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Es ist höchst an der Zeit, dass die Politik bei der Bildungskarenz genauer hinschaut. Der Standard berichtete bereits vor eineinhalb Jahren darüber, wie leicht beim jetzigen Modell Missbrauch getrieben werden kann und dass es de facto keine Kontrollen gibt, ob überhaupt Fortbildung stattfindet. Die Reaktion damals: keine. Zwar gab es keinerlei valide Daten über die Effizienz dieser Karenzart, dennoch zeigten sich sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber überzeugt, das Fehlverhalten werde sich schon in Grenzen halten. Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, blindes Vertrauen ist besser.
Wenn nun in der ÖVP ein Umdenken einsetzt, ist das zu begrüßen. Vor allem da Geringqualifizierte bisher selten in Bildungskarenz gehen. Allerdings wird die Debatte noch immer unehrlich geführt. Es geht keineswegs nur um lebenslanges Lernen, wie gerne vorgegeben wird. Unausgesprochen bleibt: Für die Betriebe bietet die Bildungskarenz eine wunderbare Gelegenheit, bei Auftragsschwankungen Kosten für Mitarbeiter an das AMS auszulagern. Läuft das Geschäft wieder besser, kehren die Beschäftigten zurück. Im Idealfall haben sie sich dann fortgebildet, wenn nicht, wird es die Firmenchefs auch nicht stören.
Dazu kommt das Problem, dass immer mehr Menschen über Burnout und Überlastung klagen. Da man ratlos ist, wie man mit diesem Phänomen der modernen Arbeitswelt umgehen soll, nimmt man ein ineffizientes System in Kauf, bei dem Leute offiziell in Bildungskarenz flüchten, auch wenn sie nie vorhatten, sich tatsächlich fortzubilden. Nun kann man natürlich die Meinung vertreten, von einer sechsmonatigen Weltreise eines Mitarbeiters profitiere auch die Firma. Die Frage ist aber, ob das mit Unterstützung des AMS geschehen muss. Jene Arbeitslosen, denen bei jedem verweigerten Jobangebot das Arbeitslosengeld gestrichen wird, haben dafür wohl wenig Verständnis. (Günther Oswald, DER STANDARD, 31.7.2012)
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auch einen Arbeitsplatz "beschaffen" kann oder soll, so lange ist es völlig egal, WIE das geschieht.
Und für die Vermittlungsstatistik ist es sogar "besser", wenn ein bisher Arbeitsloser für ein halbes Jahr den Posten des ansonsten dort Beschäftigten bekommt, als wenn der eine dauerhaft Arbeitslos ist und der andere dauerhaft beschäftigt.
In SUMME kostet es das gleiche.
Und so lange für 300.000 Arbeitslose dauerhaft nur 30.000 freie Stellen vorhanden sind, (und das wird sich auch nie mehr ändern), ist jede Aufgeregtheit darüber pharisäerhaft.
Mir bekannter Fall: Frau, 45, Scheidung, Mann Unternehmer, zahlt ihr 600 TEUR für die Scheidung, sie bleibt bei seiner Firma angestellt, geht auf Bildungskarenz, danach in die Slowakei, weil man "hier ja soviel Steuern zahlt", will aber angestellt bleiben, weil "das Sozialsystem dort so schlecht ist". Da hebts einem den Magen aus. Die Bildungskarenz gehört wirklich überarbeitet, davon profitieren vor allem Mit-40igerinnen, die sich selbstverwirklichen wollen und das noch gegen Körberlgeld. Den Weniggebildeten bringt das gar nix.
dass die Auftragsschwankungen durch Kündigungen abgefangen werden? Und im Idealfall wird der in Bildungskarenz gehende Mitarbeiter durch eine andere Person, die zuvor vielleicht sogar arbeitslos war, ersetzt. In einem Gesellschaftssystem, wo es für alle Menschen nicht andauernd Arbeit geben kann, ist die Bildungskarenz doch ohnehin mehr oder weniger ein Nullsummenspiel. Viel Geld einsparen kann man bei den vielen unsinnigen AMS-Schulungen...Und wenn der an einem "Burn-out" Mitarbeiter statt in den Krankenstand die Bildungskarenz zur regeneration verwendet, kommt das der Gesellschaft auch billiger...Meiner Meinung nach wird sowieso zuviel in unserer Gesellschaft gearbeitet...
Ein Burnout kann man nicht einfach in sechs Monaten aus sitzen. Erstens sind eher zwei Jahre realistisch, zweitens soltle durchaus eine Bahandlung erfolgen. Die Krankenkassen werden so oder so belastet mit entsprechenden Therapien und Reha-Maßnahmen.
Ansonsten mag der Betroffene zwar im Laufe dieser sechs Monate etwas runter kommen, der Mechanismus der zum Burnout führt ist unverändert. Es dauert dann nur noch wenige Wochen bis es wieder zum Zusammenbruch kommt. Ein Arbeitgeber der sich so abputzt muss auch damit rechnen: Ein Burnoutler DARF gar nicht mehr so funktionieren wie er es davor tat, weil DAS brachte ihn ins Burnout. Lieber möchte er sich doch sicher einen neunen, unverbrauchten, der die Fallstricke zum Burnout noch nicht kennt.
kaputte Beziehungen und unglückliche Familien, psychische und physische Krankheiten - und diese Sozialkosten dafür sind enorm. Einen Tag pro Woche weniger arbeiten, die Zeit dafür in Bildung, Persönlichkeitsbildung, Sport, Lebensstiländerung, soziale Beziehungen, politische Tätigkeiten, soziales Engagement investieren. Meine Hypothese: Die Menschen wäre zufriedener und die Kosten für die Folgen der Leistungsgesellschaft würden sinken und gesamtwirtschaftlich wäre es eine positive Bilanz (auch würden dadurch mehr Menschen eine Arbeit finden als bisher).
Die Diskussion rund um das bedingungslose Grundeinkommen steckt bei uns noch in den Kinderschuhen... Sie umschreiben es sehr vorsichtig- da sind die Deutschen viel offensiver. Warum ist das eigentlich so?
Ich hatte mit meinen 32 übrigens schon so einiges durch- Workaholic,nach fünf Jahren unreflektiertem Schuften totales BurnOut, eine folgende zweijährige Regenerierungsphase, Babypause, nun Bildungskarenz (Zweitstudium und Ausbildung) und eine Teilzeitanstellung die mir Freude bereitet. Nie mehr würde ich mich auf eine vierzig Wochenstundenanstellung und ein Zombiedasein einlassen. Die Leistungsgesellschaft ist todgefahren- was wir brauchen sind Gesellschaftsleistungen und die Einführung transparenter, betrieblicher Gemeinwohlbilanzen.
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