Prüfer entdeckten bei AUA Bilanz-Ungereimtheiten

31. Juli 2012, 14:39
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2007 hätte Verlust statt Gewinn ausgewiesen werden müssen

Wien - Die Lufthansa-Tochter AUA durchläuft gerade die radikalste Sanierungskur ihrer Unternehmensgeschichte. Dabei muss Airline-Boss Jaan Albrecht auch jene Sünden der Vergangenheit aufarbeiten, die der AUA allein ab 2008 mehr als eine Mrd. Euro Verlust beschert haben. Aber auch 2007 hätte die AUA statt des offiziell ausgewiesenen Gewinns von 3,3 Mio. Euro einen saftigen Verlust ausweisen müssen - rund 235 Mio. Euro. Das geht, wie "Die Presse" berichtet, aus dem Gutachten des Wirtschaftstreuhänders Herbert Heiser hervor, der im Rechtsstreit zwischen der AUA und Scheich Mohamed bin Issa Al Jaber vom Gericht beigezogen wurde.

Heiser sollte die Frage beantworten, ob die AUA Anfang 2008 tatsächlich saniert war, wie der damalige AUA-Chef Alfred Ötsch behauptet hatte. Al Jaber wollte bei der AUA mit 150 Mio. Euro einsteigen. Angesichts des finanziellen Sturzflugs sprang er aber wenig später, im Frühjahr 2008, wieder ab, weil er sich über die wirtschaftliche Lage der Fluglinie falsch informiert sah. Al Jaber klagte daraufhin Ötsch wegen des Verdachts des schweren Betrugs und des Verstoßes gegen § 255 Aktiengesetz (unrichtige Weitergabe, Verschleierung oder Verschweigung unternehmensrelevanter Ereignisse). In diesem Strafverfahren liegt schon länger ein Gutachten vom Gerichtssachverständigen Martin Geyer vor, das zu vergleichbaren Schlüssen wie Heiser kommt.

Schadenersatz

Im Gegenzug klagte die AUA Al Jaber auf 156 Mio. Euro Schadenersatz, weil die Vertreter der Fluglinie der Ansicht waren, dass der Scheich seinen Vertrag nicht erfüllt habe. Al Jaber konterte mit einer sogenannten Widerklage über 30 Mio. Euro. In diesem zivilrechtlichen Verfahren wurde nun Heiser beigezogen.

Das Ergebnis der Expertise spielt dem von der Kanzlei Kerres vertretenen Al Jaber in die Hände: Laut "Presse" hat Heiser festgestellt, dass die AUA durch die Kapitalerhöhung im Jahr 2006 zwar verhinderte, unter die vorgeschriebene Eigenkapitalquote (acht Prozent) zu sinken. Doch "die strukturellen Schwächen und damit die Verlustursachen waren nicht beseitigt. Eine nachhaltige Gewinnfähigkeit war meines Erachtens nicht hergestellt", meint Heiser. Deshalb zieht er auch in Zweifel, "ob mit dem Ergebnis 2007 ein saniertes Unternehmen vorliegt".

Dabei zweifelt Heiser laut dem Bericht das Ergebnis 2007 insgesamt an. Die AUA hat Ende 2007 keinen Abwertungsbedarf, die Flugzeugflotte betreffend, festgestellt - mit dem Argument, dass der Nutzwert der Flugzeuge höher gewesen sei als der Buchwert. Sie hat aber für die Abzinsung einen Zinssatz von 5 Prozent herangezogen. Heiser erachtet diesen für zu niedrig und verweist darauf, dass die Lufthansa mit einem Zinssatz von 9,81 Prozent arbeitete und die AUA selbst dann ein Jahr später acht Prozent ansetzte. Ein Zinssatz von 8 Prozent hätte statt der Überdeckung von 109 Mio. Euro eine Unterdeckung von 182 Mio. Euro ergeben. Bezieht man diese Abwertung und eine von Heiser ebenfalls monierte Anpassung bei latenten Steuern von 26,8 Mio. Euro ein, wäre der AUA im Jahr 2007 ein Verlust von 205,5 Mio. Euro entstanden - statt eines Gewinns von 3,3 Millionen Euro.

"Nicht überlebensfähig"

Zahlungsunfähig und/oder überschuldet sei die AUA hingegen nicht gewesen, heißt es in dem Heiser-Gutachten, das der "Presse" nach eigenen Angaben exklusiv vorliegt. Damit ist der Vorwurf der Konkursverschleppung vom Tisch. Aber: "Ohne weitere Zuschüsse seitens der Eigentümer war die AUA mit zunehmendem Zeithorizont (mittel- bis langfristig) auf einer Standalone-Basis nicht überlebensfähig", wie Heiser schreibt.

Aus den ihm vorliegenden Vorstands- und AR-Protokollen schließt der Gutachter zudem, dass dem Vorstand die prekäre wirtschaftliche Situation bekannt war, der Aufsichtsrat aber zu wenig Informationen darüber erhielt, obwohl einige Mitglieder mehrfach kritische Fragen zur Bilanz 2007 und den Businessplänen für die Folgejahre stellten. Ab Mitte März 2008 habe sich eine "merkbare Diskrepanz zwischen der internen Einschätzung und der Kommunikation" abgezeichnet. Für Al Jaber seien die ihm zur Verfügung gestellten Unterlagen nicht ausreichend gewesen, um ein richtiges Bild von der AUA zu erhalten.

Die von der Anwaltskanzlei Reich-Rohrwig vertretene AUA sieht die Sache anders. "Al Jaber hätte aufgrund der traditionell hohen Zyklizität des Luftfahrtgeschäfts mit einem Verlust im ersten Quartal 2008 rechnen müssen", umreißt AUA-Sprecher Peter Thier in der Zeitung die Position der Fluglinie. Die Frage nach einem möglichen Wertminderungsbedarf sei sehr wohl diskutiert worden, da aber niemand die schwere Wirtschaftskrise vorhersehen habe können, habe man sie nicht gemacht.  Die Bilanz 2007 sei zudem vom Wirtschaftsprüfer bestätigt worden und das sei Ernst & Young gewesen. (APA, 31.7.2012)

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