Knochenbrüche bei Kindern heilen anders

30. Juli 2012, 14:24
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Schiefstellungen und Behinderungen können vermieden werden. Mediziner sollten Knochenwachstum mitberücksichtigen

Berlin - Auch wenn kindliche Knochen schneller heilen als die von Erwachsenen ist ihre Behandlung alles andere als trivial. "Frakturen bei Kindern unterscheiden sich in Diagnostik und Therapie grundlegend von Knochenbrüchen des ausgewachsenen Skelettsystems", erläutert Jörg Fuchs, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) aus Tübingen in einer Aussendung.

Das beginne schon beim Erheben des Befundes. "Unsere kleinen Patienten können uns oft nicht sagen, wo genau es ihnen weh tut", erläutert der Mediziner. Die Deutung der Röntgenbefunde erfordere zudem viel Erfahrung: Haarrisse, Drehfehler und Verschiebungen könnten beim wachsenden Knochen leicht übersehen oder falsch eingeschätzt werden. Hier drohen schwerwiegende Folgen: Der Bruch heilt schlechter, Knochen wachsen fehlerhaft zusammen - schließlich können die Kinder die betroffenen Gliedmaßen mitunter nicht mehr uneingeschränkt bewegen.

Dauerhafte Schäden möglich

Viele Knochenbrüche im frühen Kindesalter wachsen zwar komplikationslos wieder zusammen. Mitunter gleichen körpereigene Spontankorrekturen sogar etwaige Fehlstellungen aus. Um Brüche zu heilen, müssen Ärzte aber die Wachstumsvorgänge und die verschiedenen Therapien gut kennen. Denn bei nicht erkannten oder falsch behandelten Frakturen drohten dauerhafte Schäden, warnt der Fuchs. Neben vorbeugendem Schutz der Kinder sei nach einem Unfall vor allem eine qualifizierte Behandlung durch einen Kinderchirurgen wichtig,. Nur dann ließen sich falsches Zusammenwachsen und mögliche Behinderungen vermeiden.

Knochenwachstum mitberücksichtigen

Fast die Hälfte der Knochenbrüche bei Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahren sind Frakturen des Unterarms, gefolgt von Brüchen von Schulter und Oberarm. "Aufgrund ihrer Schutzfunktion etwa beim Sturz auf die ausgestreckte Hand sind Ober- und Unterarm am häufigsten betroffen", so Fuchs. Je nach Lage und Art des Knochenbruchs, Alter, Geschlecht und Entwicklungsstadium des Patienten heile der Bruch unterschiedlich. 

Höchste Fehlerquote

Bestimmte Körperteile nach einem Bruch zu heilen erfordert vom Arzt große Expertise: Die Wachstumsfugen des Ellenbogengelenks etwa, die für das Längenwachstum des Knochens verantwortlich sind, hören schon früh auf zu wachsen. "Deshalb gleicht der Körper hier eventuelle Fehlstellungen nur in geringem Maße aus", so der Kinderchirurg und Knochenexperte Justus Lieber von der Abteilung für Kinderchirurgie und Kinderurologie der Universitätskinderklinik Tübingen. Mit 77 Prozent Komplikationen wiesen diese Frakturen die höchste Fehlerquote bei Behandlungen auf. (red, derStandard.at, 30.7.2012)

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    Kinder heilen anders als Erwachsene.

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