Jukic kritisiert Verband, Rogan schenkt Stars ein

30. Juli 2012, 18:57
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Jukic will nicht mehr bei vom OSV ausgerichteten Bewerben antreten, sollten in der Verbandsspitze keine personellen Änderungen erfolgen - Rogan: "Bin zehnmal so clever wie Lochte"

London/Wien - Dinko Jukic nimmt sich kein Blatt vor den Mund. So viel Genugtuung kann ihm ein sportlicher Erfolg gar nicht geben, dass dem 23-jährigen Wiener nicht der Mund übergeht - vorzugsweise dann, wenn Journalisten in der Nähe sind. Am Montag erneuerte Jukic nach seinem Vorlaufsieg über 200 m Delfin seine Kritik daran, dass der österreichische Verband (OSV) gegen ihn ermitteln lässt.

Jukic hatte sich im Mai bei der EM in Debrecen wortgewaltig mit einem OSV-Funktionär gestritten. Daraufhin kündigte er an, auf die Olympia-Kraulstaffel zu verzichten, die am Dienstag auf dem Programm steht. "Mein Disziplinarverfahren nehme ich erst ernst, wenn ich ein Protokoll vom Verfahren gegen Markus Rogan 2009 in Rom sehe", sagte Jukic. "Aber anscheinend habe ich den falschen Nachnamen." Jukic nahm mit dieser Aussage Bezug auf Rogans Disco-Affäre. Rogan hatte damals nach seinem enttäuschenden WM-Abschneiden angegeben, von vier Türstehern im Hinterzimmer einer Disco in Ostia verprügelt worden zu sein.

Sportliche Schlagzeilen

Dabei hätte Jukic sportlich für genug Schlagzeilen gesorgt. In 1:54,79 Minuten blieb der Vorlaufsieger am Montag nur 0,37 Sekunden über seinem österreichischen Rekord, er ließ zunächst sogar Michael Phelps hinter sich. Im Semifinale belegte er in seinem Lauf Platz zwei hinter Phelps und qualifizierte sich als Gesamt-Sechster für das Finale am Dienstag (20.47 Uhr). "Das war ein gutes Rennen, es hat sich gut angefühlt", sagte Jukic nach dem Vorlauf. Nach 150 Metern war er in seinem Heat noch auf Rang vier gelegen. "Da war es nicht nötig, schon vorne zu sein. Ich konnte auf meine Kraft und meine Erfahrung vertrauen." Jukic hatte, auch um Kraft zu sparen, auf sein Antreten über 400 m Lagen verzichtet.

Nach dem Vorlauf war aber noch einiges an Energie über. "Ich schwimme keinen einzigen Wettkampf in Verbandsorganisationen mehr, solange diese Leute in der Verbandsspitze sind", sagte er. Explizit klammerte er bei seiner Rücktrittsaufforderung nur Präsident Paul Schauer und Generalsekretär Thomas Gangel aus.

Schon vor Olympia hatte Jukic, der sich im kroatischen Rijeka vorbereitet hat, die mangelnde Infrastruktur für Spitzenschwimmer in Österreich kritisiert. "Von uns Schwimmern werden in London ein professionelles Auftreten und Ergebnisse gefordert. Professionelle Rahmenbedingungen dafür finde ich aber leider nicht in Wien, sondern in Rijeka", sagte er dem Standard.

Jukic, Rogan, Lochte, Maier

Präsident Schauer verteidigte die von Jukic angegriffenen Funktionäre. Ein Verbandsgericht würde die Vorfälle in Debrecen prüfen, eine Strafe ist möglich. "Es gibt Tonaufnahmen, das ist nicht so einfach." Das Selbstbewusstsein von Jukic mindert das nicht. "Es wird vergessen, wenn Markus nach den Spielen nicht mehr schwimmt und mit mir ein Problem da ist, dann ist niemand mehr da." Noch sorgen beide im und abseits des Beckens für Aufsehen. Auf Ryan Lochte angesprochen, sagte Rogan im Interview mit der US-Website The Daily Beast: "Ich bin zehnmal so clever." Die wichtigste Fähigkeit eines Sportlers ist, "das Gehirn abzuschalten. Das ist ziemlich einfach, wenn du nicht so clever bist". Ähnlich hatte er sich in einem Ö3-Interview über Hermann Maier geäußert. (krud, DER STANDARD, 31.7.2012)

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    "Aufpassen, herhören!", mag die Geste von Dinko Jukic bedeuten. Sie gilt nach dem Sieg im Vorlauf über 200 m Delfin Gegnern wie Michael Phelps. Und sie gilt auch dem Verband.

  • Markus Rogan in seinem Element.

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