte Aufständische zu kämpfen, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland.

US-Präsident Barack Obama erörterte die Situation mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Das Telefongespräch habe sich um die Frage gedreht, wie der politische Übergang in dem Land beschleunigt werden könne, teilte das Weiße Haus mit. Sie vereinbarten ferner, humanitäre Hilfen für syrische Flüchtlinge zu koordinieren.

Beratung über Übergangsregierung

Am Dienstag will der oppositionelle Syrische Nationalrat in Kairo über die Bildung einer Übergangsregierung im Exil beraten. "Es werden Vertreter aller Oppositionsgruppen anwesend sein. In der vergangenen Woche haben wir mit Generälen der Freien Syrischen Armee in einem türkischen Camp an der Grenze gesprochen", sagte Nationalratsmitglied Halit Hoca.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle rief die syrische Opposition zu einem klaren Bekenntnis zur Demokratie auf. "Bei ihrem Treffen in Kairo sollten die verschiedenen Strömungen der Opposition unzweideutig sagen, dass ihr gemeinsamer Nenner der Kampf für ein demokratisches und pluralistisches Syrien ist, in dem auch Minderheiten wie die Christen ihren Platz haben", sagte Westerwelle der "Rheinischen Post".

Angriff auf Aleppo

Syrische Regierungstruppen griffen am Montag den dritten Tag in Folge Stellungen der Aufständischen in Aleppo an. Die Stadtbezirke Salaheddin und Al-Sukkari wurden bombardiert, in Salaheddin, Al-Issa und Athamija tobten darüber hinaus heftige Kämpfe am Boden, wie die syrischen Menschenrechtsbeobachter in London mitteilten.

Die Rebellen eroberten nach eigenen Angaben einen Kontrollpunkt nördlich der Stadt und eröffneten sich damit erstmals eine direkte Straßenverbindung zum Nachbarn Türkei. Über die 50 Kilometer lange Strecke könnten nun Kämpfer und Nachschub transportiert werden, sagte der örtliche Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi.

Auf dem Weg zu seinem ersten Besuch in die umkämpften Städte Homs und Al-Ratsan geriet auch der Leiter der UNO-Beobachtermission (UNSMIS), Babacar Gaye, ins Fadenkreuz. Sein Konvoi wurde angegriffen. UNO-Mitarbeiter seien aber nicht verletzt worden, teilte Ban Ki-moon in New York mit. (APA, 31.7.2012)

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