Prozess in Wien: Ein Joint namens Herbert und fehlende Beschwerden

Michael Möseneder, 30. Juli 2012, 18:03

Sechs Angeklagte sollen kiloweise Cannabis in Wien verkauft haben, eine kriminelle Vereinigung sind sie nicht

Wien - Wenn Burim J. seiner Freundin Ida G. am Telefon ankündigte: "Ich geh kurz einen Herbert holen zum Einschlafen", handelte es sich nicht um eine Ménage-à-trois. Denn "Herbert" war zwischen den beiden ein Codewort für Cannabis. Was ein Mitgrund ist, warum sie mit vier anderen Angeklagten, zwischen 19 und 31 Jahre alt, am Wiener Landesgericht vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Michaela Röggla-Weiss sitzen.

Staatsanwalt Florian Pöschl wirft Burim J., Patrik P., Iris B. und Dominik S. vor, das Rauschmittel kiloweise verkauft zu haben. Alleine bei J. sollen es über 13 Kilo gewesen sein. Und die vier seien eine kriminelle Vereinigung gewesen.

Mestrudja J., die Ex-Frau des Erstangeklagten, soll das Geld für ihn aufbewahrt, Ida G., seine aktuelle Freundin, die Wohnung ihres Vaters als Bunker zur Verfügung gestellt haben.

Computerproblem

Bevor sie den Sachverhalt aufklären kann, muss Richterin Röggla-Weiss ganz andere Probleme lösen. Denn die ersten drei Angeklagten, die in Untersuchungshaft sitzen, sind zu Beginn nicht im Saal. Mehrere Telefonate später löst sich das Rätsel: Nummer eins und drei waren zeitgleich als Zeugen gegen ihren Lieferanten vorgesehen. Bei Nummer zwei wiederum schlug ein Computerproblem zu. Das führt nicht nur dazu, dass die Schriftführerin stenografieren muss. Sondern auch, dass der Häftling kurzfristig nicht auffindbar ist, da er in einer anderen Zelle saß.

Als schließlich alle da sind, dreht sich die Frage um Menge und Qualität des Cannabis. Geständig sind im Prinzip alle, nur wollen sie viel weniger verkauft haben - was ihnen der Senat schlussendlich teilweise glaubt.

Ankläger Pöschl ist anhand tausender abgehörter Telefonate auch überzeugt, dass der Gehalt des berauschenden Wirkstoffs THC bei üppigen 16 Prozent gelegen ist. Denn Beschwerden habe es nie gegeben. "Bei acht Prozent kommen auch keine Beanstandungen. Und ich habe in einem Drogenverfahren noch nie gesehen, dass dort Beschwerdebriefe auftauchen" , kontert J.s Anwalt Andreas Reichenbach.

Vom Vorwurf der kriminellen Vereinigung werden die Angeklagten schließlich freigesprochen, zu lose waren ihre Verbindungen. Für den Handel setzt es Strafen. Burum J. erhält drei, Iris B. zwei Jahre unbedingt, Patrik P. fasst 15 Monate, davon fünf unbedingt, aus. Mestrudja J. und Dominik S. werden zu je einem Jahr bedingt verurteilt, Ida G. bekommt sechs Monate bedingt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 31.7.2012)

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herbert ist dass

wie bitte kann man auf grund von abgehörten telefonaten den THC gehalt feststellen?
das ist doch mehr als komisch!

vermutlich ein "contact high"

nachdem ankläger pöschl tausende telefonate abgehört hat ist er nun selber so high, dass er als messlatte dienen kann.

eventuell hat er aber auch nur eine beschwerde nicht mitbekommen, die den thc-gehalt sofort auf 8% gesenkt hätte. ("liebe grüße an den herbert! ich hoffe, es geht ihm bald wieder besser!")
der verteidiger sollte darauf bestehen, dass alle telefonate noch einmal abgehört werden - bei einer derart gefährlichen "kriminellen vereinigung" sollte uns steuerzahlern kein aufwand zu hoch sein.

Für den Handel setzte es Strafen. Dann frage ich mich: Wo kam das Zeug her? Kam das bei den tausenden abgehörten Telefonaten nicht raus? Oder interessiert der Anbau die StA nicht und sie klagt nur auf Handel?

Ich Dödel

Entschuldigung "Zeugen gegen Lieferanten"

"Und die vier seien eine kriminelle Vereinigung gewesen."

Geh bitte... und die blaubraune Mauschelbagage läuft weiterhin unbehelligt herum.

Irgendwie hat die Justiz hier ein Definitionsproblem, was unter "kriminelle Vereinigung" fällt.
Und das Blattl gehört sowieso grundsätzlich legalisiert und entkriminalisiert.

Zur Bagage geb ich Ihnen schon recht.. allerdings muss man sagen, was die gemacht haben (sollen) ist auf Gewinn ausgerichtet, ...

mal sicher nicht legal und auch wenn viele gegen Cannabis konkret weniger haben als gegen manches frei erhältliche Medikament muss man schon sagen - dealen ist was anderes als konsumieren. Das ist ein Grundsatz im ö strafrechtlichen Umgang mit Drogen, der schon Sinn macht.

Insofern - ja, die Kleinen erwischts gleich mal, besonders frustrierend wenn große Fische - zumal in kriminellen Vereinigungen von LHs abwärts organisiert - frei sind und bleiben. Aber eine große Ungerechtigkeitsträne vergieße ich persönlich jetzt nicht für organisierte Drogendealer. Dass das unter kriminelle Org. fallen kann, lass ich mir im Gegensatz zur Tierschützertreibjagd schon eingehen.

trinken Sie weiter Ihr gepflegtes Bier, rauchen Tabak, werfen sich die gesundmachende Chemie der Pharmaindustrie (soll hier kein Aufruf sein) aber bitte überlassen Sie das diskutieren Leuten die was davon verstehen...
diese Pflanze ist seit ca. 50 Jahren illegal, weil riesige Konzerne:
Papierindustrie, Textilindustrie, Pharmaindustrie, Agrarindustrie es so wollten und es erfolgreich durchgesetzt haben!!!
Jahrtausende wird dieser Wirkstoff THC (Weltweit noch kein dokumentierter Todesfall) erfolgreich gegen verschiedenste Krankheiten eingesetzt
und auf einmal kommt die böse Propaganda von Amerika über den See und all das Wissen darüber ist ab sofort falsch???
lassen Sie sich nicht auslachen und machen Sie sich Gedanken

Ein Joint namens Herbert...

YMMD

"it´s not a drug, it´s a kraut."

(arnold schwarzenegger)

"It's not a drug, it's a LEAF."

"Kraut" ist ein unbeliebter Deutscher... ;o)

ah

danke fürs richtigstellen!

Skandal!

Erfolgreichen Jungunternehmern werden wieder einmal Knüppel zwischen die Beine geworfen! Warum tut Leitl nichts dagegen?

gebt cannabis endlich frei!

oder kriminalisiert alkohol ebenso, diesen halte ich für gefährlicher. einen aggressiven kiffer habe ich noch nie erlebt, aggressive bsuffniks stehen täglich in der zeitung.

Leider sehen Sie am Gericht öfter mal aggressive Kiffer. Noch schlimmer: Kiffer, die aggressiv oder vielleicht passiv-aggressiv Auto fuhren. Kommen böse Sachen für völlig Unbeteiligte dabei raus.

Es gibt auch Leute, die auf Zucker Aggressionen entwickeln ;o)

Trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, dass die Unfälle mit Marihuana am Steuer auch nur die geringste Relevanz haben gegenüber denen mit Alkohol am Steuer...

Prohibition hat noch nie funktioniert.

Ausserdem kann man ja eh auf Erfahrungswerte zurückgreifen: in der Schweiz und den Niederlanden funktioniert es ja auch.

Bei uns im letzten Hinterwald wirds halt noch ein bisschen dauern.

Du hast noch nie einen aggressiven Kiffer erlebt?

Kommst offenbar nicht viel herum, wie?

Es müssten endlich alle Rauschmittel verboten werden (ja, auch Alkohol von Bier bis Wodka), da Menschen unter deren Einfluss zu unfassbaren Dingen fähig sind.

Die Strafen sind mM viel zu niedrig ausgefallen. Wer Drogen verkauft, sollte lebenslang sitzen gehen gemessen an den Leben, die er dadurch zerstört.

Sind Sie irgendwo gegen gerannt??

anders wäre das wohl nicht zu erklären..oder haben Sie falsche Medienpropaganda nun zur Gänze zu Ihrem Wissen erklärt???
Prohibition funktioniert doch so gut wie man sieht oder??
Der Mensch wird sich immer berauschen egal wie die Gesetze sind...deswegen ist Aufklärung und Stoffkontrolle das oberste Gebot und nebenbei verdient der Staat noch die Steuern...das wäre erfolgreiche Drogenpolitik

Aggressive Kiffer?

Du bist wohl die Ausnahme.
Und die einzigen Leben die zerstört wurden, sind die der Angeklagten.
Wer stellt schon einen Vorbestraften ein? Die MÜSSEN wieder Gras verchecken!

menschen können auch ganz ohne rauschmittel unfassbare dinge anstellen. habe ich jetzt ihr weltbild zerstört?!? ;)
"gemessen an den leben, die er dadurch zerstört hat" .. sie sollten, ihrer meinung nach, also straffrei ausgehen? da bin ganz ihrer meinung.

Na dann würden die Häfen aber übergehen, an den Weinbauern und Billaverkäuferinnen die jeden Tag Drogen im Hektoliterbereich vehökern.

sorry für den eine roten - verklickt.

...und was genau haben diese Menschen nun verbrochen?

Sie haben ein Genussmittel von hoher Qualität verkauft. Leider war es nicht Wein, Bier oder Schnaps, sonst hätten sie dafür von der Wirtschaftskammer auch noch eine Auszeichnung bekommen (Winzer/Brauer des Jahres) inkl. Handschlag des jeweiligen Landeshauptmanns!

Die Logik des österreichischen Rechtsstaates....

Mutter vermietet 10 Jährige Tochter an Freier = 3 Jahre Haft

Mann verkauft getrocknete Pflanzen = 3 Jahre Haft

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