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vergrößern 500x333Die Bregenzer Post: früher kaiserliches Prunkstück, heute Teil der Kulturmeile mit Kunsthaus, Theater und Museum.
Ein Grundstück am See gibt man nicht so einfach her. Das war schon vor 100 Jahren so, als das Handelsministerium für das neue Post- und Telegrafengebäude von der Stadt Bregenz einen Bauplatz beanspruchte. Man möge das Gebäude in architektonisch schöner, in einer der Stadt und dem Platze zur Zierde gereichenden Weise herstellen, formulierte die Bregenzer Stadtvertretung anno 1890 ihre Bedingungen.
So entstand an der Seestraße, direkt am Hafen und der Bahnlinie gelegen, ein "für die Kleinstadt Bregenz und ganz Vorarlberg einmalig monumentales Amtsgebäude" schreibt der Geologe Kurt A. Czurda in der Fachzeitschrift Montfort. Architekt Friedrich Setz, der 26 kaiserlich-königliche Postgebäude errichtete, baute den Bregenzern einen kleinen Palast im Stil der Neorenaissance als Zeichen kaiserlicher Präsenz am fernen Bodensee.
Mietflächen im Postgebäude
Weil man sich Ende des 19. Jahrhunderts von der neuen Technik der Telefonie wirtschaftlichen Fortschritt erwartete, wurde großzügig gebaut. Neben Post, "Staatstelefon", "Sparcasse" und Wohnungen für die Postbeamten wurden auch Mietflächen eingeplant. Wirklich genutzt werden diese Mietflächen, aktuell 1800 Quadratmeter, erst im 21. Jahrhundert - neuerdings immer mehr im Sinne der architekturbewussten Erbauer. Hofseitig (seeseitig betritt man Post und Bawag) zogen Unternehmen der Kreativbranche und Kulturveranstalter ein.
Seit Juni des Jahres bespielt das benachbarte Kunsthaus Bregenz 200 Quadratmeter im ersten Stock mit einem Schaulager von Architekturmodellen. Die Ausstellung ist ganz dem Schweizer Architekten Peter Zumthor gewidmet.
Hang zur Architektur
Den wohl schönsten Raum, im dritten und obersten Geschoß, haben sich die Architekten Elmar Ludescher und Philip Lutz für ihre Bürogemeinschaft geschaffen. Aus kleinteiligen Zimmern entstand mit viel Liebe zu handwerklichen Details ein großzügiger Arbeitssaal mit Seeblick, der selbst in Bregenz, wo kein Mangel an schöner Aussicht herrscht, seinesgleichen sucht.
Ungewöhnlich auch der Blick aus dem Atelier auf die historische Fassade. Die vier Gusssteinfiguren, Allegorien für die Verkehrswege der Post (Land, See, Schiene, Luft) sind zum Greifen nahe. Die das Gebäude seit den 1990er-Jahren dominierenden Mobilfunkmasten sind unsichtbar. Ludescher und Lutz zählen zur Avantgarde der deutschsprachigen Architekturszene. Elmar Ludescher wurde 2012 zu einem der "best architects" beim gleichnamigen Award gekürt, Philip Lutz gehört zu den "best architects 2013".
Schwerpunkt Kreativbereich
Moderne Architektur in historischen Amtsmauern ist für Ludescher kein Widerspruch: "Das Haus hat eine Robustheit im Konzept, ist mehr oder weniger nutzungsneutral. Das mögen wir." Bautechnisch sei das Postgebäude einfach und klar gemacht, die Ornamentik sieht Ludescher als "Zeiterscheinung, die nicht substanziell ist". Wichtiger ist ihm die solide Ausführung. "Solid und gewissenhaft", das entspreche ganz seiner Arbeitsweise.
Besitzer und Verwalter des Gebäudes ist die Post AG mit ihrer Immobiliengesellschaft. Leitlinien für den Mietermix gibt es nicht. Der Schwerpunkt Kreativbereich entstand zufällig. (Jutta Berger, DER STANDARD, 28./29.7.2012)
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