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Pflegerin Sherima Cramer aus Sri Lanka.
Ständig sieht man auf Israels Straßen scheinbare Familienkonstellationen, die auf den ersten Blick verwirren: sehr alte Menschen, begleitet von Frauen und Männern aus Ländern wie den Philippinen, Nepal und Sri Lanka. Dabei handelt es sich nicht etwa um die alltägliche Erscheinung einer multikulturellen Gesellschaft, sondern um Zweckfamilien aus Gastarbeiterinnen und israelischen Pflegefällen. Rund 55.000 ausländische Pflegekräfte arbeiten in Israel. Meist sind sie 24 Stunden pro Tag bei ihren Patienten untergebracht, die zugleich ihre Arbeit- und Geldgeber sind.
Eine problematische Gesetzeslage und finanzieller Druck zwingen die Pflegerinnen oft in die extreme Abhängigkeit. NGOs sprechen sogar von "moderner Sklaverei".
Eine dieser Frauen ist Sherima Cramer aus Sri Lanka. Vor fünf Jahren hat sie ihr ganzes Hab und Gut zusammengekratzt, ihren Schmuck bei der Bank hinterlegt und einer Agentur in Sri Lanka 7.000 US-Dollar bezahlt, damit diese ihre legale Einwanderung nach Israel als Pflegekraft organisiert.
"Ich habe mich dafür entschieden, weil ich meinen Kindern eine gute Bildung ermöglichen will", sagt die alleinerziehende Mutter in einem Vorort von Tel Aviv, wo sie seit einiger Zeit arbeitet. Ihr neuer Arbeitgeber sei verhältnismäßig nett, sagt sie.
Trotzdem habe sie auch Angst davor unter Druck gesetzt zu werden. Denn wie viele andere Kolleginnen weiß sie, dass ihre Aufenthaltsgenehmigung von der Zufriedenheit ihres Patienten und Arbeitgebers abhängt. "Die Leute hier glauben, wir machen alles für Geld. Aber was wir wirklich brauchen, ist mehr Freiheit", sagt sie. Und damit spricht sie wohl auch für viele andere Pflegekräfte, die aus Angst, ihren Job zu verlieren, nahezu alles akzeptieren.
"Wenn dich dein Arbeitgeber in den ersten zwei Jahren schlägt, wirst du dich nicht beschweren, weil du alles tun musst, um diesen ersten Job zu behalten und die Schulden bei der Agentur zu begleichen", sagt Idit Lebovich von der israelischen Arbeitsrechtsorganisation Kav La-Oved. "Die Agenturen sind das größte Problem."
Sherima Cramer hat zwei Jahre gebraucht, bis sie endlich ihre Schulden bei der Agentur in Sri Lanka begleichen konnte. Obwohl sie wie alle anderen ausländischen Pflegekräfte einen Arbeitsvertrag hat, der auf eine Arbeitsleistung von 40 Stunden pro Woche ausgerichtet ist, müsste sie eigentlich für 24 Stunden pro Tag bezahlt werden, meint Sherima. "Ich arbeite den ganzen Tag. Eigentlich bin ich nur für einen Patienten angestellt. Doch seine Frau nimmt mich genauso in Anspruch. Oft will sie spät am Abend noch geduscht werden. Ist das keine Arbeit?", meint sie. Dennoch sei sie zufrieden. Anderen gehe es viel schlechter. "Immerhin darf ich am Wochenende außer Haus."
Sherima wird entsprechend dem Mindestlohn mit rund 4,5 Euro pro Stunde bezahlt. Und das pauschal für acht Stunden am Tag, egal wie lange sie arbeitet. Vom Monatslohn werden noch Verpflegungskosten und Unterhaltsgeld abgezogen. Die Maximalabzüge sind per Gesetz festgelegt. Und so wohnt Sherima eigentlich billiger als andere. Doch die Abhängigkeit, die damit einhergeht, wird für Pflegekräfte leicht zum Problem.
"Sklavengesetz"
Das israelische Innenministerium vergibt nur für jene Pflegekräfte Arbeitsvisa, die einen neuen Job innerhalb eines Gesamtaufenthalts von vier Jahren und drei Monaten annehmen. Behält die Pflegekraft einen Arbeitgeber, der sie schon vor Ablaufen der Frist angestellt hat, darf sie theoretisch auch beliebig lange darüber hinaus bleiben. Doch sobald sie den Job verliert, ist auch die Aufenthaltserlaubnis weg. Deshalb sind die Migrantinnen außerhalb dieser Frist besonders anfällig für Ausbeutung. Sherima Cramer hat diese Grenze auch schon überschritten. Trotzdem will sie zumindest noch zwei Jahre in Israel bleiben. Nur so könne sie die Schule für ihre Kinder in Sri Lanka bezahlen, die in der Zwischenzeit bei Verwandten leben.
"Ich habe Glück. Andere weniger", sagt sie. Beispielsweise kenne sie eine Frau aus ihrer Kirchengemeinschaft, deren Arbeitgeber den Lohn auf 450 Euro im Monat gekürzt hat, nachdem sie die gesetzliche Frist, innerhalb der ein Jobwechsel erlaubt ist, überschritten hatte. "Sie arbeitet rund um die Uhr und darf fast nie das Haus verlassen. Doch um bleiben zu dürfen, muss sie das akzeptieren", meint Sherima.
Nun droht ein neues Gesetz die Lage noch problematischer zu machen. Manche nennen es sogar "Sklavengesetz" . Es ist schon im Mai 2011 im Parlament abgesegnet worden und könnte bald Realität werden.
Der Gesetzesvorschlag gibt dem Innenministerium die Möglichkeit, die Anzahl der erlaubten Jobwechsel für ausländische Pflegekräfte zu beschränken. Vorgesehen sind maximal drei Jobwechsel innerhalb der Frist. Verliert man den dritten Arbeitgeber, verliert man auch das Visum. Außerdem begrenzt das Gesetz die Arbeitsmöglichkeiten der Pflegekräfte auf bestimmte Regionen und Bereiche. Und das, sagt Kav La-Oved, beschränke wiederum die Freiheit und Menschenrechte der Migranten massiv.
"Die Pflegekräfte werden als Objekte behandelt. Wenn sie nicht machen, was du als Arbeitgeber willst, kannst du sie einfach hinausschmeißen und dir die Nächste in der Warteliste nehmen. Die einen werden dann abgeschoben, die neuen eingeflogen", sagt Idit Lebovich.
Sabin Haddad, die Sprecherin der israelischen Einwanderungsbehörde, sieht das Gesetz bereits kurz vor der Anwendung. Nur mehr die letzten Details müssten angepasst werden, sagt sie. Haddad stimmt der Kritik der NGOs nicht zu und verteidigt die neuen Regelungen. Es sei schlichtweg notwendig gewesen, gesetzliche Schranken einzuführen.
"Wenn jemand von den Philippinen hierherkommt und einen schwierigen Pflegefall bekommt, kann sie den Job einfach wieder hinschmeißen und sich einen neuen suchen", sagt Haddad. Weil dieses Verhalten keine Seltenheit gewesen sei, sei die Beschränkung auf drei Jobwechsel nötig. Die Notwendigkeit der geografischen Einschränkung für Pflegekräfte erklärt sie folgendermaßen: "Die Arbeiter wollen nicht in die Peripherie gehen. Deshalb beschränkt das Gesetz ihren Einsatzort jetzt im Vorhinein."
Idit Lebovich meint jedoch, dass es die freie Wahl der Pflegekräfte bleiben müsse, wo und mit wem sie arbeiten wollen. Städte wie Tel Aviv seien eben bei Migranten genauso wie bei Israelis beliebt. Dort gibt es auch die nötigen Netzwerke, von denen Neuankömmlinge oft abhängig sind.
Pflegekräfte wurden ursprünglich in großer Zahl für bedürftige Armeeveteranen nach Israel gebracht. Doch mehr und mehr forderte auch die restliche Bevölkerungen billige Pflege, so dass unter einem formalisierten Einwanderungsregime die Zahl der Gastarbeiter im Pflegebereich zwischen 1996 und 2009 von etwa 8.000 auf 57.000 anstieg.
Wie eine Familie?
Doch es wäre falsch, die Arbeit der Pflegekräfte auf Probleme zu reduzieren, sagt Esther Iecovich, Professorin für Sozialarbeit an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva. In ihrer Forschung hat sie sich intensiv mit den Beziehungen zwischen Pflegekräften und Patienten auseinandergesetzt. "Trotz massiver Sprachbarrieren entwickeln viele eine Sprache von Respekt und gegenseitiger Zuneigung", sagt sie.
Probleme gebe es vor allem bei schwierigen Patienten. Denn die meisten Pflegekräfte aus dem Ausland seien nicht besonders gut ausgebildet, sagt Iecovich. Das führe schnell zu Überforderung und einem Jobwechsel.
Sherima Cramer sieht auch viel Positives im engen Kontakt zu ihrem Arbeitgeber, auch wenn sie seine Ehefrau nicht mag. "Irgendwie ist es wie in einer Familie. Ich glaube, ich sollte glücklich sein."
Während die 55.000 Pflegekräfte weiterhin in einer Zweckehe mit den Alten und Kranken Israels leben, sofern sie die Frist nicht überschreiten, hat auch die israelische Rhetorik gegenüber Migranten und Asylwerbern immer wieder für Kritik gesorgt. Anstatt "Asylwerber" oder "Migranten" werden viele Afrikaner, die über Israels Grenze im Süden einwandern wollen, von der Regierung und den Medien "Eindringlinge" genannt. (Andreas Hackl, derStandard.at, 31.7.2012)
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Der Hackl nervt ein bisschen mit seiner Zivildiener-Schreibe. Denn der Hackl neigt ja dazu, sämtliche Weltprobleme zu nehmen und sie nach Israel zu setzen. Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gibt es auch anderswo und die Ratio zwischen ausbeuterischen und gerechten Arbeitsverhältnissen ist in Israel nicht anders als hierzulande. Es gibt, wie ich aus näherem Umfeld weiß, dort auch sehr ausgeglichene Verhältnisse zwischen Pflegerin und Gepflegtem. Vielleicht sollte der hackl aus dem Jerusalem-Blog einen Westjordangaza-Blog machen? Denn die israelische Wirklichkeit bildet er auch nicht ausschnittsweise ab.
Sogar so eine Geschichte, die ebenso gut von der slowakischen Pflegerin seiner eigenen Grossmutter handeln könnte, "würzt" er mit seinem Hass.
Abschliessend noch irgendeinen scheinheiligen Migranten-Eindringlinge-Unsinn unterzubringen, ist nur noch peinlich.
Das wahre Problem stellt allerdings nicht Hackls Hass dar - den gibt es in Österreich millionenfach.
Dass eine Zeitung aus dem qualitativen Mittelfeld so einem Hassprediger ein derartiges Forum bietet, ist der wahre Skandal.
... seine Kommentare zu Israel strotzen von negativer Stimmung. Ich nehme an, er will sich einen Namen machen als kritischer Denker.
Dieser Artikel zeigt die ganze Lächerlichkeit seiner Berichte. Niemand zwingt die Pfleger/innen nach Israel zu gehen, sie kommen freiwillig, weil sie bessere Verdienstchancen haben. Unsere "bömischen Schwestern" sind genau diese Art von Arbeitnehmerinnen und man könnte über sie den gleichen Artikel schreiben.
Wenn einzelne Pflegeempfänger in Österreich ihre tschechischen Betreuerinnen schlecht behandeln, heißt das aber noch nicht, dass alle so behandelt werden. Aus Einzelfällen eine Story zu machen ist nicht Journalismus, sondern Populismus.
... Altenheimen im Rahmen von Versöhnungstreffen zw. Israelis (aus dem Holocoust) und Österreichern.
Dort hab ich viele dieser Arbeitskräfte gesehen. Ich hatte nie den Eindruck, die wären "Sklaven".
Aber der Blog von Andreas Hackl scheint mir sowieso tendenziell negativ ausgerichtet. Ich glaube Hackl will sich "kritisch" geben um proffessionell zu wirken.
Jetzt weiß ich zumindest von welchem Schlag sie sind, bezüglich ihrer Syrien Kommentare war es aber eh schon offensichtlich.
Diese Thematik ist übrigens schon älter - was zB fehlt ist, das in Israel geborene Kinder kein Recht auf Aufenthalt haben und (gleich wie lange dort und welche Sprache sie sprechen) mit ihren Eltern abgeschoben werden.
Noch automatisch auf Staatsbürgerschaft nach der Ankunft.
So läuft die Welt und wird von 99% der Menschen weltweit befürwortet.
Oder glauben sie das läuft in arabischen Ländern, Asien oder Lateinamerika in Gesetzen und öffentlicher Meinung anders?
Eben Wunschdenken und FALSCH gedacht.
Wenn sie die Bedingungen des Landes nicht mögen, sollen sie dessen Staatsgrenze nicht freiwillig überquerren.
Was die Kinder von jahrelang lebenden und praktiusch eingebürgerten Menschen betrifft, das ist eine ganz andere Frage :)
Und nun zum Ausgleich die andere Seite...
http://www.spiegel.de/spiegel/p... 18239.html
Bin mir nicht sicher, welche Geschichte widerwärtiger ist!
Der Artikel beschreibt am Beispiel Israels eine Tendenz, die global (auch in Österreich) existiert und die sich auf die Öffnung der Arbeitskraft von Migrantinnen und Migranten für Überausbeutung durch diskrimineirende gesetzliche Regelung bezieht. Dabei ist die kapitalistische Ausbeutung strukturell artikuliert mit rassistischer Ausgrenzung und geschlechtsspezifischen Zuschreibungen der Arbeitsfelder.
stellen Sie implizit die entscheidende Frage: warum wird diese global relevante Frage ausgerechnet mit Blick auf IL aufgeworfen/diskutiert und die prekäre Situation der ausländischen Pflegerinnen (Binnen-I kann man sich hier wohl sparen) gerade dort aufgegriffen? Es gibt einfach eine geradezu groteske Überrepräsentiertheit des NO in unseren Medien, der auf einseitige Stimmungsmache hinausläuft.
Ist das ein rassitisches Stereotyp gegenüber Indigenen? Israel scheint deshalb Zentrum der Berichterstattung von Hackl zu sein, weil er dort lebt und arbeitet. Müssen solche Herrschaftsverhältnisse wie dieses hier genannte verschwiegen werden, weil es sich um Israel handelt? Hackls Blog hat gerade das Benennen solcher Dinge im Blick: "Dieser Blog will berichten, erzählen und erklären. Politik wird hier von unten betrachtet, weil sie nicht nur in Ministerien, Parlamenten und Verhandlungsräumen stattfindet, sondern dort passiert, wo Menschen tagtäglich leben".
überspitzt gesagt: das bzw Teil des Problems ist genau, dass es zwar einen kritischen IL-Blog gibt, aber niemand hier auf die Idee käme einen kritischen Peru-Blog zu machen ;) es gibt da einfach eine massive Schieflage, was die Präsenz ILs angeht - und zwar zulasten der öffentl. Wahrnehmung des Landes.
Ihr Vergleich hinkt schon allein deshalb, weil die Situation in Peru nicht mit der Israels vergleichbar ist. Oder haben Sie schon etwas von peruanischen Siedlern gehört?
Abgesehen davon
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