Alle ziehen positiv Bilanz

Glosse30. Juli 2012, 17:10
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Sommerfestivals im Glück

Da haben doch grad erst die Sommerfestivals begonnen - und nun ziehen sie schon Bilanz. Die Styriarte zum Beispiel gab bekannt, dass mit einer Auslastung von 90 Prozent auch heuer wieder die Erwartungen erfüllt worden seien. Und dann lobt sich der Intendant selbst für seine neue Programmreihe, die "wirklich gut gelungen" sei.

Eine "äußerst erfreuliche Bilanz" zog die Regionale Murau. Die Kammeroper Schönbrunn, die den Figaro gab, zog sogar "sehr zufriedenstellende Bilanz". Und die Schloss-Spiele Kobersdorf, die laut Aussendung "mit frenetischem Schlussapplaus und nicht enden wollendem Beifall" zu Ende gingen, "bilanzieren durchaus zufrieden".

Irgendwie neu ist: Nun ziehen die Festivals bereits positive Halbzeitbilanz. "Impulstanz spielte bislang eine grandiose erste Halbzeit", vermeldete am Montag das Wiener Festival. Und kurz zuvor zog das Theaterfest Niederösterreich "positive Zwischenbilanz" - obwohl nur " rund 75 Prozent der verfügbaren Tickets" verkauft werden konnten - und nicht um die 90 Prozent wie bei der Styriarte oder in Kobersdorf oder gar 95 Prozent wie bei den Tiroler Festspielen Erl, die ihre "bisher erfolgreichste Saison" bejubelten.

Die Bilanz, die sich ziehen lässt: Sommertheaterintendanten fehlt es mitunter an selbstkritischem Potenzial. Und so wird es in Jubelbilanztönen weitergehen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 31.7.2012)

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