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Fotoplattform mit sozialem Mehrwert: Photocircle.
Den Berliner Thomas Heinrich beschlich oft ein schlechtes Gefühl, wenn er auf Reisen Fotos von fremden Menschen in ihrem Alltag machte und diese zu Hause Freunden dennoch in Erwartung von Lob stolz herumzeigte oder die Bilder gar verkaufte. In Gesprächen mit anderen Fotografen stellte sich heraus, dass viele dieses Gefühl teilten. So entstand bei dem Betriebswirt der Wunsch, Menschen auf seinen Bildern etwas zurückzugeben.
Pittoreskes Motiv
Seit wenigen Tagen ist das Ergebnis online: Photocircle, eine Plattform, bei der auch das "Motiv" am Verkauf der Bilder partizipieren soll. Denn etwa fröhlich dreinschauende Menschen vor ihren armseligen Hütten sind vor der Linse manches Betrachters zwar ein pittoreskes Motiv. Über deren Lebensumstände macht sich der Mensch hinter der Kamera aber nur wenige Gedanken.
"Unser Ziel ist es, eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu schaffen", sagt Heinrich im Gespräch mit dem Standard und hofft, mit seiner Idee den Online-Fotomarkt revolutionieren zu können. Prinzipiell kann jeder Fotograf bei Photocircle mitmachen, sich registrieren und Bilder hochladen. Diese werden dann von einer Bildredaktion geprüft, ob sie den Qualitätskriterien entsprechen und zu den Projekten der Partnerorganisationen, darunter die Uno-Flüchtlingshilfe, passen. "Die Grundidee ist, dass wir dort Projekte unterstützen, wo die Bilder entstanden sind", sagt Plattformgründer Heinrich.
Preis
Die Fotografen legen selbst den Preis für ihre Bilder fest und entscheiden, wie hoch der Anteil der Projektunterstützung und ihr eigener Gewinn sein soll. Der minimale Spendenanteil liegt bei 30 Prozent. Bei jedem Foto erfährt der Kunde, welchem Projekt mit wie viel Geld geholfen wird und wie viel noch zur Finanzierung fehlt. Ausgedruckt werden die Fotos auf Leinwand, Acrylglas oder Alu-Dibond. Auch eigene Fotos können hochgeladen und auf dem gewünschten Material ausgedruckt werden. Sechs Prozent des Verkaufspreises werden dann an das vom Kunden gewünschte Projekt abgeführt. Die Käufer werden in regelmäßigen Abständen über dessen Fortschritt informiert.
"Fairer"
"Wir sind nicht teurer als andere Online-Galerien, aber fairer", sagt Heinrich über sein sozial orientiertes Start-up und wundert sich, dass vor ihm noch keiner auf die Idee "Fotos kaufen, der Welt helfen" gekommen ist. Nicht nur materielle Ziele hat sich das Photocircle-Team gesetzt. "Wir wollen erreichen, dass das Motiv als bewusster Bestandteil der Fine-Art-Fotografie wahrgenommen wird." Und - dass Fotografen beim Abdrücken nicht nur das Pittoreske vor, sondern auch die Situation hinter der Kamera wahrnehmen. (Karin Tzschentke, Der STANDARD, 30.07.2012)
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