Tropische Hitze bringt immer heftigere Unwetter

  • 154.000 Blitze zuckten seit Jänner in Österreich vom Himmel, deutlich mehr als im Vorjahr.
    foto: apa/dpa/patrick seeger

    154.000 Blitze zuckten seit Jänner in Österreich vom Himmel, deutlich mehr als im Vorjahr.

Ob die Erderwärmung für die neuen Höchstwerte bei Gewittern und Regen im Juli verantwortlich ist, ist noch nicht erwiesen. Klimaforscher sehen aber durchaus einen Anlass, die Situation kritisch im Auge zu behalten

Wien - Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen. Dieses Sprichwort ist laut Ernst Rudel, Leiter der Abteilung für Klimainformation der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), eine Mär. So schlagen Blitze sehr häufig in Bäume ein, ob es sich dabei aber um eine Tanne oder Kastanie handelt, ist irrelevant. Nach Angaben des Austrian Lightning Detection and Information Systems (ALDIS) zuckte es im Juli aus 30.000 Wolken in den Boden der Steiermark - 154.000 Blitze waren seit Jahresanfang in Österreich. Im Juli des Vorjahres schlugen nur 5000 Blitze in der Steiermark ein. Auch Verletzte gibt es: Im Juli wurde ein Ehepaar bei der Jagd im Bezirk Weiz vom Blitz getroffen.

Der Juli 2012 ist auch einer der regenreichsten Monate seit Beginn der meteorologischen Messungen. In einigen Regionen wurden bereits neue Regenrekorde erreicht, vor allem in Kärnten und in der Steiermark. "Das ist schon sehr beachtlich, denn an den meisten Wetterstationen mit neuen Rekorden wird seit rund 60 Jahren gemessen, an einigen sogar seit mehr als 100 Jahren", sagt Alexander Orlik, Klimatologe der ZAMG.

Laut Rudel handle es sich bei den Unwettern im Juli um gehäufte Einzelereignisse, die durch eine Labilisierung der Luftmassen im alpinen Raum zustande kommen. "In diesem Fall trifft subtropische, warme Luft aus dem Süden auf kalte Luftmassen aus dem Nordwesten. Durch die Höhenunterschiede in den Alpen kommt es zu einer Destabilisierung der Wetterlage", sagt Rudel. Auf den Klimawandel seien die verheerenden Unwetter jedoch nicht zurückzuführen, da in den statistischen Zeitreihen keine markanten Entwicklungen erkennbar seien. Auch Jurrien Westerhof von Greenpeace ist unsicher: "Man muss vorsichtig sein, wenn man von solchen Ereignissen auf den Klimawandel schließen will."

Ohne jahrelange statistische Beobachtung könnten solche Trends nicht bestätigt werden. "Es ist aber klar, dass wir weltweit mehr Extremwetterereignisse beobachten können. Durch wärmere Temperaturen verdunstet Wasser schneller, und die Atmosphäre ist energiegeladener. Das führt in Zukunft zu immer heftigeren Unwettern."

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb glaubt an einen Zusammenhang von Klimawandel und Gewittern, wissenschaftliche Beweise gebe es jedoch noch nicht. "Wenn ein Fußballer plötzlich mehr Tore schießt, geht man auch nicht gleich davon aus, dass er gedopt ist. Den Verdacht wird man erst nach mehreren torreichen Spielen schöpfen. So ist das in diesem Fall mit dem Klimawandel. Die Unwetter stehen für eines dieser Spiele.

Zweites Todesopfer

Nach dem tragischen Unwetterunglück vom Samstagabend, bei dem während eines Ritterfestes in Pöchlarn in Niederösterreich ein Mensch getötet und zwölf Personen von Ästen verletzt wurden, gibt es seit Montag ein zweites Todesopfer. Der Mann erlag am Abend im Krankenhaus Amstetten seinen Verletzungen, teilte die Landeskliniken-Holding mit. Ein achtjähriger Bub wurde durch das Unglück zum Vollwaisen. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Es wird geprüft, ob das Ritterfest angesichts des Sturms nicht abgesagt hätte werden müssen. Gutachter sollen nun den Baum untersuchen, von dem mächtige Äste auf Zelte gestürzt waren und Menschen unter sich begraben hatten. (Florian Peschl, DER STANDARD, 31.7.2012)

 

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