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Bayreuth - Im Hause Wagner gibt es Krach. Und Nike Wagner gießt wieder Öl ins Feuer: In der Debatte um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit unterstellte sie ihrer Cousine Katharina Wagner "Verschleppungstaktik". Katharina Wagner leitet seit 2009 mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier die Bayreuther Festspiele. Nike Wagner hatte sich ebenfalls um den Job beworben.
Anlass für den Krach war der Umgang der Wagner-Schwestern mit dem Bassbariton Evgeny Nikitin, der die Titelpartie im Fliegenden Holländer hätte singen sollen. Nachdem bekannt geworden war, dass er sich einst Tattoos mit NS-Symbolen hatte stechen lassen, wurde er, wie berichtet, kurzfristig durch Samuel Youn ersetzt.
Klaus Bachler, Intendant der Münchner Staatsoper, warf den Festspielchefinnen daraufhin vor, sie zeigten mit dem Finger auf jemand anderen, "weil man mit der eigenen Geschichte ein Problem hat". Nikitin habe Reue gezeigt. "Eine Reue, die ich von der Familie Wagner in den letzten 50 Jahren nie vernommen habe."
In der Tat pflegte Winifred Wagner, die Großmutter der Wagner-Schwestern, eine intensive Freundschaft mit Adolf Hitler, der jedes Jahr nach Bayreuth kam und dafür sorgte, dass Wieland Wagner, Nikes Vater, von jeglichem Kriegsdienst befreit wurde. Sie zeigte auch nach dem Krieg kein Einsehen (z. B. 1975 im Interview mit dem Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg). Wolfgang Wagner hingegen, der jüngere Bruder von Wieland, stand dem Nationalsozialismus distanziert gegenüber. Und als Intendant verbot er seiner Mutter den Festspielbesuch.
Dass eine Aufarbeitung hoch an der Zeit sei, war Katharina Wagner bewusst, als sie zusammen mit ihrer Halbschwester in die Fußstapfen des Vaters trat: Sie gab eine solche in Auftrag und kündigte erste Ergebnisse für das Jubiläumsjahr 2013 an, in dem der 200. Geburtstag von Richard Wagner gefeiert wird. Vor wenigen Wochen sagte Katharina Wagner: " Meine Schwester und ich sehen es als unsere Aufgabe an, das Material, das sich im Festspielhaus und in unserem Privatbesitz befindet, zur Verfügung zu stellen."
Wie schnell die Bearbeitung vonstatten gehe, liege nicht in ihrer Hand: "Wir sind keine Historiker, wir können es daher auch nicht beurteilen oder einordnen. Und ich mische mich auch nicht ein. Denn ich will mir nicht den Vorwurf machen lassen, ich hätte etwas beschönigt oder verfälscht."
Einen Fehler dürfe man aber nicht machen: "Sich nur wegen eines Datums hetzen zu lassen - und gewisse Erkenntnisse und Einsichten nicht zu erlangen, nur weil die Zeit gefehlt hat."
Problem: Gegenwärtig ist jenes Material, das Winifred Wagner ihrer Enkelin Amélie Hohmann überlassen hat, nicht zugänglich. Die Erbengemeinschaft Wagner forderte Hohmann mehrfach schriftlich zur Herausgabe auf, die Anfragen des Anwalts seien aber "ins Leere gegangen" . Katharina Wagner erwägt nun, rechtliche Schritte in die Wege zu leiten. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 31.7.2012)
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